9. November 2018

Ausbau der Kleinst-Kinderbetreuung in Niederösterreich

kindergartenausbau - meinefamilie.at

In Niederösterreich leben rund 238.000 Kinder unter 15 Jahren, rund 45.000 davon sind unter drei Jahre alt. Gerade in dieser Gruppe steigt auch die Nachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen. meinefamilie.at hat die niederösterreichische Landesrätin für Bildung, Familien und Soziales Christiane Teschl-Hofmeister zu einem Gespräch über die Bedeutung von Familie, Kinderbetreuung in Stadt und Land sowie deren Qualitätsmerkmalen geladen.

Vereinbarkeit Familie und Beruf

Spätestens wenn sich die Karenzzeit der Eltern dem Ende zuneigt, machen sich viele Familien Gedanken über die Vereinbarkeit ihrer Familie und dem Berufsleben: Wie soll dies am besten organisiert werden? Was erwartet uns? Knapp 75 Prozent aller Frauen und rund 91 Prozent aller Männer mit Kindern unter 6 Jahren sind in Österreich erwerbstätig (Statistik Austria, Stand 2016). Dass es hier passende Betreuungsformen für all jene geben muss, die sich für einen Wiedereintritt ins Berufsleben nach der Karenz entscheiden, ist für Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister selbstverständlich: „Es muss überall in Niederösterreich möglich sein, sein Kind betreuen zu lassen und dies zeitlich flexibel. Statistisch haben wir bereits eine Betreuungsabdeckung von über 97 % erreicht, ein Wert, auf den wir sehr stolz sind. Dieser Wert ist auch über dem Bundesschnitt, der bei 94 % liegt. Nachdem wir das erreicht haben, konzentrieren wir uns nun auf die unter 2,5-Jährigen. Wir sehen hier, dass der Bedarf nach Kinderbetreuung gerade in dieser Gruppe immer größer wird, dem müssen wir nachgehen.“

teschl-hofmeister - kinderbetreuung - meinefamilie.at

Ein weibliches Thema

Karenz und der damit verbundene Wiedereintritt ins Berufsleben ist nach wie vor ein sehr weibliches Thema, was laut Teschl-Hofmeister vor allem an der vorliegenden Gender Pay Gap liegt: „Männer verdienen in den meisten Fällen mehr, darum widmen sich Frauen vorrangig der Kindererziehung zuhause.“ Es sei ein „hartes Brett“ mit dem man es hier zu tun hat, aber wir bewegen uns auf den richtigen Weg, meint die Landesrätin, die auch privat auf die Unterstützung ihres Mannes vertrauen konnte, als es um ihren erneuten Einstieg in das Berufsleben ging. Gerade Arbeitgeber seien hier gefordert und sollen das Thema Familie nicht als Problem sehen. „Jedem Arbeitgeber muss es nur recht sein, wenn sich seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Familie entscheiden. Sie müssen aber auch dazu beitragen, dass es funktioniert. Und ich denke, gemeinsam mit dem Arbeitgebern, die wir mit Betriebskindergärten integrieren möchten, werden wir hier eine noch bessere Betreuung auf die Beine stellen können. Denn Familie ist ein gesellschaftliches Thema, das wertgeschätzt und befürwortet gehört.“

Schwerpunkt Land

Niederösterreich ist neben Wien Vorbild in der Kinderbetreuung. Mit dem „Familienpaket blau-gelb“ befasst man sich nochmals intensiv mit dem Thema. „Das ‚Familiepaket blau-gelb‘ ist mit der ausverhandelten 15a-Vereinbarung finanziell gut abgesichert. Wir können dank der guten Verhandlungserfolge in den nächsten vier Jahren auf eine schöne Summe von jeweils 180 Millionen Euro bundesweit zurückgreifen. Das Geld soll für die unter 2,5 Jahre alten Kinder eingesetzt werden.“ Eine lückenlose Kinderbetreuung ist in einem Flächenbundesland wie Niederösterreich schwierig, gerade auf ländlicher Seite wohnen wenige Menschen, doch auch diese sollen ihr Recht auf eine institutionelle Kinderbetreuungseinrichtung wahrnehmen können, wie die niederösterreichische Landesrätin betont. „Die Förderung für institutionelle Einrichtungen wird im Zuge des ‚Familienpakets blau-gelb‘ angehoben und somit auch für die Tageseltern, die in niederösterreichischen Kleingemeinden der nötige Lückenschluss sind.“

Worauf kommt es in der Kinderbetreuung an?

Für Landesrätin Teschl-Hofmeister ist es selbstverständlich, dass Kinder unter drei Jahren eine spezielle Form der Betreuung benötigen. Diese ist vor allem durch die Gruppengröße sowie angemessenen Qualitäts- und Pädagogikkonzepten in Niederösterreich gewährleistet. Im Konkreten heißt dies auch, dass „bei den jüngeren Kindern sehr stark darauf geachtet wird, dass sie sinnvoll beschäftigt und gefördert werden.“


Interessant zu wissen

Mit Jänner 2019 tritt die gesetzliche Neuerung der Steuerbegünstigung für Familien in Kraft. Mit dem Familienbonus profitieren Eltern von Kindern bis 18 Jahre von bis zu 1.500 Euro jährlich. Der Bonus kann direkt über die Lohnverrechnung oder im Nachhinein über die Steuerabrechnung von einem Elternteil oder von beiden in gleichen Teilen bezogen werden. Informationen dazu gibt es bei den jeweiligen Finanzämtern oder konkret in Niederösterreich bei der Familienland GmbH. Insgesamt profitieren allein in Niederösterreich rund 283.000 Kinder vom Familienbonus Plus, der den bisher geltenden Kinderfreibetrag und die steuerliche Abzugsfähigkeit der Kinderbetreuungskosten ersetzt.

Zur Person

Mag. Christiane Teschl-Hofmeister ist seit März 2018 Landesrätin für Bildung, Familien und Soziales in der Niederösterreichischen Landesregierung. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 4 und 7 Jahren. „Familie ist für mich alles, sie ist die viel zitierte Keimzelle und Aufladebatterie“.

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