16. Januar 2020

Meine Kinder und der Schlaf – Teil 1

Meine Kinder und der Schlaf – Teil 1

Es gibt ja Kinder, die schlafen einfach wenn sie müde sind. Es gibt auch Kinder, die schlafen problemlos alleine ein. Und es gibt Kinder, die schlafen die ganze Nacht durch.

Das ist total großartig. Aber die Eltern dieser Kinder werden diesen Artikel vermutlich nicht lesen.

Also schreibe ich lieber über andere Kinder. Meine zum Beispiel. Die sind 3 und 5 Jahre alt und bestreiten konsequent jegliche Müdigkeit. Manchmal liege ich über eine Stunde neben ihnen, bis sie endlich die Augen geschlossen haben und tief und ruhig atmen.

Nicht jeder Mensch braucht gleich viel Schlaf

Wer dem Schlafbedürfnis seiner Kinder gerecht werden möchte, sollte sich von starren Regeln verabschieden. Menschen haben einen extrem unterschiedlichen Schlafbedarf. Ich kenne Erwachsene, die nie mehr als 6 Stunden schlafen, aber sich durchaus fit fühlen. Und ich kenne Erwachsene, die sich gar nicht trauen zu sagen, wie lange sie immer schlafen. Jedenfalls geht es über die als Standard verankerten 8 Stunden klar hinaus.

Bei Kindern ist das nicht anders. Ich arbeite in einer Kinderkrippe, wo das beim Mittagsschlaf gut zu beobachten ist. Für manche Kinder reichen 30 Minuten Erholung, andere müssen nach 2,5 Stunden aufgeweckt werden.

Meine eigenen Kinder brauchen nicht besonders viel Schlaf. Das muss ich akzeptieren.

Sind meine Kinder müde?

Dennoch bekommen meine Kinder manchmal zu wenig Schlaf. Warum? Weil sie sehr gut darin sind, ihre Müdigkeit zu verstecken. Und weil es lange gedauert hat, bis mein Mann und ich gelernt haben, die Müdigkeits-Zeichen unserer Kinder zu erkennen. Mein Sohn etwa jammert beim Bedürfnis nach Schlaf nach Essen. Herzzerreißend. Jeder kauft ihm seine schlechte Laune ab. Schließlich hat der arme Bub Hunger!

Am liebsten hätte er dann natürlich etwas Süßes, aber egal was: es reißt ihn aus seiner Müdigkeit heraus. Das ist alles. Ich erkenne, dass mein Kind müde ist, weil er über Hunger jammert, obwohl er eigentlich genug gegessen hat. Er zupft sich nicht an den Ohren (was viele Kleinkinder tun, um sich wach zu halten – Akupressur, die funktioniert), reibt sich nicht die Augen und wird auch nicht irgendwie ruhiger in seinen Bewegungsabläufen. Liest man ihm jetzt ein Buch vor, anstatt ihm Essen zu geben, schläft er womöglich ganz schnell ein.

Bei meiner Tochter ist das anders. Wenn sie müde wird, sucht sie die Konfrontation. Und das sehr geschickt. So lange sie sich über irgendetwas ärgern kann, schläft sie nicht ein. Ziel erreicht.

Warum wollen sie nicht schlafen?

Das Leben ist schön. Das Leben ist bunt. Das Leben ist aufregend. Meine Kinder lieben es, etwas zu erleben. Sie haben schnell mal Sorge, etwas zu verpassen. Sie sind unendlich neugierig und wissbegierig. Ich bin mir sicher, dass das zum Teil einfach mit ihrem Grundcharakter zu tun hat. Überraschung: sie haben einen ähnlichen Charakter wie mein Mann und ich. Und auch wir gehen nicht einfach schlafen, wenn wir müde sind. Wenn wir noch eine Arbeit erledigen wollen: bleiben wir wach.

Wenn wir gerade nett plaudern: bleiben wir wach. Wenn das Buch spannend ist: bleiben wir wach. Wenn das Football-Spiel erst spät abends übertragen wird: bleiben wir wach. Weil auch uns Vieles spannender erscheint als der Schlaf.

Also müssen wir auf unsere Vorbildwirkung achten. Und vielleicht auch mal tagsüber sagen: „Ich bin müde. Ich lege mich ein bisschen auf die Couch“ anstatt: „Ich brauche einen Kaffee!“

Bewusst zu sagen: „Ich bin müde.“ zeigt schon erste Früchte. Unsere 5-jährige sagt mittlerweile immer öfter, dass sie Ruhe braucht. Eine große Leistung. Denn obwohl sie einen enormen Wortschaft hat, kam der Satz „Ich bin müde“ jahrelang kein einziges Mal über ihre Lippen.

Sie müssen schlafen wollen

Als meine Kinder noch ganz klein waren, konnte man sie hin und wieder zum Einschlafen überlisten. Im Kinderwagen über Pflastersteine rattern zum Beispiel. IMMER in Sitzposition. Die Liegefunktion des Gerätes wurde genauso angefeindet wie der Schlaf selbst. Mit dem Überlisten ist es jetzt nicht mehr weit her.

Denn meine Kinder wurden größer und ihr Wille stärker. Wenn meine Tochter nicht einschlafen will, dann schläft sie nicht ein. Während mein Sohn noch ins Träumeland verschwindet, wenn ich einfach immer weiter Geschichten vorlese, so hält sie sich wach bis zum letzten Wort.

Als wir einmal von einer Familienfeier abends eine weite Strecke nach Hause fuhren, wollten wir den Kindern zuerst die Zähne putzen, damit sie im Auto einschlafen können und wir sie dann schlafend in ihr Bett legen können (wenn sie einmal schlafen, klappt das zumindest problemlos).

Meine Tochter wollte das partout nicht: „Nein, ich bin nicht müde! Ich schlafe nicht im Auto. Ich putze mir zuhause die Zähne.“ Nach einer Stunde im Auto wollte sie die Zähne putzen, weil sie jetzt müde war. Da das nicht ging, hielt sie sich weitere 1,5 Stunden im dunklen Auto wach, obwohl wir ihr natürlich sagten, dass sie einfach schlafen könne.

Wie kommen solche Kinder also zu mehr Schlaf? Das lest ihr im 2. Teil.



EIN ARTIKEL VON
  • Agnes Rehor

    Ich bin Kindergarten- und Hortpädagogin und habe Diätologie studiert. Seit 2013 bin ich verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Nach den Babyjahren sind wir aus Wien hinaus in Häuschen mit Garten gezogen. Ich begeistere mich für die Natur und ihren Schutz, beschäftige mich damit, wie Beziehungen gelingen können und brenne für unkonventionelle Ideen.


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