8. Juli 2021

Rückbildung: Liebe Mamas – lasst euch Zeit


Das Wochenbett dauert sechs bis acht Wochen. Jede Schwangere bzw. frischgebackene Mama weiß, dass man sich in dieser Zeit schonen darf und seinem Körper Zeit zum Erholen geben soll. Doch dann? Mit dem Wochenbett ist die Rückbildung noch lange nicht vorbei – es ist quasi nur der Startschuss für einen langen Weg, der mir nicht ganz bewusst war. 

Ich wusste, dass es Rückbildungsgymnastik-Kurse gibt. Aber erstens ist es im Sommer gar nicht so einfach da an Informationen zu kommen, wann und wo einer startet und selbst wenn, sind die Plätze schnell ausgebucht. Zweitens war ich auf „Gymnastik“ ohnehin nicht so motiviert. Mir fehlte einfach die Vorstellung, was sich nach der Geburt alles wieder rückbilden muss und vor allem wie wichtig dies ist.

Nach meiner ersten Geburt habe ich den Fehler gemacht, dass ich mir dachte ich wäre nach dem Wochenbett wieder vollkommen fit und körperlich dieselbe wie vor der Schwangerschaft. Ich fühlte mich auch so und darum stand ich pünktlich auf den Tag nach acht Wochen wieder im Handballtraining. Ich fing natürlich vorsichtig an und achtete darauf dynamisch zu laufen und nicht gleich Vollgas zu geben. Es dauerte aber nicht lange und ich stand beim ersten Spiel wieder am Spielfeld.

Ich wurde zwar von anderen Mamis in der Mannschaft gefragt, ob es denn mit meinem Beckenboden schon ginge und mir wurde liebevoll gesagt, dass ich auf mich aufpassen solle, aber niemand hat mir gesagt: STOPP – HALT – HÖR AUF! Rückblickend bin ich ja überrascht, wie lange es gut gegangen ist, bevor sich mein Beckenboden und meine Blase meldeten.

Schonen und das richtige Ausmaß finden

Ich habe lange nicht verstanden, was ich meinem Körper zumute und mit dem zu frühen Start in den Sport angetan habe. Nachdem sich meine Blase meldete, holte ich mir Physiotherapie bei einer Spezialistin. Erst nach und nach verstand ich, was Rückbildung bedeutet und wie wichtig diese ist. Zudem habe ich mich bei verschiedenen „Mama fit“ Kursen angemeldet, dort findet die Belastung im richtigen Ausmaß statt und die Übungen sind speziell abgestimmt.

 

Nach meiner zweiten Schwangerschaft bin ich nun schlauer. Diesmal besuche ich einen Rückbildungskurs und nebenbei einen „Mama fit Kurs“. Zudem habe ich mich schon in der Schwangerschaft von meiner Physiotherapeutin begleiten lassen und bald nach der Geburt mit individuell, angepassten Beckenbodenübungen gestartet. Bei Handball habe ich mich gleich vorab eine weitere Saison entschuldigt – schweren Herzens natürlich – aber mir ist bewusst, wenn ich diesmal wieder zu früh starte, kann das gravierende Folgen haben.

9 + 9 Monate?

Häufig hört man, dass eine Schwangerschaft 9 Monate dauert und der Körper danach weitere 9 Monate braucht, um wieder dort zu sein, wo er zuvor war. Dass diese Aussage sehr optimistisch berechnet ist und die Rückbildung in Wahrheit meistens deutlich länger benötigt, habe ich auch erst jetzt in diesem Rückbildungskurs gelernt.

Zudem zeigt ihre Erfahrung, dass sportlich motivierte Jungmamas, häufig mehr Probleme haben als die Mamas, die sportlich keine Ziele haben und mit mehr Geduld in die Rückbildung rein gehen. 

Hier habe ich einige Dinge erfahren, die ich eigentlich nicht hören wollte, aber dennoch gut zu wissen sind. Unsere Physiotherapeutin beim Rückbildungskurs rechnete damit, dass die komplette Rückbildung über zwei Jahre plus Stillzeit dauert, Zudem rät sie uns, mindestes ein Jahr keinen Impact Sport (Bewegung mit Start-Stopp) zu machen. Zudem zeigt ihre Erfahrung, dass sportlich motivierte Jungmamas, häufig mehr Probleme haben als die Mamas, die sportlich keine Ziele haben und mit mehr Geduld in die Rückbildung rein gehen. Das Risiko als frisch gebackene Mama zu viel Sport zu machen, ist wohl deutlich höher, als dass zu wenig zu machen.

Ganz wichtig bei dem Thema Rückbildung und Sport nach der Schwangerschaft ist mir, dass es mir nicht um die perfekte Bikinifigur geht – um ehrlich zu sein, die hatte ich vor der ersten Schwangerschaft auch nicht. Mir geht es viel mehr um meine Gesundheit und den Spaß an der Bewegung. Ich möchte eines Tages mit meinen Kinder Trampolinhüpfen und toben können, ohne Harn zu verlieren und den Sport machen können, auf den ich Lust habe, ohne Angst vor Folgen zu haben.

Also liebe Jungmamas, bitte lasst auch Zeit!

 



EIN ARTIKEL VON
  • Petra Schmied

    Nach meinem Lehramtstudium in Biologie- in Geographie habe ich bis zu meiner Karenz als Hortpädagogin an einem der wunderschönsten Ort in Salzburg gearbeitet. Es gibt nichts Schöneres als mit Kindern zu basteln, zu spielen und die Welt zu erkunden. Zudem bin ich als Sexualpädagogin tätig – einem Thema, das mich schon seit meiner Schulzeit begleitet. Mein Ehemann ist ein Jugendfreund von mir, mit dem ich die Leidenschaft des Handballsportes teile und gemeinsam als Jugendtrainer aktiv bin. Unsere kleine Tochter soll erst der Anfang unseres Familienglückes sein.


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