23. März 2020

Kochen mit Kindern – Warum es gut ist und wie es gelingt

kochen mit kindern – warum es gut ist und wie es gelingt

Immer wieder, wenn ich mit anderen Mamas rede, merke ich, dass eine gewisse Abneigung dagegen besteht, Kinder aktiv ins alltägliche Kochen miteinzubeziehen.

Klar, ab und zu mal Keksebacken oder eine Pizza belegen, das ist schon drin. Aber so richtige Mahlzeiten für die ganze Familie kochen viele Mamas lieber selbst. Warum?

Zu stressig, zu turbulent?

Eines der Argumente, die Kinder nicht ins alltägliche Küchengeschehen miteinzubeziehen ist jenes, dass dies einfach stressiger ist als die Dinge in Ruhe allein zu machen. Das stimmt sicher, es macht klarerweise einen Unterschied, ob ich einfach so vor mich hinwerkeln kann in meinem Tempo und auf meine gewohnte Art, oder ob ich daneben noch jemanden zum Helfen einteile und dabei beaufsichtige.

Das braucht schon gewisse Multitasking-Fähigkeiten, vor allem bei mehreren Kindern. Dabei kommt es natürlich auch sehr auf das Alter der Kinder an. Mit drei Kleinkindern zu kochen ist wirklich herausfordernd und klappt vielleicht wirklich nur eine kurze Zeit lang.

Zu viel Chaos

Manche Mamas, die nicht so gerne mit Kindern kochen, scheuen das Chaos, das dadurch entsteht. Eine Bekannte dazu:

„Ich hab‘ da mein genaues System, wasche die gebrauchten Töpfe und Geräte gleich daneben ab. Ich hab keine Lust, wenn die Kinder alles vollkleckern und ich dann alles aufräumen muss.“

Ich mach es doch gerne!

Ein weiteres Argument, das Mamas vorbringen, ist, dass sie die Kocherei ja gerne machen, genauso wie die anderen Tätigkeiten im Haushalt. Die Familie gut zu bekochen sei einfach ihre Art zu zeigen, wie wichtig ihnen ihre Kinder sind.

Es sei schön, ihre Liebsten immer wieder kulinarisch zu verwöhnen und ihre Lieblingsgerichte zuzubereiten. Die Zeit vergehe ja ohnehin so schnell, bis sie groß und selbständig sind und keine Hilfe mehr von Mama brauchen.

Warum also kochen mit Kindern?

All diese Argumente sind verständlich und nachvollziehbar. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es ab und zu gut ist, die Kinder in die Zubereitung von Mahlzeiten mit einzubeziehen. Es muss ja nicht jeden Tag sein. Es muss ja nicht jedes komplizierte Gericht sein.

Aber eine grundsätzliche Ahnung zu haben, wie man mit Lebensmitteln hantiert, wie man sie lagert und zubereitet, finde ich wichtig für jedes Kind. Ich spreche hier wohl gemerkt nicht nur von Mädchen, auch Jungs können heute Grundkenntnisse im Kochen gut brauchen.

kochen mit kindern – warum es gut ist und wie es gelingt

Gemeinsam Zeit verbringen

Durch die fünf Jahre Homeschooling war ich eigentlich mehr oder weniger gezwungen, das tägliche Kochen mit den Kindern zu machen. Ab und zu erledigten sie noch Hausaufgaben daneben am Küchentisch, während ich schon mal anfing, das Mittagessen vorzubereiten.

Aber sobald sie fertig waren, kamen die beiden Jüngsten meist dazu und wollten helfen.

Klar ist das „Helfen“ von jüngeren Kindern nicht immer genau das, was man sich darunter vorstellt. Aber es gab immer wieder Tätigkeiten, die sie für mich erledigen konnten.

Gemüse waschen, Gemüse, Käse etc. schneiden, Gewürze im Mörser stampfen, … es war meist eine sehr nette gemeinsame Zeit.

