Jan-Uwe Rogge

Jan-Uwe Rogge "Meine Kolumne"

20. April 2017

Über Dankbarkeit und Glück

Dankbarkeit und Glück, Jan-Uwe Rogge - meinefamilie.at

Manchmal gehört viel Glück dazu, wenn es gelingen soll, Kinder durch die Fährnisse der Entwicklung zu begleiten, mit ihnen einzelne Etappen – auch schwierige, sei es das Trotzalter, die Pubertät, seien es Krisen oder Krankheiten – zu bewältigen. “Glück”, so hat es der Pädagoge Haim Ginott bemerkt, “ist kein Ziel, es ist eine Art des Reisens. Glück ist kein Selbstzweck. Es ist ein Nebenprodukt des Arbeitens, Spielens, Liebens und Lebens. Das Leben fordert notwendigerweise eine Verzögerung zwischen Wunsch und Erfüllung, zwischen einem Plan und dessen Realisierung. Mit anderen Worten: Das Leben bringt Frustration mit sich und verlangt das Aushalten von Frustration.”

Deshalb ist Dankbarkeit ein wichtiger Reisebegleiter: dankbar auf seine Kinder schauen, dankbar dafür zu sein, dass sie da sind, dafür Sorge zu tragen, dass sie sich bedingungslos geliebt fühlen.

Dies gilt besonders für jene Situationen, die nicht so laufen, wie man es sich wünscht. Wer Kinder hat, der sollte demütig sein: Demütige Menschen sind keine unterwürfigen Menschen.

Erziehung ist wirkungsunsicher

Demut ist der Mut zur eigenen Wahrheit, sich als Mensch mit Fehlern und Schwächen, aber auch Kompetenzen und Stärken zu begreifen. Das Gegenteil der Demut ist die Hybris. Der hochmütige Mensch kann alles, will alles im Griff haben, nimmt sich und seine Grenzen überhaupt nicht wahr.

Erziehung vollzieht sich im Hier und Jetzt, Erziehungsbeziehungen leben aus dem Augenblick.

Das Ergebnis von Erziehungsbemühungen, so hat der Pädagoge Rolf Arnold – provokativ und zutreffend zugleich – festgestellt, sei wirkungsunsicher. Man kann sich bemühen und bemühen, was aber das Resultat ist, das kann man nicht voraussagen. Und trotzdem gilt es, nicht auf die Begleitung der Kinder zu verzichten, sie allein und sich selbst zu überlassen. Die Begleitung der Kinder ins Leben kommt einer Sisyphusarbeit gleich: Manchmal denkt man, man habe es geschafft, man sehe Licht am Ende des Tunnels. Aber das stellt sich dann immer wieder als der Scheinwerfer des entgegenkommenden Zuges heraus.

Und trotzdem drückt sich in Arnolds Satz kein Pessimismus aus, sondern eine spirituelle Dimension, nämlich den Gedanken loszulassen, alles sei plan- und machbar in der Erziehung, wenn man nur die richtigen Zutaten zur Hand hat.

Es ist einfach, Kinder anzunehmen, wenn man im Verhalten des Kindes seine Erziehungsvorstellungen wiedererkennt; Kinder dann zu akzeptieren, wenn sie anderes tun, als man es wünscht, fällt schwer, ist aber wichtig und notwendig. Das gelingt umso leichter, je mehr man sich die Wirkungsunsicherheit von Erziehung deutlich macht.



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  • Jan-Uwe Rogge

    Ich bin Erziehungsberater, Autor und Kolumnist und schreibe über Erziehung und Familien. Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich mit Erziehungsthemen und dokumentiere Ideen und Tipps zu in meinen Büchern und Vorträgen. Mein Motto: Erziehung kann Spaß machen!


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