20. November 2018

Soll mein Kind ein Musikinstrument lernen?

musikinstrument lernen kinder - meinefamilie.at

Tanzen. Oder doch lieber Klettern? Aber was ist dann mit dem Erlernen eines Musikinstrumentes? Und: Geht sich das alles zeitlich überhaupt aus? Eltern geraten bei dieser Frage oftmals in die Zwickmühle.

Musik macht klug. Eltern wissen das ganz genau oder haben es zumindest einmal irgendwo gelesen. Eltern, die bestrebt sind, dass ihr Kind außergewöhnlich klug wird, beschallen es schon im Bauch der Mutter mit Mozart. Und wenn es schon nichts hilft, dann schadet es zumindest nichts. Jedenfalls will man dem Nachwuchs die besten Voraussetzungen und den bestmöglichen Start ins Leben angedeihen lassen. Sicher ist sicher.

Ist dann das Kind auf der Welt, geht die Sache mit der Musik weiter. Klassik für Kinder? Aber bitte sehr. Popmusik hören sie später ohnehin früh genug. Da kann es nicht schaden, wenn man sie ein wenig, natürlich kleinkindgerecht, mit der harmonischen Reichhaltigkeit und Überfülle der Wiener Klassik überschüttet. Unter diesen Tönen und Akkorden entwickelt sich das Kindergehirn gleich noch einmal so gut.

Und dann?

Irgendwann kommen Kinder dann in das Alter, indem sie ein Musikinstrument erlernen können. Schließlich ist Musik im besten Fall nicht nur eine passive Angelegenheit. Die „Klassiker“ und notfalls auch diese ganzen Popstars werden vom Sockel der Unantastbarkeit geholt, wenn man ihre Musik erlernt. Dadurch wird zwar deutlich, dass, in manchen Fällen, ganz schön viel Talent und Genie in den Kompositionen steckt, aber auch die größten Talente nur mit „Wasser“ bzw. mit Tönen und Akkorden kochen.

Mit zunehmender „Virtuosität“ des Kindes wird also deutlich, wie Musik konstruiert und strukturiert ist. Durch das „Eindenken“ in zum Teil komplizierte Stücke wird natürlich auch der Kopf gefordert. Ganz zu schweigen davon, was es für ein Kind oder einen Jugendlichen bedeutet, wenn es/er nach wochenlangem Üben das Werk fehlerfrei und meisterhaft beherrscht.

Zu allem kommt hinzu, dass das Spielen, sagen wir in einer Brass-Band, das Team-Play stärkt. Man kann nicht mehr mit dem Kopf durch die Wand, kann nicht mehr nur auf seine eigene Stimme hören, sondern muss lernen seinen Mitmusikern gut und exakt zuzuhören. Nur dann, und bei der richtigen Reaktion auf den Dirigenten, kann gemeinsam das Bestmögliche erreicht werden. Dadurch lernt man Zusammenspiel, Disziplin und erlangt doch auch das Bewusstsein, dass man den Rahmen mit ganz viel Individualität füllen darf und soll. Nachwirkungen und Auswirkungen dieser Erkenntnisse auf das „echte Leben“ sind ganz und gar nicht ausgeschlossen.

Zuvor aber: Welches Instrument?

Dem allen geht aber die Frage der Fragen voraus: Welches Instrument ist das „richtige“ für mein Kind? Soll es, wie hunderttausende Kinder sonst auch, wirklich mit der Blockflöte beginnen oder doch mit Geige oder Cello einsteigen? Das lässt sich schwer sagen. Wenngleich es natürlich Empfehlungen gibt. Dazu redet man am besten mit einem Musiklehrer vor Ort. Die Frage, die man als Eltern aber beantworten kann ist folgende: Welches Instrument passt womöglich zum Charakter meines Kindes? Wie kann es sich am besten ausdrücken? Hat es überhaupt genug Motivation ein „schwieriges“ Instrument zu erlernen oder ist es besser, mit einem leichter zu erlernenden Instrument einzusteigen?

Nicht zuletzt wohl auch: Welches Instrument kann auch ICH als Elternteil über mehrere Monate oder Jahre hören, ohne gröbere Hörschäden oder emotionale Zusammenbrüche mitzunehmen? Schließlich muss man sein Kind ja, zumindest anfangs oder Phase mangelnder Motivation, durch die Phase des Instrument-Erlernens bringen.

Fazit

Liebe Eltern, bei all diesen Fragen: Überschätzt die Bedeutung der Musik nicht. Aber unterschätzt sie auch nicht. Euer Kind wird eher nicht zum Wunderkind, nur weil es bereits im Mutterleib mit Mozart & Co. beschallt wurde. Und: Ein Kind zum lernen eines Musikinstruments zu zwingen führt ganz sicher nicht zur heißen Liebe zu Musik.

Aber: Die Beschäftigung mit Musik lohnt sich! Und der Perspektivenwechseln vom passiven Musikkonsum zum aktiven Musikmachen kann einige augenöffnende Glücksmomente für Kinder und Jugendliche bedeuten.

Außerdem: Sport und Musikinstrument müssen sich nicht ausschließen. Nach dem Sport ist der Körper aktiviert und höchst aktiv und auch das Köpfchen rotiert. Perfekt, um sich dann noch ein bisschen zu seinem Musikinstrument und zu seinem Musikstück zu setzen. Zumal dann, wenn die Eltern das zeitlich alles unter einen Hut bekommen. Aber in einem gewissen Alter kann man die Kinder ohnehin allein zu ihren Terminen und Stunden losschicken.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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