27. Juli 2021

Konfliktenergie für uns nutzbar machen


Durch regelmäßige Gesprächszeiten, in denen wir einander an unserem Innenleben teilhaben lassen, üben wir uns im Miteinander-Reden. In schwierigen Zeiten kann das ein wertvoller Schatz sein, weil wir leichter das Gute im anderen sehen und das Verhalten des Partners/der Partnerin besser verstehen können. Auch zurück in ein Gefühl der Verbundenheit schaffen wir es dann besser. Nach dem Motto: „Übe in der Zeit, dann kannst du in der Not“.

Der nächste Konflikt ist nur eine Frage der Zeit. Wenn wir uns so richtig ärgern über den anderen, können wir uns das wie einen Wasserkessel vorstellen, der erhitzt wird: Der Druck steigt. Wenn der Dampf nicht heraus kann, kann es den Kessel zerreißen. Es gibt aber auch Maschinen, die den Druck brauchen und damit große Geräte antreiben. Wie Turbinen in Kraftwerken. Der Druck darf in solchen großen Maschinen nicht zu groß werden. Wenn der Druck kontrolliert abgelassen wird, kann etwas Fruchtbares daraus entstehen.

Konflikte können Bewegung in unsere Beziehung bringen

In einem anderen Beitrag habe ich von einer herausfordernden Zeit erzählt: Unser älteres Kind befand sich in der Eingewöhnungszeit, das jüngere war ein halbes Jahr alt und brauchte viel Nähe. Der Einstieg in die Kinderbetreuung außer Haus war eine große Umstellung für die gesamte Familie, zusätzlich wechselte mein Mann die Arbeitsstelle und so waren bei uns Eltern die Ressourcen recht ausgelastet. An einem Abend erwartete mich ein Geschirrberg in der Küche, um den sich mein Mann eigentlich hätte kümmern sollen. Das war der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, und in mir ein Gefühl von Überforderung und Alleingelassen-Sein hervorbrechen ließ. Damals konnte ich das gut wahrnehmen und die Verantwortung für mein Wohlergehen übernehmen, indem ich für genügend Schlaf sorgte und meinem ersten Impuls, meinen Mann wütend zur Rede zu stellen, nicht nachgab. Stattdessen fanden wir am darauffolgenden Tag ein ruhiges Zeitfenster, in dem ich ihm beim Kaffee von meinem Erleben erzählte und er nicht in die Situation kam, sich sehr angegriffen zu fühlen und zu mauern. So konnte sich ein verbindendes Gespräch entwickeln.

Stattdessen fanden wir am darauffolgenden Tag ein ruhiges Zeitfenster, in dem ich ihm beim Kaffee von meinem Erleben erzählte und er nicht in die Situation kam, sich sehr angegriffen zu fühlen und zu mauern. So konnte sich ein verbindendes Gespräch entwickeln.

In uns beiden hatte sich durch die Herausforderungen der vorangegangenen Zeit Druck aufgebaut, es hat gebrodelt. Obwohl es nicht ganz einfach war, haben wir versucht, diesen heißen Dampf kontrollierter abzulassen, indem wir miteinander geredet haben.

Freundschaft zu mir als Fundament

Als ersten Schritt habe ich meine Gefühle ernst genommen und Sorge für mich getragen. Im zweiten Schritt habe ich meinem Mann gegenüber mein Erleben angesprochen.

Dabei war wichtig, dass ich darüber sprach, wie es mir gerade geht und was für mich nicht passt, was ich brauche. Also Ich-Botschaften zu finden, ohne plumpe Vorwürfe zu machen. Dadurch konnte auch mein Mann ehrlich hinschauen, wie es gerade um unsere Kräfte steht und was die Veränderungen dieser Zeit mit uns machten. Ich musste schon ein Stück weit über meinen Schatten springen, damit wir gut ins Gespräch kamen. Der innere Druck sank durch meine Selbstfürsorge so weit, dass das möglich wurde und wir wieder auf einen grünen Ast kamen. Mein Mann erfuhr mehr über mich, wir konnten gemeinsam schauen, was uns als Familie gut tut und was wir Eltern dafür brauchen. Da hatten wir wieder eine Hürde gemeinsam gemeistert.

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Wenn wir uns im Klaren darüber sind, dass wir unser Verhalten beeinflussen können und somit schöpferisch wirken, können wir einen Unterschied machen. Dafür ist eine gute Freundschaft mit sich selbst ein solides Fundament. Ebenso die Entscheidung, es immer wieder neu auf eine respektvolle Weise miteinander zu versuchen. Wir können dann einen Konflikt nutzen, um zusammen zu wachsen.


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