Wissen vermitteln

So ganz nebenbei ergaben sich immer wieder Gespräche über das Essen, was gesund ist und was weniger, wovon man viel essen soll und wovon nicht, warum wir was wie zubereiten. Zwischendrin durfte auch ein bisschen von den Kochzutaten genascht werden. Auf diese Art lernten sie sehr viele verschiedene Geschmäcker kennen, von Gewürzen, Gemüse und Obst.

Den Horizont erweitern

Da ich sehr gerne auch exotische Gerichte koche wie indisches Curry oder chinesische Bratnudeln, kommen auch meine Kinder auf den Geschmack, solche Dinge zu kosten.

Nicht alles schmeckt ihnen, aber bei uns gilt die Devise: Auch wenn es nicht gut aussieht, koste ich es zumindest.

Auf diese Weise haben die Kinder schon einige Überraschungen erlebt! Das eher unansehnliche Linsendal sieht z.B. aus wie brauner Matsch. Aber wenn man es kostet, ist es wirklich lecker!

Praktische Tipps

Um Kinder beim Kochen ganz in Ruhe anleiten zu können, sollte man idealerweise etwas Kocherfahrung haben. Ist man sich als Mama da nicht ganz so sicher, ist es klar, dass das Kochen mit Kids eher stressig ist. Am besten fängt man also mit Speisen an, bei denen man die Zubereitung auswendig kann.

Hilfreich sind auch kindgerechte Kochrezepte. Ich hab eine Sammlung von Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit bunten Illustrationen, die laminiert sind. Die können die Kinder schon selbständig verstehen und befolgen. Und wenn sie vollgekleckert sind, kann man sie einfach abwischen.

Genug Zeit einplanen!

Ein wenig Organisation gehört natürlich dazu. Wichtig für das Kochen mit Kindern: Genug Zeit einplanen! Je nach Alter und Fähigkeit des Kindes kann es einfache Tätigkeiten ganz selbständig durchführen. Bei anderen braucht es Unterstützung.

Mit nur zwei Händen kann ich natürlich nicht überall gleichzeitig sein, deshalb dauert es auch länger. Sind mehrere unterschiedlich alte Kinder am Werken, kann auch schon mal ein älteres ein jüngeres anleiten.

Lasst eure Kinder auch experimentieren

Wichtig finde ich grundsätzlich, dass man den Kindern etwas zutraut und sie experimentieren lässt. Mein Sohn Ben (15) hatte schon in jungen Jahren viel Freude am Kochen und konnte mit 12 selbständig ein Menü kochen.

Immer wieder suchte er sich Rezepte aus dem Internet und probierte sie aus. Manches gelang sofort, manches nicht. Aber er war motiviert, da er in unserer Küche (unter Aufsicht) so ziemlich alles machen durfte. Insofern ist er wahrscheinlich eine Ausnahme. Gleichzeitig ist es aber sicher auch eine positive Folge des jahrelangen gemeinsamen Kochens.

Klar war ich auch dahinter, dass er sein Chaos dann selbst wieder aufräumte. Das ist auch jetzt noch so. Wenn wir gemeinsam in der Küche werken, gehört das Wegräumen der benützten Gegenstände gehört zum einfach dazu.

Neulich hab ich mit 3 meiner vier Kinder chinesische Nudeln gekocht und wir werkten ca. 1,5 Stunden gemeinsam. Mein Ältester (17), der nicht so besonders gerne kocht, aber gerne leckere Sachen isst, meinte am Schluss anerkennend:

„Wow, also das ist echt viel Arbeit. Danke, dass du das immer wieder für uns ganz alleine machst.“

Darüber hab ich mich natürlich sehr gefreut. Denn im turbulenten Alltag kochen wir ja auch nicht jeden Tag gemeinsam.

Also ich kann jede Mama (und jeden Papa) dazu ermutigen, die Kinder öfter in diesen wichtigen und zentralen Lebensbereich mit einzubeziehen!

 



EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Niederösterreich im Erlauftal. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nach fünf Jahren Homeschooling sind nun alle vier Kinder in öffentlichen Schulen und ich bin Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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