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Was spricht für die Tagesmutter?

Ruth Auer-Tischina ist Sozialarbeiterin und beim Verein „Eltern für Kinder“ für die angestellten Tagesmütter zuständig. Sie weiß um die Vorteile der Betreuung durch eine Tagesmutter: „Im Unterschied zum Kindergarten haben Tagesmütter einen sehr persönlichen Umgang. Wir hören immer wieder dankbare Rückmeldungen von Eltern, wie wohl sich die Kinder bei der Tagesmutter gefühlt haben, wie sehr sie ein Familienanschluss war und wie die Kinder gleichzeitig von Anfang an in der kleinen Gruppe dazugelernt haben. Tagesmütter sind oft so etwas wie ein Oma-Ersatz.“ Immer wieder gebe es Kinder, die von der Kinderkrippe zur Tagesmutter zurückwechseln, weil die Eltern merken, dass es noch nicht so weit ist, um in einer Institution und großen Kindergruppe betreut zu werden.

Stabiles Konzept Tagesmutter

Auer-Tischina ist wichtig, Eltern dafür das Bewusstsein zu geben und sie zu stärken, ihre Kinder in einem familiären Umfeld zu betreuen. Manche verspürten den Druck, frühzeitig einen Kindergarten zu wählen, weil die Plätze sonst nicht verfügbar seien. Auer-Tischina hält dem entgegen: „Kindergärten haben immer freie Plätze, sonst würden sie die Kinder ja nicht so abwerben. Viele sagen, mein Kind war so glücklich bei der Tagesmutter, ich hätte ihr so gerne noch ein Jahr gegönnt, aber der Kindergarten sagt, ich muss schon früh kommen. Doch die Tagesmutter bietet eine andere Betreuungsqualität, es ist noch keine Institution mit vielen großen Kindern und mit häufig wechselnden Pädagoginnen. Die Tagesmutter ist ein stabiles Konzept.“

Wie wichtig die kleine Gruppe und konstante Bezugsperson für kleine Kinder ist, ist auch bindungstheoretisch nachgewiesen. Lieselotte Ahnert, Entwicklungspsychologin an der Universität Wien, hat in einem Forschungsprojekt in Niederösterreich und Wien erwiesen, dass die Bindung zwischen Tagesmutter und Kindern sicherer ist als zu Erziehern in Krippe. Das wirkt sich positiv auf die Entwicklung aus, denn Lernen funktioniert durch Beziehung. Insbesondere junge Kinder brauchen die ausgeprägte Geborgenheit und den Körperkontakt, den sie in der kleinen Kindergruppe und durch die enge Beziehung zur Tagesmutter erfahren.

Tagesmutter vor dem Kindergarten

Die Erfahrung zeige, dass die Tagesmutter eine vor-instutionelle Betreuungsform für junge Kinder ist, erklärt Brigitte Popprath, Abteilungsleiterin für Kinderbetreuung beim Wiener Hilfswerk. Nachdem Kinder anfangs bei einer Tagesmutter betreut wurden, würden sich viele Eltern später entschließen, sie in den Kindergarten zu geben. „In einer guten Betreuungsinstitution werden die Kinder gefördert, bei der Tagesmutter auch. Bei ganz jungen Kindern ist aber die kleine Kindergruppe, die eine Tagesmutter betreut, sicher die beste Variante. Ich möchte damit jedoch nicht ausschließen, dass in einer Kinderkrippe Förderung stattfindet“, fügt Popprath hinzu.

Individuelle Betreuung

Ein Vorteil der individuellen Betreuung durch die Tagesmutter ist, die Betreuungszeiten flexibel verändern zu können. Eltern können sich den zeitlichen Rahmen der Betreuung aussuchen. Auch das verpflichtende Kindergartenjahr kann bei der Tagesmutter absolviert werden. Wenn aus irgendwelchen Gründen ein intensiverer Betreuungsaufwand notwendig ist, kann auch ein älteres Kind intensivere Betreuung bei der Tagesmutter erfahren, ergänzt Marie-Thérèse Schmiedleitner vom Wiener Hilfswerk die Gründe, die für eine Betreuung durch die Tagesmutter sprechen.

Passend dazu: Checkliste, um die richtige Tagesmutter zu wählen

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