11. Juli 2018

Über Schule, Ferien, Urlaub und Familienzeit

Über Schule, Ferien, Urlaub und Familienzeit - meinefamilie.at

Wieder ist ein Schuljahr vergangen und die Ferien sind da. Wieder haben viele Eltern ein Jahr lang versucht, den Paradigmenspagat zu meistern. Sie möchten ihre Kinder als gleichwertige Subjekte und nicht als unterlegene Objekte erziehen. Die Schule macht dies leider oft schwierig. Umso größer die Freude, dass jetzt wieder für 9, beziehungsweise 5 Wochen die “Ferien-Freiheit” genossen werden kann. Aber auch die Urlaubszeit birgt, durch eine gewisse Erwartungshaltung, großes Konfliktpotential für junge Familien und Elternpaare.

Langsam, Anfang Juli, entspannen sich Familien, denn die Ferien sind da. Wieder ist ein Jahr vorbei, in dem viele Eltern versucht haben, ihren Erziehungsstil mit den oft starren Vorgaben und Anforderungen der Schule zu vereinbaren. Sie haben sich dazu entschieden, ihre Kinder als gleichwürdig, also als Subjekte, als ganze Menschen von Anfang an zu sehen und zu behandeln, anstatt zu versuchen, sie sich zu unterwerfen (als Objekte zu sehen) und im Gehorsam zu leben. Sie möchten von der Subjekt – Objekt – Beziehung zur gleichwertigen Subjekt – Subjekt – Beziehung mit ihren Kindern gelangen. Diese Art von Beziehungsgestaltung ist so neu, es gibt so wenige Vorbilder, dass Familien viel Zeit, vor allem im Familienurlaub, darauf verwenden, um gute, funktionierende Lösungen für ihr Zusammenleben zu finden.

Konflikt: Schule

Doch dann kommen die Kinder in die Schule. Das System ist immer noch ein klassisch hierarchisches, in dem Begegnungen auf Augenhöhe oder das Wort „Beziehung“ nur selten Platz haben! Das Schulsystem setzt voraus, dass Kinder folgen. Dass sie das, was sie vorgesetzt bekommen, auch lernen. Das widerspricht jeder modernen Lernforschung!

Achtung: Ich spreche hier vom System – nicht vom Engagement vieler bemühter und wirklich guter Pädagogen und Pädagoginnen!

Viele Konflikte in Familien entstehen durch die Schule. Hausübungen, deren Sinn nicht hinterfragt wird, müssen gemacht werden. (Alfie Kohn, der Autor von: „Liebe und Eigenständigkeit: Die Kunst bedingungsloser Elternschaft jenseits von Belohnung und Bestrafung“ , hat dazu ein Buch geschrieben: The Homework Myth) Es müssen Dinge verinnerlicht und „gelernt“ werden, die gänzlich gegen die Interessen der Kinder gehen und für diese sinnentleert sind. Lehrer und Lehrerinnen hoffen immer noch darauf, von Eltern unterstützt zu werden, in dem sich diese gegen ihre Kinder stellen sollen. Und das funktioniert nicht mehr.

„Eine Generation, die zunehmend in den besten Lebensjahren mit Burnout zu kämpfen hat, entwirft für ihre eigenen Kinder einen Lebensweg mit noch mehr Tempo, mit noch mehr Leistung, noch mehr „Förderung“. Sie funktioniert Kindergärten in Schulen um, weil sie glaubt, Kinder, die früh Mathe lernen, seien schneller am Ziel. Moment einmal – an welchem Ziel?“

Herbert Renz-Polster, deutscher Kinderarzt, Wissenschafter und Buchautor

Eine häufig gestellte Frage zum Schulschluss:

“Soll ich meinem Kind eine Belohnung für das Zeugnis geben, oder nicht?”

Ich behaupte, dass Belohnungen das Zwillingskind von Bestrafungen sind. Es ist absurd, Kinder für eine der natürlichsten Sachen der Welt, das Lernen, zu belohnen. Leider ist, wie schon gesagt, unser Schulsystem nicht auf natürliches Lernen ausgerichtet, sondern auf Auswendiglernen von (sinnlosen) Inhalten und Einwegkommunikation von LehrerIn zu SchülerIn.

Ich kann also meine Freude zum Ausdruck bringen, dass das Jahr geschafft ist. Vielleicht könnten wir den Geldregen, der mit dem Schulschluss einhergeht, als Schmerzensgeld für unsere Kinder sehen; oder wir Eltern teilen so unsere Erleichterung und machen aus diesem Impuls heraus ein Fest!

