14. Dezember 2020

Schulstart: Alle Zeichen auf wiederholtem Neubeginn

schulstart - meinefamilie.at

Die Schule sperrt wieder auf. Obwohl sie nie wirklich vollständig geschlossen war. Für unsere Mädels fühlt sich das alles nach einer Wiederholung von etwas an, das sie bereits erlebt haben.

Drei Wochen Homeschooling sind absolviert. Gerade an dem Zeitpunkt, wo wir es uns in dieser Situation eingerichtet und Strukturen aufgebaut hatten, ist wieder alles anders. Ans Aufstehen müssen wir uns nicht erst wieder gewöhnen, denn wir haben auch in der Homeschooling-Zeit auf Disziplin gepocht. Auch das Jause-Machen überfordert uns nach anfänglichen Problemen nicht. 

Auch nicht überfordert sind wir davon, dass unsere Kinder jetzt erstmals wieder seit drei Wochen alle Sachen beisammenhaben müssen. Was bisher im Heim- und Online-Unterricht vergessen wurde, konnte in den letzten Wochen nur allzu leicht von Mama oder Papa „nachgebracht“ werden. Jetzt ist vergessen einfach vergessen und ist nicht einfach mit einem Fußweg von wenigen Metern glattzubügeln. 

Keine große Begeisterung

Schon interessanter und herausfordernder ist die Tatsache, dass sie unsere Mädels (12 und 8 Jahre alt) gar nicht darum gerissen haben, wieder in die Schule gehen zu dürfen. Bei der Großen lässt sich das wohl unter anderem darauf zurückführen, dass sie jetzt die ganze Zeit, auch im Unterricht, eine Maske tragen muss. Aber bei der Kleinen? Sie sieht endlich ihre Freundinnen und Freunde wieder, mit denen sie in den letzten Wochen online Vorlieb nehmen musste. Dennoch hält sich ihre Begeisterung arg in Grenzen.

Vielleicht deshalb, weil sich die neuerliche Schulöffnung ein wenig wie die Ruhe vor dem neuerlichen Sturm anfühlt? Nicht nur wir ahnen und befürchten es, auch für die Kinder fühlt sich diese jetzt ausgerufene „neue Normalität“ überaus brüchig an. Wie sollen sie agieren, was dürfen sie tun, welche Einschränkungen kommen wieder auf sie zu? Und wird die Schule dann wieder geschlossen mit dem impliziten Vorwurf, dass Kinder und Jugendliche ihren guten Teil zum Infektionsgeschehen beigetragen haben?

Noch einmal

Das alles fußt auf der Erfahrung, die sie schon einmal machen mussten. Sie haben sich eingeschränkt, ihre Freundinnen nicht mehr umarmt, Kontakte reduziert, in der Schule außerhalb der Klassenräume Masken getragen, auf Sport und Musik in der bisher bekannten Form verzichtet. Dennoch scheint es, so zumindest ihr Eindruck, wenig bis nichts geholfen zu haben. Wenn es das Ziel war, die Schulen offen zu halten, dann haben ihre durchaus beachtlichen Entbehrungen nicht ausreichend dazu beigetragen das zu erreichen.

Unsicherheit macht sich breit. Ist es wieder nur Normalität auf Abruf?

Und jetzt also wieder Schule: Die Frage, wie sie sich richtig verhalten sollen ist natürlich omnipräsent. Ist wie vor der Schulschließung oder noch strenger? Unsicherheit macht sich breit. Ist es wieder nur Normalität auf Abruf oder hält es dieses Mal länger?

In dieser Hinsicht hilft wohl nur Aufklärung und Reden zuhause. Man kann nichts ausschließen. Alles ist denkbar. Daran gilt es nicht zu verzweifeln. Jeder neue Anlauf fühlt sich letzten Endes nämlich irgendwie mühsamer als zuvor an. Strukturen und Gewohnheiten müssen wieder aufgebaut werden. Denn das ist es, was Kinder und Jugendliche brauchen: Sicherheiten und Gewohnheiten. 

So mühsam das Homeschooling gewesen sein mag, so sehr hat es auch nach spätestens einer Woche Sicherheit und Gewohnheiten geboten. Man stand in der früh auf, arbeitete Pläne ab, begab sich in Online-Konferenzen. Nach ersten Unklarheiten gab es fast völlig Klarheit und Gewissheit.

Jetzt in der Schule ist es wieder anders, zum Beispiel bei unserer Großen: Sie weiß nicht, ob die Lehrer jetzt wieder, da ja in der Wiederholungszeit quasi Zeit verloren gegangen ist, jetzt voll durchstarten, extrem prüfen und auch sonst „Gas geben“. Das verunsichert sie und hat vor der Schulöffnung auch für die eine oder andere fast schlaflose Nacht gesorgt.

Wir hoffen jedenfalls, dass unsere Mädels gut in diese nächsten Wochen starten und sich dann in die Weihnachtsferien begeben können. Natürlich vorsichtiger und mit mehr Abstand zu Verwandten und Freunden wie gewohnt.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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