1. Juli 2021

Konsumverhalten: Auch hier zahlt sich Vorbild sein aus


Wir alle kaufen und konsumieren. Auch Dinge, die wir nicht unbedingt bräuchten. Doch was macht es mit Kindern und Jugendlichen, wenn sie erkennen, dass ihre Eltern so agieren?

Wir kaufen also sind wir. In unserer auf Konsum ausgerichteten Gesellschaft kaufen wir somit nicht nur Dinge, die wir zum Bestreiten unseres Lebens brauchen – also etwa Lebensmittel – sondern auch Dinge, von denen wir glauben, dass sie unser Leben besser machen. Anders gesagt: Wir kaufen uns einen Stück Identität, einen Stück Wunsch danach, dass wir mit dem Kauf dieses oder jenes Produktes ein Anderer oder eine Andere werden. Produkte versprechen Glück, Wandlung, Veränderung. Dass sie dieses Versprechen nicht einhalten, zeigt sich aber darin, dass wir immer ein neues Stück vom Glück kaufen müssen. So funktioniert das Prinzip. So wird auch gewährleistet, dass unsere Wirtschaft nicht kollabiert.

Werte schätzen

Vollständig aus diesem System aussteigen können wir als Eltern und damit als Vorbilder natürlich nicht. Wir können zwar reflektieren, was wir tun und was wir kaufen. Aber falls wir uns entscheiden sollten, doch nicht autark in der Wildnis leben zu wollen, nehmen wir teil. Denn auch Bio-Produkte oder andere Produkte, die die Nachhaltigkeit im Blick haben, sind letzten Endes Glücksversprechen und Identitätsträger. Und das können wir unseren Kindern auch vermitteln: Produkte machen unser Leben im besten Fall tatsächlich ein klein wenig besser, etwa weil wir tatsächlich gesünder leben und beim Konsumieren mehr auf unsere Umwelt achten. Wir sollten die Produkte, egal ob Essen oder Vinyl-Platte, aber auskosten und wertschätzen.

Sprich: Nicht ständig wie gehetzt nach dem neuen Stück vom Glück streben. Es auch mal gut sein lassen. Vorleben, dass eine gute Schallplatte beispielsweise tatsächlich Stunden des intensiven Hörens und Genießens nach sich zieht. Denn der Genuss ist womöglich der Schlüssel für das, was sich gut vorleben lässt: Der Genuss, die Wertschätzung, das Auskosten.

Werte vermitteln

(c)iStock

Damit einhergeht, praktisch von selbst, dass man als erwachsener und mündiger Konsument zu selektieren und zu differenzieren beginnt. Was lässt sich überhaupt auskosten und genießen und was ist eigentlich nutzlos und ungenießbar und gaukelt diesbezüglich nur einen schönen Schein vor? Auch sollte man als Elternteil daran arbeiten, dass die Erwartungshaltung in Bezug auf Konsum und Produkte in einem gesunden Rahmen bleiben. Es gibt wohl tatsächlich (temporäre) Glücklichmacher, aber es gibt kein Produkt, das uns tatsächlich zu einem anderen, besseren oder schöneren Menschen macht.

Insofern lohnt es sich auch die Versprechen der Werbungen, Sendungen und Social-Media-Plattformen gemeinsam anzusehen und zu analysieren. Wo werden unrealistische Erwartungen geschürt oder wo wird womöglich so übertrieben, dass alles in Richtung Lüge tendiert? Zudem schadet der gemeinsame Blick auf die Herstellungsbedingungen nicht. Muss es für die Tochter wirklich das zwar sehr angesagte, aber fragwürdig hergestellte Teil aus Fernost sein? Oder gibt es womöglich ein ähnlich „cooles“ Top, das ihr das in gewissem Alter so wichtige Ansehen dennoch sichert, unter anderen Produktionsbedingungen? Denn ein Kleid um zehn Euro kann, so muss den Kindern klar gemacht werden, nicht unter guten Lohnbedingungen hergestellt worden sein.

Kurzum: Ohne erhobenen Zeigefinger und ohne die Moral eines vermeintlich Besserwissenden lässt es sich am besten diskutieren. Dennoch liegt es an den Eltern, die Diskussion überhaupt erst zu starten und zwar kindgerecht aber nicht unterkomplex zu führen. Es lohnt sich!


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