Und noch eine kleine Anmerkung zum Schluss: Ich komme aus einer Lehrer- und PädagogInnenfamilie, die bis hin zu meinem Urgroßvater geht. Ich selbst habe auch zwei Fremdsprachen studiert, um diese zu unterrichten. Ich bin ausgebildete Pädagogin und blicke auf persönliche Erfahrungen im System zurück. Ich weiß also auch von der anderen Seite, wovon ich hier spreche. Und ich habe mir erlaubt, auszusteigen. Als Mutter von drei Kindern ringe ich auch heute noch mit dem Spagat und stelle mich – immer noch der Suche nach erfolgreichen und würdevollen Lösungen im Sinne meiner Kinder.

Konflikt: Urlaubs- & schulfreie Zeit

Nach dem Schuljahr kommen dann die Ferien. Endlich können unsere Kinder auslassen – und schon gibt es die nächste Herausforderung: Wie versorgen wir unsere Kinder in diesen neun Wochen?

Und Eltern sind mit den nächsten Ansprüchen an sich selbst konfrontiert: Urlaub ist Familienzeit und die MUSS super werden!

Entlastende Anregungen für die Urlaubszeit

# Familienurlaub mit kleinen Kindern
Anerkennen Sie, dass Urlaub vor allem mit kleinen Kindern sich nicht mir den Urlauben vergleichen lässt, die Sie zu zweit verbrachte haben. Mitunter ist Familienurlaub mit kleinen Kindern einfach nur ein Ortswechsel. Manchmal ist es nicht nur „nur“ ein Ortswechsel, sondern auch Strafverschärfung, weil Sie den zu Hause gewohnten Komfort wie z.B. eine Waschmaschine oder ein Auto nicht zur Verfügung haben.

# Erwartungen – nein danke

Haben Sie keine Erwartungen. Nehmen Sie einen Tag nach dem anderen! Machen Sie sich wetterunabhängig. Vor allen Fällen in Österreich 🙂
Packen Sie keine Ansprüche an sich oder den Partner mit in den Koffer. Wenn Sie Ihren Kindern eine Freude machen wollen, dann sorgen Sie dafür, dass Sie (beide) entspannen können. Den Kindern ist das total egal, ob das ein fünf Sterne Hotel oder der Bauernhof ist oder einfach ein schöner Familienurlaub bei Oma und Opa. Hauptsache ist, Ihnen als Eltern gelingt eine gute Zeit!

# Erholung für das ganze Jahr innerhalb von 25 Urlaubstagen?

Packen Sie nicht Ihren gesamten Erholungsanspruch in fünf Wochen Zeit im Jahr. Was machen Sie in den restlichen 47  Wochen! Machen fünf Wochen „Erholung“ übers Jahr verteilt den Alltagsstress wett? Wollen Sie nicht lieber in der Neugestaltung des Alltags ansetzen damit Sie und Ihre Familie auch im Alltag abschalten und sich erholen können?

# Familienzeit ist KEINE Paarzeit

Wenn Sie als Paar mit der Hoffnung in den Familienurlaub fahren dort endlich Zeit füreinander zu haben, dann unterschätzen Sie nicht die Willenskraft Ihrer Kinder von Ihnen beiden so viel wie möglich zu bekommen! Paarzeit ist, wenn Sie zu zweit sind! Planen Sie diese Zeit auch in Ihre Urlaubsgestaltung mit ein und sorgen Sie rechtzeitig dafür, dass Sie Ihre Kinder gut versorgt wissen (Babysitter, Freunde, Großeltern,…).

# Familienurlaub – Zeit für mich?

Ach ja, ein Familienurlaub garantiert Ihnen nicht automatisch Zeit für sich selbst! Überlegen Sie wann Sie sich diese nehmen  und bitten Sie Ihren Partner rechtzeitig um Unterstützung um diese Zeit im Urlaub dann auch ungestört in Anspruch nehmen zu können. Und: Verfallen Sie diesbezüglich nicht in einen Konkurrenzkampf. Jedem steht Zeit für sich selbst zu, seien Sie fair, gönnen Sie auch Ihrem Partner eine gute Zeit ohne die Familie und ohne schlechtes Gewissen oder Sorgen.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Teml-Jetter

    Mag. Sandra Teml-Jetter, Jahrgang 1969, ist gelernte Wienerin vom Attersee. Sie ist seit 20 Jahren mit ihrem Mann Stefan zusammen, seit 14 Jahren mit ihm verheiratet. Gemeinsam leiten sie seit über 10 Jahren die „Wertschätzungszone“, ihre Beratungspraxis. Sie leben zusammen mit ihren drei Kindern im Alter von 22, 16 und 13 Jahren in einer Patchworkkonstellation.
    www.wertschaetzungszone.at


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at