13. Juli 2021

Lang lebe Fast Fashion! Kleidung möglichst lange nutzen


Fast Fashion wird billig produziert und geht schnell kaputt. Lohnt es sich, sie zu reparieren? Auf jeden Fall!

Wieder ein Loch im T-Shirt. Bei der Hose hat sich der Saum gelöst, der Stoff des Sommerkleidchens ist vom Waschen schon ganz verzogen. Prüfend fahre ich mit den Fingern über das Loch im Shirt. Und entscheide: Das nähe ich zu. Auch die Hose wird repariert. Das Kleid hingegen ist nicht zu retten, finde ich. Und werfe es schweren Herzens in den Müll. Schade! Gerade mal eine Saison hat meine Tochter es getragen. Viele Teile Kinderkleidung wandern täglich durch meine Hände. Schmutzig, nass direkt aus der Waschmaschine, steif vom Trocknen am Balkon, gefaltet und bereit für den Kleiderkasten im Kinderzimmer. Regelmäßig miste ich aus, stopfe das, was zu klein ist in große Boxen fürs nächste Kind in der Geschwisterreihe. Manches werfe ich weg, kaputte Stellen versuche ich auszubessern – oder gebe sie an meine Oma weiter, die die durchgewetzten Stellen an den Knien verstärkt. Immer öfter überwinde ich mich, Kleidungsstücke zu reparieren. Flicken, nähen, stopfen – es ist eine Arbeit, die ich gar nicht gerne mache. Bei der ich mich frage: Lohnt sich das wirklich? Neue T-Shirts gibt’s ja um ein paar Euro. Süße Kleider auch.

(c)iStock

In Wahrheit ist billige Mode sehr teuer

Und dann lese ich Texte wie diesen hier (Modedesignerin Orsola de Castro im Interview – SZ Magazin (sueddeutsche.de), in dem die Modedesignerin Orsola de Castro darüber spricht, dass es sich auf jeden Fall auszahlt, auch billige Fast Fashion-Produkte zu reparieren. Denn: „Uns wurde diese gefährliche Story eingebläut, dass Fast Fashion so billig gemacht ist, dass es sich nicht lohnt, sie zu reparieren. Tatsächlich ist sie aber sehr teuer: Sie kostet nicht nur Ressourcen, sondern auch Menschenleben.“

Fast Fashion kostet Ressourcen und sogar Menschenleben.

Ich gebe zu: Wenn eines der Kinder was Neues zum Anziehen braucht, wenn ich für mich ein neues Teil im Internet bestelle, denke ich nicht immer ausgiebig über die ethischen Konsequenzen eines ressourcenverschwendenden Lebensstils auf Kosten anderer und unseres Planeten nach. Aber natürlich weiß ich um sie. Ich weiß auch, dass ich alleine nicht die Welt retten kann. Meinen kleinen Beitrag kann ich aber leisten.

Reparieren ist nicht so schwierig

Und ganz so schwer ist das nicht, behauptet Orsola de Castro. Einen Hosensaum aufnähen, ein T-Shirt flicken, kaputte Jeans reparieren: Das sei alles keine Hexerei. Kleidung könne durch kreative Näharbeiten sogar aufgepimpt werden. Warum nicht eine kleine Blume rund um einen Fleck nähen? Oder einen Riss in Jeans extra hervorheben. Schließlich kaufen wir ja auch Hosen, die von vornherein ‚used‘ aussehen.

Jeder kann seinen Beitrag für einen besseren Planeten leisten.

Absurd, gerissene Hosen in den Müll zu werfen, um wenig später gerissene Hosen zu kaufen. Den Näherinnen in Bangladesh oder anderswo seien wir das schuldig: „Wenn Modelabel massive Profite machen, weil sie den Leuten, die die Kleidung herstellen, keinen anständigen Lohn bezahlen, dann müssen diese Kleidungsstücke wenigstens so lange wie möglich halten.“

Kleidung lange erhalten – Tipps und Tricks

Mein Ziel: Kleidung möglichst lange erhalten. Nicht vorschnell entsorgen, was mit wenig Aufwand weiterhin getragen werden kann. Das gilt für die Sachen meiner Kinder genauso wie für meine eigenen. Auch gut: Lange Nutzen und Reparieren spart richtig viel Geld.

Damit Kleidung möglichst lange hält, gibt es ein paar Tricks. Dabei ist es völlig egal, ob ein Kleidungsstück billig oder teuer eingekauft wurde.

  • Natürlich, qualitativ hochwertige Kleidung hält am längsten. Kostet aber in der Regel auch am meisten. Nicht jeder kann sich immer für die hochpreisigen, ‚guten‘ Marken entscheiden. Bei mehreren Kindern (wie bei uns), wo viel Kleidung von einem zum nächsten Kind weitergegeben wird, zahlt sich ein höherer Preis für bessere Qualität in vielen Fällen aus. Es macht mich richtig glücklich, wenn ich gut erhaltene Lieblingsstücke an den Kleineren weitergeben kann. Manches trägt bei uns bereits das fünfte Kind.
  • Orsola de Castro empfiehlt, Kleidung nicht so oft zu waschen. Nicht automatisch abends alles in die Schmutzwäsche werfen. Zuerst einmal schnuppern, eventuell auslüften und wenn möglich noch einmal tragen. Geht das auch bei Kindern? Die abends sandpaniert vom Spielplatz heimkommen und das Mittagessen stolz vor sich her am Leiberl tragen? Nicht immer, klar. Wegen einzelner Flecken muss ein Shirt aber nicht unbedingt in die Waschmaschine. Vieles lässt sich im Waschbecken punktuell einfach auswaschen.
  • Mit der Nähmaschine kann ich leider nicht umgehen. Einige Nähnadeln und Zwirn in allen möglichen Farben hole ich aber regelmäßig hervor, um Knöpfe anzunähen, Löcher zu flicken, gerissene Nähte zu reparieren. Das meiste hält. Auch wenn meine Nähkünste alles andere als professionell sind.
  • Flecken, Löcher, Risse aufpimpen. Probiert habe ich das noch nicht. Im Internet gibt es dazu eine Fülle an Ideen.

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