22. Juni 2021

Konstruktive Gesprächszeiten als Paar gestalten

Konstruktive Paargespräche

„Wir finden einfach keine Zeit, im Alltag länger miteinander zu reden. Und wenn wir dann mal zusammensitzen fühlt es sich komisch an, so auf Kommando miteinander reden zu sollen.“ Kennt ihr das auch?

Es ist die eine Sache, in einem dichten Familienalltag gute Zeiträume für ein intensiveres Gespräch zu finden. Natürlich sind häufigere, kürzere Zeiten des Austauschens wertvoll um gut miteinander in Verbindung zu kommen und zu bleiben. Doch auch für etwas ausgedehntere Gespräche Raum zu schaffen, lohnt sich, um besser in die Tiefe gehen zu können. Die andere Sache ist, wie wir an eine gemeinsame Zeit des Redens herangehen.

Was hilft, um gut miteinander ins Gespräch zu kommen? Als Richtlinie kann dienen: Ein Gespräch ist dann gelungen, wenn jeder seine Sichtweise einbringen kann, sich gehört und verstanden fühlt. Egal, wie lange es dauert. Dazu tragen einige grundlegende Überlegungen bei.

Für einen passenden Rahmen sorgen

Während sich manche Paare auf der Couch am besten unterhalten können, brauchen die anderen eine Beschäftigung für die Hände, um gut in ein Gespräch eintauchen zu können. Es lohnt sich zu beobachten, wann wir leichter miteinander in ein tieferes Gespräch kommen.

In einem für uns angenehmen Zeitrahmen machen wir uns die Atmosphäre gemütlich. Das bedeutet für das eine Paar ein Glas Wein auf der Terrasse, für ein anderes ein ausgedehnter Spaziergang, wieder andere verbinden ein Essen außer Haus mit ihrer Gesprächszeit oder es ergibt sich spontan ein zweiter Kaffee in Ruhe am Vormittag. Bekannte von uns treffen sich regelmäßig für einen Abend als Paar in der hauseigenen Sauna. Das Setting kann sehr individuell sein.

Jedenfalls achten wir darauf, dass wir mögliche Ablenkungen minimieren, die uns aus dem Gesprächsfluss reißen könnten. Beispielsweise das Handy weit genug wegzulegen und einen Zeitpunkt zu wählen, wo die Kinder gut versorgt sind oder schlafen. Manches Mal wird die Stimmung ernster sein, aber es darf für uns grundsätzlich eine schöne, verbindende, leichte und auch lustige Zeit gemeinsam sein.

Konstruktiv miteinander reden

Jeder erzählt von seinem persönlichen Erleben: Wie geht es mir zurzeit? Was beschäftigt mich, macht mir Sorgen? Wo spüre ich Freude und was habe ich gut geschafft? Wie habe ich eine Situation erlebt, wie ist etwas Gesagtes bei mir angekommen, was bewirkt das in mir? Dabei versuche ich, keine Vorwürfe und Verallgemeinerungen (immer, nie etc.) um mich zu schmeißen, sondern wirklich gut bei mir und meiner Wahrnehmung zu bleiben. Dazu kann ich auf ganz konkrete Situationen schauen und zeigen, wie es mir dabei ging und was ich gebraucht hätte.

Der andere hört zu, lässt ausreden, unterbricht möglichst wenig, versucht sich wertende Kommentare zurückzuhalten.

Es geht nicht um Lösungen, sondern darum, einander Raum zu geben und echtes Interesse an der Gedanken- und Erlebenswelt meines Partners/meiner Partnerin zu zeigen. Rückfragen können helfen, Licht ins Dunkel zu bringen und geben die Möglichkeit, Missverständnisse zu korrigieren: Habe ich dich richtig verstanden, dass…? Wie meinst du…? Ich höre, du…? Dann kommt auch für den Zuhörer/die Zuhörerin die Zeit, die eigene Position zu beschreiben und von sich zu erzählen.

Die innere Haltung macht einen Unterschied

Wir werden merken: Es macht einen spürbaren Unterschied, mit welcher inneren Haltung wir miteinander ins Gespräch gehen. Fruchtbar ist es, wenn wir davon ausgehen, dass der/die andere es gut mit mir meint und sein/ihr bestes gibt. Dass er/sie plausible Gründe für ein Verhalten hat, die ich einfach noch nicht erkenne.

Einander besser kennenzulernen und zu verstehen ist unser Ziel.

Durch eine wertschätzende Kommunikation miteinander, indem wir einander Einblick geben in unser Inneres und vom Guten ineinander ausgehen, wird unser Zusammenhalt wachsen. Immer wieder werden uns auch Vorwürfe und Verletzungen einholen. Dann wagen wir den ersten Schritt aufeinander zu und reden über unser Erleben. Wir beide sind ein Team. Und Übende auf dem Weg in ein besseres Miteinander.



EIN ARTIKEL VON
  • Katharina Maderthaner

    Wir als Elternpaar sind der Nährboden für unsere Familie. Und so gut wie wir genährt sind, können wir auch für andere fruchtbar sein. Alltagstaugliche Wege zu finden, wie Selbstfürsorge und Beziehungspflege mitten im Familienleben gelingen können, ist als Mama und Lebens- und Sozialberaterin eines meiner Lieblingsthemen. Daran möchte ich Sie gern teilhaben lassen.


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