25. Dezember 2018

Rollenspiel als Konfliktlösungsstrategie für Kinder

Rollenspiel als Konfliktlösungsstrategie für Kinder - meinefamilie.at

Rollenspiele eignen sich ideal, um im geschützten Rahmen neue Verhaltensweisen ausprobieren zu können, doch wir verwenden sie viel zu selten im Familienalltag. Der Versuch unserer Bloggerin half ihrem sechsjährigen Sohn, den Konflikt mit einem anderen Kind positiv auflösen zu können.

Normalerweise kommt unser Sohn glücklich von der Schule nach Hause, um mir von sich aus, die lustigsten und aufregendsten Ereignisse des Tages zu erzählen. Ich liebe diesen Moment, wenn ich an seinem Leben teilhaben darf und so wieder in Verbindung mit ihm komme. Umso erstaunter war ich eines Tages als er grantig vor sich hin stapfte und keinen Mucks von sich gab. Vorsichtiges Nachfragen ergab, dass ihn ein anderes Kind in der Schule geärgert hatte.

Konflikte zwischen Kindern stehen in Kindergruppen an der Tagesordnung, doch wie reagiert man in so einem Fall richtig? „Wertfrei und unterstützend“ kam mir in den Sinn! Doch was bedeuten diese Schlagworte im konkreten Alltag? Hilflos drückte ich einfach aus, dass mir das leid täte und fragte nach ob ich ihm etwas Gutes tun könnte, um den Tag noch retten zu können.

Rollenspiel als Konfliktlösungsstrategie für Kinder - meinefamilie.at

Doch als sich die Situation ein paar Tage später wiederholte kam mir plötzlich eine Idee. Rollenspiele! Sie eignen sich ideal, um im geschützten Rahmen neue Lösungsansätze ausprobieren zu können. Und genau das taten wir! Ich spielte meinen Sohn und forderte ihn auf das Kind darzustellen, das ihn geärgert hatte. Dann probierte ich unterschiedliche – ernste, unkonventionelle, aber auch witzige – Methoden aus, wie man in dieser Situation reagieren könnte. Diese brachten meinen Sohn derart Lachen, dass er wieder er selbst sein wollte und ich das andere Schulkind spielen sollte. Neben meinen Vorschlägen hatte er so auch die Möglichkeit Verhaltensweise auszuprobieren die ihm mehr entsprachen. Dies war mir besonders wichtig. Je authentischer und individueller die geübten, neuen Reaktionen sind, umso größer ist die Change, dass sie im Alltag auch umgesetzt werden können.

Gespannt wartete ich auf seine Erzählungen und war positiv überrascht über seine eigenen kreativen Ideen mit der Situation umzugehen, als er sich wieder über SchulkollegInnen ärgerte. Das Rollenspiel hatte ihm zumindest die Ohnmacht genommen, sodass er angemessen reagieren konnte.

Auch wenn es immer noch Tage gibt, an denen er mit hängendem Kopf heimkommt, häufen sich doch die Momente, in denen er neue Verhaltensweisen ausprobiert und Respekt sowie die Einhaltung seiner Grenzen erlebt. Mich persönlich beeindruckt jedoch am Meisten, dass die anderen Kinder positiv auf ihn reagieren und ihn nicht ignorieren, bzw. am alten Muster festhalten.



EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Vor meiner Karenz meines Sohnes war ich in der direkten Pflege, aber auch im Leitungsteam, für die Betreuung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen verantwortlich. Als Ausgleich dazu unterrichtete ich Kinderturnen. Derzeit vertrete ich als Texterin & Grafikerin EPUs bei ihrem Firmenauftritt. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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