24. Oktober 2019

Lasst eure Kinder träumen!

Lasst eure Kinder träumen

Fast jeder Vater und fast jede Mutter würde sagen, dass man seinen Kindern die Träume lassen, ihre Ambitionen liebevoll unterstützen und ihnen ganz generell erklären sollte, dass ganz und gar nichts unmöglich ist. Aber ist das eigentlich klug?

„Die Politik ist die Kunst des Möglichen“. Dieses Zitat schreibt man Otto von Bismarck zu. „Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche“ soll wiederum Che Guevara gesagt haben. Diese zwei sehr gegensätzlichen Figuren zeigen auch das Spannungsfeld auf, in dem sich Eltern oft bewegen.

Das erste Zitat legt nahe, dass man sich in einem konkreten Rahmen bewegt und nur das Sinn macht, was in diesem Rahmen möglich ist. Letzteres Zitat meint implizit, dass dieser Rahmen eben gebrochen und/oder überschritten werden muss.

Das Unmögliche gelingt nur dann, wenn man die Beschränkungen, die bisher das Unmögliche verhindert haben, außer Kraft setzt und einen Umsturz herbeiführt.

Nicht jedes Kind ist ein Revoluzzer

Nun darf man davon ausgehen, dass nicht jedes Kind ein Revoluzzer ist. Das ist nicht nur eine Charakterfrage, das ist auch eine Frage der Pragmatik. Ist es wirklich erstrebenswert, dass Kinder, vor allem wenn sie dann heranwachsen, immer und überall anecken? Ist es nicht auch eine praktische Art von Intelligenz, wenn man weiß, wie man sich geschickt und doch nicht duckmäuserisch im nicht immer sofort veränderbaren Rahmen bewegt?

In diesem Kontext kommt mir noch ein schlaues Zitat in den Sinn:

„Lerne die Regeln, damit du sie richtig brechen kannst“.

Man schreibt diese Aussage dem Dalai Lama zu. Interessant ist hier, dass das Wörtchen richtig ins Spiel kommt. Ganz so, als ob es auch die Möglichkeit geben würde, die Regeln falsch zu brechen. Meiner Meinung nach wird hier angespielt, dass man als Kind und als junger Mensch überhaupt erst einmal begreifen muss, wie die Welt beschaffen ist, in welchem Kulturkreis man sich aufhält und welche Erwartungshaltungen und Möglichkeiten damit einhergehen.

Lerne die Regeln, aber halte sie nicht für unveränderlich

Ich denke, dass man seinem Kind folgendes mitgeben kann: Lerne die Regeln, aber halte sie nicht für unveränderlich. Aber lass dir Zeit. Lerne sie kennen, sprich mit Menschen die in diesem Bezugsrahmen funktionieren und schau, wie sich diejenigen Leute verhalten, die in diesem Kontext einen guten Teil ihrer Ambitionen, Ideen und Wünsche verwirklichen können.

Schnell werden Kinder oder auch heranwachsende Jugendliche verstehen, dass nicht das provokante Brechen von Regeln zum Erfolg führt, sondern das Gespür für das Umfeld, in dem man sich bewegt, mit einer guten Dosis von Geduld um abzuwarten, dass sich Umstände zu den eigenen Gunsten wenden und man endlich loslegen und Regeln richtig brechen kann. Wer den falschen Augenblick wählt, der kann sich auch erschöpfen und bleibt enttäuscht zurück.

Lasst eure Kinder träumen!

Aber setzt diese Träume ab einem gewissen Alter in Bezug zur Realität. Sagt ihnen, dass man manchmal kämpfen muss, um seine Träume zu erreichen. Viel verstehen und manchmal auch Geduld haben muss. Sonst könnte die Enttäuschung über gescheiterte Träume sehr groß sein.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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