Jan-Uwe Rogge

Jan-Uwe Rogge "Meine Kolumne"

20. Juli 2017

Das magische Denken: Lasst Kinder träumen

Das magische Denken: Lasst Kinder träumen - meinefamilie.at

In der Phantasie, in der Magie in Tagträumen, besitzen die Kinder eine eigene Ausdrucksform, eine Ausdrucksform voller Märchen und geheimnisvoller Geschichten, eine Ausdrucksform, die Erwachsene nur allzu wenig verstehen, weil sie sich nicht darauf einlassen können oder wollen.

Etwas vom Kind aus zu denken, es in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen zu stellen – das sind Sätze, Ideen, Formulierungen, die so schnell gesagt, aber nicht in allen Einzelheiten durchdacht und begriffen werden.

Magisch-phantastisches Denken der Kinder

Kinder haben vom Säuglingsalter bis hin zum zehnten Lebensjahr vielfältige Entwicklungsaufgaben zu erledigen und zu erfüllen. Das Wissen über die Welt nimmt zu, das macht einerseits Lust auf Neues, andererseits beunruhigt es aber auch: Warum gibt es Kriege? Können die auch zu uns kommen? Was ist Terror? Warum brennt das Haus ab? Was ist, wenn der Blitz bei uns einschlägt? Wer hilft dann? Fragen über Fragen!

Es gibt zwar Antworten, aber die hören sich so vernünftig an, damit können Kinder oft nichts anfangen. Denn: Kriege gibt es! Und wenn die zu uns kommen? Wer hilft dann? Und was ist, wenn das Gewitter über uns ist, es blitzt und donnert? Ein Satz wie „Da passiert schon nichts!“ beruhigt Kinder nicht. Im Gegenteil: Diese Formulierung verwirrt sie, sie fühlen sich nicht ernst genommen, mit ihrer Angst alleingelassen. Und diese nicht erklärbaren Lücken in ihrem Verständnis füllen Kinder mit eigenen phantastischen Erklärungsmodellen.

Das magisch-phantastische Denken stellt nichts Wirres, Irres oder Weltabgewandtes dar. Es ist eine altersgemäße Form von Intelligenz, mit der Kinder schöpferisch tätig sind, um ihre Umgebung, ihre Nah- und Umwelten zu begreifen.

Nicht selten ist das junge Kind überzeugt, Dinge passierten nur, weil es sich dies gewünscht hat. Das Kind ist fasziniert von seiner Energie und Kraft.

Kinder denken in Bildern. Und diese vom Kind konstruierten Bilder – seien es das Monster, der Schatten, der imaginäre Räuber – können genauso wahrhaftig sein wie die Wirklichkeit, die das Kind umgibt.

Aus harmlosen Gegenständen werden Monster

Kinder glauben an die Kraft der Phantasie, daran, dass man mit ihr zaubern kann. Das Kind ist Schöpfer seiner inneren und äußeren Wirklichkeit. Das gibt den Kindern Kraft, um Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit zu demonstrieren. Aber durch eine magische Besetzung können aus harmlosen Gegenständen oder Situationen auch fürchterliche Monster werden, durch die unbewusste kindliche Erfahrung Gestalt annehmen. Da entstehen aus dunklen Schatten Geister, da werden aus wehenden Gardinen Einbrecher.

Aber mit der Phantasie – der Kraft, die sie geschaffen hat – können diese unsicher machenden Gestalten auch verjagt werden.

Denn wenn die Phantasie Monster und Räuber erscheinen lässt, kann man mit ihr auch Mittel und Wege erfinden, sie zu besiegen und zu bekämpfen.

So hilft die Phantasie, verschiedenartige Irritationen in den Griff zu bekommen, und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur emotionalen Bildung der Kinder.



EIN ARTIKEL VON
  • Jan-Uwe Rogge

    Ich bin Erziehungsberater, Autor und Kolumnist und schreibe über Erziehung und Familien. Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich mit Erziehungsthemen und dokumentiere Ideen und Tipps zu in meinen Büchern und Vorträgen. Mein Motto: Erziehung kann Spaß machen!


    Zur Kolumne des Autors

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das Portal für junge Familien › meinefamilie.at