21. Januar 2020

Meine Kinder und der Schlaf – Teil 2

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Meine Kinder sind nicht die besten Schläfer. Was ich darunter verstehe und warum das womöglich so ist, könnt ihr in Teil 1 lesen. Hier geht es darum, was wir dagegen tun können.

„Na, heute werden die Kinder aber gut schlafen!“

So ungefähr jeder Mensch, der meine Kinder zum ersten Mal erlebt, sagt irgendwann diesen Satz. Und erntet von mir ein müdes Lächeln. Meine Kinder sind sehr aktiv. Sie können wohl konzentriert und ruhig bei einer Sache sitzen. Aber sie brauchen auch sehr viel Bewegung. Sie laufen, springen, klettern, fahren mit dem Fahrrad und toben herum. Wir gehen zum Kinderturnen, Tanzen und fallweise ins Schwimmbad oder auf den Eislaufplatz.

Das tut meinen Kindern gut. Aber das ist für sie ein normales Maß an Bewegung. Daheim umfallen vor Müdigkeit, wie sich das manche Menschen vorstellen, haben wir zwar schon erlebt, aber dafür braucht es schon deutlich mehr. So konnte meine Tochter mit gerade mal 4 Jahren 8 km mit dem Fahrrad fahren. Oder stundenlang mit uns wandern. Dann schlief sie wirklich einfach ein. Auch dieses Auspowern tut ihr gut, steht aber sicherlich nicht an der Tagesordnung.

Ruhig werden

Irgendwann haben wir erkannt, dass unsere Kinder nicht besser schlafen, wenn sie abends noch eine Stunde länger durch den Garten laufen. Denn selbst wenn sie dann müde sind, dauert es einfach eine Zeit, bis sie in so einen ruhigen Gemütszustand finden, dass sie auch gut einschlafen können. Es ist also unsere Aufgabe zu schauen, dass sie am Abend zur Ruhe kommen können. Draußen sein geht schon, aber dann ist es hilfreich, wenn wir sie zu einer ruhigen Tätigkeit anregen. Also vielleicht einfach gemütlich spazieren gehen, ein Bild aus Blättern, Zapfen, Nüssen, Kastanien oder Blüten legen, mit Straßenkreiden malen, den Himmel beobachten.

Ruhige Musik oder gemeinsames Singen dient auch der Beruhigung. Bilder anschauen. Geschichten vorlesen. Das Licht reduzieren. Bei Kerzenschein für den Tag danken. Langsam sprechen. Bewusst atmen. Wenn es möglich ist, ist es ganz praktisch, wenn die beiden Kinder am Abend ein bisschen getrennt von einander sein können. Dann kommen sie leichter zur Ruhe.

Einschlafbegleitung

Es gibt Kinder, die schlafen alleine ein. Und es gibt Kinder, die tun sich damit schwer. Das meine zum zweiteren Schlag gehören, ist mittlerweile klar. Also lege ich mich zu ihnen, damit es ihnen leichter fällt. Noch schlafen sie beide gemeinsam in einem großen Bett, das ist also gut möglich. Sie genießen das Kuscheln und vor allem meine Tochter erzählt jetzt noch viel vom Tag. Auch wenn ich oft gar nichts mehr hören möchte, ist es doch ganz wichtig ihr zuzuhören, wenn sie mich an ihren Gedanken teilhaben lässt. Und auch das hilft natürlich beim zur Ruhe kommen.

Was jedoch nicht hilft: mich zu meinen Kindern zu legen, wenn ich eigentlich gar nicht möchte und selbst nur aufgewühlt bin. Das spüren sie natürlich. Ich muss mich ganz darauf einlassen. Wenn ich das nicht kann, biete ich Alternativen an. Ich setze mich zum Beispiel etwas abseits hin und tippe mails oder was mir sonst so unter den Nägeln brennt. Das gleichmäßige Tippen hat im Übrigen auch eine beruhigende Wirkung.

Einlassen ist nicht so einfach

Lange Zeit habe ich mich darüber geärgert, dass abends so viel Zeit für das Schlafen legen drauf geht. Dabei haben wir ja wirklich viel versucht und uns an die gängigen Tipps gehalten. Nur eines war für uns nie eine Alternative: sie schreien lassen.

Es nimmt wahnsinnig viel Druck, wenn man nicht mehr ständig alles hinterfragt und einfach sagen kann: „Es ist halt so. Meine Kinder sind so.

Ist doch schön, dass ich für sie da sein kann, wenn sie mich brauchen.“ Oft denke ich dann an ein Zitat von Josef Kentenich, dem Begründer der Kentenich-Pädagogik: „Erziehen heißt selbstlos fremdem Leben dienen.“ Ein Satz, über den man nachdenken kann. Ich lasse mich auf meine Kinder ein. Weil ich weiß: sie sind so selbstständig.

Früher oder später gehen sie ihren Weg ohnehin alleine. Wenn es mir schwer fällt, dann denke ich an meine Kindheit. Daran, wie gerne ich bei meiner Mutter lag. Und wie wohlig es war, sie zu spüren. Und wie ich mich gefürchtet habe, wenn ich alleine liegen musste. Wenn mir das Gekuschel gar zu viel wird, denke ich auch gerne an die vielen einsamen Menschen, die es auf dieser Welt gibt. Die im Alltag oft überhaupt keine Berührungen erfahren. Das erfüllt mich schnell mit Dankbarkeit.

All das heißt nicht, dass ich meinen Kindern nicht sage, wenn mich die Enge nervt oder ich eigentlich gerne etwas ganz Anderes machen würde. Aber es soll immer mitschwingen: „Wenn ihr mich braucht, dann bin ich für euch da. Auch wenn ich gerade andere Pläne hatte.“

„Ihr könnt das auch alleine“

Bei aller Einschlafbegleitung ist mir wichtig, dass meine Kinder wissen, dass ich davon überzeugt bin, dass sie es auch alleine könnten, wenn sie wollen. Das sie das nicht unbedingt wollen, verstehe ich aber nur zu gut. Denn das ist halt das Gemeine: wenn man müde ist, ist eigentlich nicht der beste Zeitpunkt um etwas Neues auszuprobieren.

Und irgendwann werden sie es trotzdem machen. Weil sie neugierig sind, täglich dazu lernen und sich an anderen Menschen orientieren. Auch an den Freund*innen, die ein tolles Hochbett als eigenes Reich haben, in dem sie ganz alleine einschlafen und in dem Erwachsene sowieso verboten sind. Und ein Hochbett steht ganz oben auf der Wunschliste meiner Tochter.



EIN ARTIKEL VON
  • Agnes Rehor

    Ich bin Kindergarten- und Hortpädagogin und habe Diätologie studiert. Seit 2013 bin ich verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Nach den Babyjahren sind wir aus Wien hinaus in Häuschen mit Garten gezogen. Ich begeistere mich für die Natur und ihren Schutz, beschäftige mich damit, wie Beziehungen gelingen können und brenne für unkonventionelle Ideen.


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