Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Meine Kolumne"

15. Februar 2019

Paarzeit: Wann wir als Paar glücklich sind und wann nicht

paar glücklich - meinefamilie.at

Worüber streiten wir uns? Manchmal über Kindererziehung, manchmal über den Umgang mit Geld, manchmal über Verlässlichkeit. Hin und wieder auch deswegen, weil sich der anderen vom Partner nicht in dem Ausmaß beachtet oder wertgeschätzt fühlt, wie er/sie es gerne hätte.

Streitthema ist auch der offenbar unterschiedliche Zugang von Mann und Frau zum Thema Sexualität. Während sich frau mehr Zärtlichkeit wünscht, wünscht sich man mehr Sex. Frau wiederum glaubt, wenn man mehr Zärtlichkeit etabliert, dass er ohnehin nur Sex will.

Nicht nur Inhalt, sondern auch Form

So oder so: Geht man auf eine Meta-Ebene, dann merkt man auch, dass es sich bei einer langjährigen Beziehung oder Ehe die Streitthemen zu gleichen beginnen und wiederholen beginnen, sondern dass auch das Verhalten der Ehepartner eingefahren und vorhersehbar ist. Dass es den Partner/die Partnerin wütend macht, wenn man sie darauf hinweist, liegt auf der Hand. Aber das genaue Hinsehen ist fruchtbar.

Die Rollen sind verteilt, nicht unbedingt jeweils geschlechtsspezifisch. Meist nimmt ein Partner den emotionalen Teil ein, der anderen den sachlichen Teil. Die Sachlichkeit kommt aber dann als Kühle und Emotionslosigkeit schlecht beim emotionalen Partner an. Meist ist der emotionale Part auch derjenige, der „tiefer“ in die Kiste von Untergriffigkeiten greift. Er verletzt den anderen in der eigenen Rage, was den sachlichen Teil dazu veranlasst sich zurückziehen.

Wann sind wir glücklich?

Meine These ist so einfach wie angreifbar: Wenn wir als Paar glücklich sind, dann sind die Rollen ausgeglichener, fluider und meist weniger intensiv ausgeprägt. Der emotionale Part verletzt weniger, der sachliche Part geht mehr aus sich heraus.

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Wann sind wir glücklich? Wenn wir miteinander reden. Wenn wir Dinge und Aspekte ausdiskutieren, die sich später dann zu handfesten Streitthemen verfestigen. Wenn wir uns auf einer zärtlichen Weise sexuell begegnen. Wenn wir uns Zeit für „Paarzeit“ nehmen, etwa in die Sauna gehen oder uns ein Wellness-Wochenende gönnen, und uns somit nicht vom Alltag „auffressen“ lassen.

Bleibt der Streit dann aus?

Ob der Streit dann überhaupt ausbleibt? Nein, das glaube ich nicht. Niemand kann und will in alle Abgründe des Beziehungslebens schauen. Manche Aspekte des Alltages und des Paar-Seins werden von Zeit zu Zeit zugedeckt und brechen dann als manifester Streit wieder auf. Aber: Der Umgang miteinander ist anders. Die Streitthemen reißen kein Loch ins ohnehin manchmal brüchige Beziehungsgeflecht. Glück trägt den Respekt nämlich auch in prekäre Situationen.


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