5. Februar 2016

Auf in den Kindergarten

Auf in den Kindergarten - meinefamilie.at

Wenn der Kindergarten beginnt, ist das für alle Familienmitglieder eine aufregende Sache. Wie Eltern, ihre Kinder auf das Neue vorbereiten können und warum sie niemals gehen sollten, ohne sich zu verabschieden.

Mein Sohn war 3 Jahre alt, als er in den Kindergarten kam. Lange davor war der Kindergarten und auch die Eingewöhnung im Kindergarten bei uns daheim schon Thema. Und das in verschiedenster Art und Weise. Ich hatte ihm ein Buch über den Kindergarten besorgt (hier eine Auswahl solcher Bücher), ein ganz besonders schönes, wie ich überzeugt war. Ein Kind in dem Kindergarten, der da beschrieben wurde, trug sogar den Namen meines Sohnes, was ihm von Anfang an sehr imponiert hat. Da war ja noch jemand, mit seinem Namen, der schon im Kindergarten war. So schlimm konnte das also nicht sein.

Dazu habe ich ihm unzählige lustige Geschichten aus meiner Kindergartenzeit erzählt. Auch mein Mann hat in seinen Erinnerungen gekramt und hat detailreich geschildert, was ihm im Kindergarten Spaß gemacht hat. Dass dann auch noch die heißgeliebte Patentante kam und sogar Fotos aus ihrer Kindergartenzeit zeigen konnte, hat unser Kind endgültig davon überzeugt, dass der Kindergarten eine wirklich gute Idee ist. Wenn man unser Kind fragte, ob er sich auf den Kindergarten freut, nickte es begeistert.

Wie war denn das bei Mama im Kindergarten?

Den Kindergarten zu Hause zum Thema zu machen, ist vor der Eingewöhnung im Kindergarten in jedem Fall wichtig, sind sich Experten einig. Schließlich ist der Kindergarteneinstieg für die gesamte Familie eine große Umstellung. Dazu können Erinnerungen der Familienmitglieder genauso gehören wie Bücher rund um den Kindergarten oder auch Hörspiele oder Kindersendungen im Fernsehen. Eltern sollten möglichst viele Informationen über den Kindergartenstart direkt im Kindergarten erfragen. „Wie läuft die Eingewöhnung ab? Wie die Jause? Wann werden die Eltern angerufen? Das alles zu wissen, gibt Sicherheit und ein positives Gefühl – zunächst natürlich einmal den Eltern, aber in der Folge durchaus auch den Kindern. Unser Sohn war sichtlich zufrieden, dass er uns alles über seinen Kindergarten fragen konnte und wir ihm auch tatsächlich alles ohne zu zögern beantworten konnten. Mama und Papa sind halt doch die Vertrauenspersonen Nummer 1.

Wie schaut mein Kindergarten aus?

Hilfreich ist es außerdem, den Kindergarten schon vor dem ersten Kindergartentag mit dem Kind zu besuchen, sich gemeinsam alles anzuschauen oder auch den Weg zum Kindergarten ein paar Mal zu gehen. Besonders die Allerkleinsten lernen ja durch Erleben und auf diese Weise erlebt das Kind den Kindergarten mit all seinen Sinnen: Wie fühlt es sich an hinzugehen? Wie schaut es dort aus? Wie riecht es dort? Welche Geräusche höre ich? Wie schauen die Menschen aus, die da sind, während Mama und Papa nicht da sind? usw.

Eingewöhnung im Kindergarten ist eine Herausforderung

Am Anfang der Eingewöhnung ist es in den meisten Kindergärten üblich, die Bezugsperson und das Kind gar nicht zu trennen. Der Rat an meinen Mann und mich lautete zum Beispiel: Seien sie da, aber spielen Sie nicht mit dem Kind. Seien Sie Anker und Rückzugsort, aber lassen Sie das Kind mit den Pädagogen und Assistenten in Kontakt kommen. Nach ein paar Tagen könne man dann eine kurze Trennung versuchen. Die meisten Kinder verunsichert diese Trennung. Oft weinen sie, lassen sich aber, sobald die Mama oder Papa aus dem Sichtfeld verschwunden ist, auch ganz schnell von der Pädagogin trösten. Ich kann mich noch gut an das entsetzte Gesicht meines Sohnes erinnern, als ich das erste Mal – in Absprache mit der Kindergärtnerin – wegging. Die Erleichterung, als ich nach 15 Minuten wieder da war, war ihm richtig anzumerken.

Was ich jeder Mama und jedem Papa in jedem Fall als Tipp mitgeben kann, ist, dass es hilfreich für die Kinder ist, wenn sie eine Trennung auf Zeit schon einmal positiv erlebt haben. Wenn sie beispielsweise schon einmal ein paar Stunden bei der Oma verbracht haben, oder mit der Tante oder einem Babysitter ohne Mama oder Papa am Spielpatz waren. Die Trennung von den Eltern schmerzt zwar dann genauso, aber die Kinder wissen: Wenn Mama und Papa auch weggehen, sie kommen ganz bestimmt wieder.

Nur wenn sich das Kind bei der ersten Trennung panisch an Mutter oder Vater klammert, sollte man ein paar weitere Tage warten. Wichtig ist, dass das Kind in der Phase der Eingewöhnung jene Erfahrungen sammelt, die es braucht, damit es sich im Kindergarten wohlfühlt, dass es den Pädagogen und Assistenten vertrauen kann und dass der Kindergarten ein guter und sicherer Ort ist.

Dazu gehört: „Die Mama bringt mich in den Kindergarten, aber sie holt mich auch wieder ab“, genauso wie „Wenn ich weine, werde ich auch hier getröstet.“

Vom Weggehen ohne sich zu verabschieden, nur um Abschiedstränen zu vermeiden, raten Experten Eltern dringendst ab. Kinder würden so nur lernen, dass man sich auf Mama und Papa nicht verlassen kann und dass es eben sein kann, dass sie plötzlich einfach weg sind.

Nur kein Zeitdruck!

In jedem Fall gilt: Die Eingewöhnung ist für alle eine Herausforderung und sie braucht vor allem eines – Zeit. Bei den einen geht es schneller, andere brauchen länger. Das bedeutet auch, dass sich die Eltern Zeit für die Eingewöhnung nehmen müssen. Drängen darf man nicht. Das Kind und seine Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt.

Im besten Fall hat sich das Kind spätestens nach ein paar Wochen in die neue Situation eingelebt und damit auch einen enormen Entwicklungsschritt gemacht. Das Kind hat sich auf etwas Neues eingelassen und freut sich nun auch daran. Natürlich darf man den Einstieg in den Kindergarten nicht überbewerten. Läuft eine Eingewöhnung mal nicht so glatt, heißt das nicht, dass das Kind nie lernen wird, sich auf Neues einzulassen. Ist sie aber gut gelaufen, kann man von den dabei gemachten Erfahrungen ein Leben lang profitieren – zu Schulbeginn genauso wie bei jeder anderen großen Veränderung.

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EIN ARTIKEL VON
  • Andrea Harringer

    „Meine Mami schreibt das auf, was ihr andere Leute erzählen.“ Das sagte mein Sohn, als man ihn fragte, was seine Mama beruflich mache. Seit 2001 bin ich Redakteurin in der Erzdiözese Wien, schreibe für den „Sonntag“ und versuche, Themen wie Familie, Kinder und Erziehung auch aus einem christlichen Blickwinkel zu beleuchten.


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