20. April 2020

Psychohygiene in der Quarantäne

Psychohygiene in der Quarantäne

Warum wir unsere eigenen Bedürfnisse auch in der Zeit von Corona nicht immer hinten anstellen sollten …

Die aktuelle Lebenssituation der Familien in Österreich sieht bei vielen sehr ähnlich aus. Homeschooling, Homeoffice, Kinderbetreuung in den eigenen vier Wänden rund um die Uhr, ohne Aussicht auf Besserung und ohne Unterstützung naher Verwandter und Freunde.

Auch wenn das Alter der Kinder, die Arbeitsweise und –intensität der Eltern, sowie die Lage und Größe der Behausungen variieren, wir alle sitzen gerade scheinbar im selben Boot. Ängste, Sorgen und Unsicherheiten machen sich immer wieder bemerkbar. Überforderung, Verzweiflung und Aussichtslosigkeit werden bei manchen Familien langsam mehr. Gerade in Zeiten wie diesen, ist der Blick nach innen manchmal richtungsweisend für die Bewältigung des Außen.

Warum Psychohygiene gerade jetzt wichtig ist

Die Regelungen der Regierung sind für mich nachvollziehbar. Ich bin froh in einem Land wie Österreich zu leben. Ich freue mich über die Aussicht auf Besserung. Doch da der Zeitpunkt, wann diese kommen wird, noch vollkommen unklar für mich scheint, ist das Thema Psychohygiene in der Zeit der Quarantäne, meiner Meinung nach, wichtiger denn je geworden. An den Rahmenbedingungen können wir aktuell nichts ändern, daher ist es entscheidend, sich darauf zu fokussieren, was in unseren eigenen Händen liegt.

Begleitende und unterstützende Maßnahmen, um, vielleicht noch ungeahnte, Kräfte zu mobilisieren, können ebenso wirksam sein, wie die eigenen Ressourcen zu erweitern um sie im Notfall gezielt aktivieren zu können.

Ständig neue Herausforderungen

Dies gilt für die aktuelle herausfordernde Zeit, aber doch eigentlich immer. Denn das Leben stellt ständig neue Herausforderungen an uns. Vor allem das Leben mit Kindern ist oftmals nicht planbar und bringt so viel Freude wie auch Chaos in unseren Alltag. Die Bedürfnisse unserer Jüngsten kommen meist zuerst, dann folgen die des/der Partners/in oder der Haustiere, dann wäre da noch der Haushalt, die Arbeitsstelle, Freunde, die erweiterte Familie, KollegInnen und und und…

Irgendwann zum Schluss kommen dann noch unsere eigenen Wünsche, Träume und Bedürfnisse. Doch kommen wir je bei diesen an, ist meist keine Energie mehr übrig, sich selbst Gehör, Zuwendung und Liebe zu schenken. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Eltern sind von der Corona-Quarantäne besonders betroffen

Da das Einleiten präventiver Maßnahmen noch nie zu den Stärken der ÖsterreicherInnen zählte und auch nun, in der Krisensituation, diesbezüglich, meiner Meinung nach, kaum Unterstützung angeboten wird, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, das Thema „Psychohygiene in der Quarantäne“ auf den virtuellen Tisch zu bringen. Und ich mache den Anfang mit einer, wie ich meine, sehr stark betroffenen Gruppe…den Eltern.

Auch abseits von Corona, scheint Selbstfürsorge für viele Mamas und Papas ein unerreichbares Ziel zu sein. Die Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder sind oftmals so unterschiedlich, dass Psychohygiene zeitweise schlicht weg zu einem Fremdwort wird. In der Zeit der Corona-Krise, wird dieses Thema, wie so viele andere, für einige Eltern intensiv(er) spürbar.

Was können wir tun, wenn uns so vieles, was uns normalerweise gut tut, verwehrt bleibt?

Begriffe wie „Achtsamkeit“ und „bedürfnisorientierte Begleitung“, sind zu Modewörtern geworden. Sie erscheinen uns oftmals in der Theorie sinnvoll und bedeutsam. Die Umsetzung im Alltag, lässt uns dann aber immer wieder verzweifeln.

Wieso ist das so?

Woran es vielen Familien zeitweise fehlt, ist meines Erachtens, Muße um zu erkennen, wie es den einzelnen Familienmitgliedern wirklich geht, Ruhe und Achtsamkeit um diese Erkenntnisse offen und ehrlich zu teilen und die Fähigkeit einen Perspektivenwechsel zu vollziehen, um das notwendige Verständnis für die Bedürfnisse jedes einzelnen Familienmitgliedes wahr- und ernstnehmen zu können. Die Basis für mehr Achtsamkeit im Umgang miteinander, ist immer die Fähigkeit mit sich selbst achtsam und liebevoll in Kontakt zu treten.

Wie jeder bedeutende Schritt im Leben eines Menschen, ist auch dieser nicht von heute auf morgen umsetzbar.

Die Ausnahmesituation mit der wir uns aktuell konfrontiert sehen, zwingt uns teilweise in ein Korsett an Einschränkungen, dass wir uns selbst so niemals ausgesucht hätten. Das macht die Sache mit der Psychohygiene nicht gerade leichter, nicht wahr?

Aus diesem Grund, ist der entscheidende erste Schritt in Richtung mentalen Ausgleichs, sich damit auseinanderzusetzen, was einem selbst jetzt gerade wirklich wichtig ist. Fragen wie „Was würde mir gerade gut tun?“, „Was schwächt oder ärgert mich momentan besonders?“ oder „Was, bzw. wer fehlt mir?“, können auf dem Weg in Richtung Psychohygiene hilfreich sein. Alle Gefühle die im Hier und Jetzt auftauchen, sind wichtige und richtige Emotionen, die als Wegweiser in eine vielversprechende Richtung dienen können. Auch wenn wir aktuell gerade alle scheinbar im selben Boot verharren und auf Besserung warten, die Antworten auf diese Fragen, werden trotzdem ganz unterschiedlich ausfallen.

Deshalb ist auch die Lösung unserer Probleme nicht pauschal durch allgemeine Empfehlungen zu finden. Vielmehr geht es um eine individuelle Reise, die bei einem selbst beginnt…

Wenn Sie gerne mehr über meine Gedanken, Ideen und Tipps zum Thema „Psychohygiene“ erfahren wollen, können Sie meine Website besuchen, sich auf meiner Facebookseite „Die Waldpraxis“ umsehen oder an meiner Elternchallenge #stayathomebutdontgocrazy teilnehmen.



EIN ARTIKEL VON
  • Manuela Fischer

    Ich bin Psychologin, Kleinstkindpädagogin und Mutter einer zweijährigen Tochter. In meiner eigenen Waldpraxis biete ich Eltern, aber auch allen anderen die auf der Suche nach Antworten, Entspannung oder einer Auszeit vom Alltag sind, einen Wohlfühlort mitten im Grünen.


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