15. Januar 2016

Eine Leihoma mit Herz und Seele

Leihoma mit Herz und Seele - meinefamilie.at

Maria Salzmann ist seit 18 Jahren Leihoma. Mehr als zehn „Leihenkerl“ sind wie eigene Kinder für sie. Ein Porträt.

„Es funktioniert nur, wenn die Beziehung zwischen Leihoma, Eltern und Kind gut ist“, bringt Maria Salzmann die wichtigste Voraussetzung für die Arbeit als Leihoma auf den Punkt. Eines ihrer ersten „Leihenkerl“ ist schon fünfzehn Jahre alt und – wie alle anderen Kinder auch – ein Teil ihrer Familie. „Wir sind nach wie vor in Verbindung und ich gehe zum Beispiel zu ihren Konzerten“, schildert Maria, die von den Kindern auch „Mia“ gerufen wird.

18 Jahre Großfamilie

„Sie sind wie meine eigenen Kinder, einfach nicht mehr wegzudenken. Ich bin froh, dass ich diesen innigen und intimen Kreis habe.“ Die heute 77-Jährige kam vor rund 18 Jahren über Elisabeth Brantl, die damalige Leiterin des Oma-Dienstes des Katholischen Familienverbandes, mit dem Oma-Dienst in Kontakt. Nachdem sie ein halbes Jahr einer Familie ausgeholfen hatte, die sie kurzfristig und dringend brauchte, folgten mehr als zehn Kinder, die sie über längere Zeiträume hinweg betreut. Sie sieht die Kinder als eine Kontinuität ihrer Familie – eine Großfamilie. Auch ihre Tochter, die in Wien wohnt, kennt die meisten der Kinder.

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Eine Leihoma mit Kraft, Kondition und Liebe

Maria berichtet, dass die Betreuung der Kinder manchmal anstrengend ist, etwa wenn sie, obwohl sie sich erst im letzten Jahr den Oberarm gebrochen hatte, stundenlang mit einem von ihnen ins Hohe Warte-Bad schwimmen geht. Aber trotzdem findet sie die Zeit mit den Kindern unglaublich schön: „Ich habe die Kraft, die Kondition und die Liebe, das reicht.“ Von Kraft, Kondition und Liebe Leihoma mit Herz und Seele - meinefamilie.athat die Lawinenexpertin, die beruflich alpine Hochbaustellen betreute, offensichtlich eine ganze Menge. Denn während sie sich mit vollem Engagement und viel Begeisterung um die „Leihenkerl“ kümmert, kommen auch ihre leiblichen Enkelkinder – sie hat vier im Alter von 13 bis 24 Jahren – nicht zu kurz und sie häkelt und strickt für alle Kinder. „Diese Sachen sind sehr beliebt“, strahlt sie voll Stolz. Dass sie nebenbei technische Studien für Sozialprojekte rund um die Welt durchführt und etwa Ärzte ohne Grenzen unterstützt, „hält mich neben den Kindern fit“, erzählt die energetische Seniorin ganz nebenbei.

Gummibärchen gegen Angst

Über ihre Wohnung in einem Wiener Altbau sagt Maria: „Hier ist die Kreativwerkstatt der Kinder.“ Das merkt man sofort, wenn sie ihre Schätze aus Schachteln und Schubladen holt: Unzählige Bilder sind bei ihr und für sie entstanden. Aber die Kreativität ist nicht nur auf Stifte, Papier und Bastelsachen beschränkt. Zur Magie gehört auch, mit den Kindern auf dem Bett zu hüpfen, Zelte zu bauen oder für sie Marillenknödel oder Palatschinken zu backen.

Manchmal hilft sie auch beim „Ernst des Lebens“. Als etwa zwei Buben, um die sie sich kümmerte und die Angst vor Wasser hatten, Schwimmen lernen sollten, kamen Gummibärchen zum Einsatz, um die Angst zu nehmen. Ein Hocker in Marias Wohnung hat eine ganz besondere Geschichte: „Mit ihm haben schon viele meiner Kinder das Gehen gelernt“, erzählt sie.

Leihoma mit Herz und Seele - meinefamilie.atVertrauen und Wertschätzung – der größte Lohn

Das Dasein als Leihoma ist für Maria kein Nebenverdienst, obwohl der Oma-Dienst eine Aufwandsentschädigung von etwa 10 Euro pro Stunde empfiehlt. Doch besonders in Krisenfällen ist sie bereit, zum Wohle der Kinder auf ein Entgelt zu verzichten. „Mindestens ein Danke, das will ich. Aber die Eltern können selbst entscheiden, was und ob sie mir etwas geben wollen“, erklärt sie ihre Einstellung. Das Wichtigste in der Beziehung zu einer Leihoma ist aber das Vertrauen, betont Maria. „Immerhin vertrauen mir die Eltern ihr Wertvollstes an: ihr Kind.“

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EIN ARTIKEL VON
  • Christine Stadler

    Ich arbeite als freie Journalistin und studiere Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Wien. Wenn mir die Buchstaben zu viel werden, bastle und häkle ich gerne für die Kinder in meinem Umfeld.


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