13. Juni 2018

Wenn Essengehen mit Kindern zum Problem wird

Wenn Essengehen mit Kindern zum Problem wird - meinefamilie.at

Kritische Blicke oder gar Proteste seitens der Restaurantgäste sind denkbar, wenn man mit kleinen Kindern Essen geht. Exakt da beginnt sich die Eskalations-Spirale aber schon zu drehen.

Kritische Blicke oder Unmutsbekundungen der anwesenden Gäste führen zu unruhigen und nervösen Eltern. Nervöse Eltern wiederum zu nervösen Kindern. Und nervöse Kinder sind auch unruhige Kinder, was zumeist die Proteste im Umfeld anschwellen lässt und die kritischen Blicke in quantitativer Hinsicht erhöht. Gut möglich, dass die Situation dann ausufert, man das Restaurant reumütig und verstört zugleich verlässt und sich schwört, sich das Essengehen nie mehr anzutun, zumindest nicht in nächster Zeit bis die Kinder größer sind.

Was tun, damit es nicht soweit kommt?

Nein, die Antwort auf diese Frage ist nicht, dass man sich ab sofort nur noch in Restaurants mit großzügiger Spielecke, gesonderten Bereichen für Familien oder gar Kinderhotels aufhalten sollte. Denn die Separation von Menschen mit Kindern von Menschen ohne Kinder ist der Ursprung des geschilderten Problems. Die gut gemeinte Zielgruppen-Differenzierung generiert verunsicherte Eltern und überempfindliche Mit-Gäste.
Das wiederum bedeutet nicht, dass alles akzeptabel ist. Kleinkinder, die in Restaurants mit Nudeln um sich werfen erregen zu Recht den Zorn der Mitanwesenden. Eltern, die auf das Verhalten ihrer Sprösslinge nicht reagieren werden zu Recht gerügt.

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Es gilt vielmehr auf ein friedliches Miteinander mit klaren Verhaltensregeln hinzusteuern. Trennt man Kinder und Eltern von Menschen ohne Kinder lernen Kinder niemals oder erst zu spät die „Codes“ des Zusammenseins im Restaurant, in dem sich Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen und Erwartungshaltungen zeitgleich befinden.

Einige Restaurants eignen sich auch gar nicht für einen Besuch mit Sack und Pack. Dass ein Kind nicht stundenlange Menü-Abfolge-Orgien mitmacht versteht sich (fast) von selbst. Das normale und richtige benützen von Besteck bei einem Kind ab 6 sollte Eltern ihrem Kind aber beigebracht haben und das dürfen sich auch die Gäste in der näheren und fernen Umgebung erwarten.

Liebe Familien, geht essen! Lasst euch nicht abschrecken von kritischen Blicken. Gewöhnt eure Kinder zugleich daran, dass man sich „anderswo“ anders benimmt als zuhause. Letzen Endes wird das für alle Seiten zu einer Win-Win-Situation.

Die Toleranz wird größer

Das dauernde Zusammentreffen von Eltern und Gästen, die Nicht-Eltern sind oder ihre Kinder zumindest anderweitig „verstaut“ haben generiert, so bin ich sicher, auch Toleranz beider Seiten der jeweils anderen Seite gegenüber. Sollte mal etwas „danebengehen“, etwa eine Nudel auf den Boden fallen, dann ist das kein Malheur mehr. Sollte ein Kind mal ein bisschen lauter sein, dann ist das in Ordnung. Schließlich gibt es auch Erwachsene, die sich (zu) lautstark unterhalten und die man darauf hinweist.

Ein sachliches Gespräch unter Menschen und Gästen ist immer noch die beste Basis um Dinge zu beheben, die für den Mit-Gast nicht-tolerierbar sind. Ich bin aber überzeugt, dass sich die Grenze des Nicht-Tolerierbaren deutlich verschiebt, wenn Kindern mit Familien wie selbstverständlich neben Menschen sitzen, die einen netten, romantischen Abend zu zweit verbringen möchten.

Geht essen!

Ein Plädoyer habe ich also: Liebe Familien, geht essen! Lasst euch nicht abschrecken von kritischen Blicken. Gewöhnt eure Kinder zugleich daran, dass man sich „anderswo“ anders benimmt als zuhause. Letzen Endes wird das für alle Seiten zu einer Win-Win-Situation.

Der Mit-Gast ist sicherlich erfreuter ein Kind in seiner Nähe zu haben, welches an das Essengehen gewöhnt ist als sich mit einem Kind herumschlagen zu müssen, das mit der Situation vollkommen überfordert ist und deshalb auch völlig irrational reagiert.

Letztlich werden auch die Kinder – und natürlich nicht zuletzt die Eltern – merken, dass gemeinsames Essengehen ein wunderschönes Ritual als Familie sein kann. Wenn man gewisse Mindeststandards und auch die Toleranz als Grundhaltung etabliert vorfindet und mitgestaltet.

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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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