17. August 2018

Kindern das richtige Einkaufen lehren

Kindern das richtige Einkaufen lernen - meinefamilie.at

Konsumkritik ist en vogue. Weniger ist mehr und einkaufen ist fast schon per se böse. Doch man muss die Situation differenzierter sehen. Wie der Erwerb von Medienkompetenz kann auch Shopping-Kompetenz erworben werden.

Der Besuch eines Einkaufszentrums mit den Kindern im Schlepptau kann zum Spießroutenlauf werden. Überall dudelt es, überall will mittels geschickt inszenierten Auslagen der vorbeigehende Mensch zum Konsumenten gemacht werden. Kindern sind, mehr noch als die Erwachsenen, diesen psychologischen Spielchen ausgesetzt. Oft werden sie eigenes angesprochen, etwa mit der Ware, die direkt in der Nähe der Kassa liegt und die noch schnell mitgenommen werden will.

Was brauche ich und was will man, dass ich brauchen soll?

Diese Frage steht im Zentrum der Überlegungen einer „Shopping-Kompetenz“. Was brauche ich wirklich? Womit spiele ich gerne? Was hat mir längerfristig Freude gemacht? Und was zielt im Gegensatz darauf ab, dass ich nur für den augenblicklichen „Kick“ des Kaufens Freude habe? Das sind komplexe Fragen, aber für Kinder durchaus in einem bestimmten Altern schon verständlich. Schließlich haben Kinder meist schon einiges an Shopping-Erfahrung. Schließlich wissen sie, welche Spielsachen ihnen auf lange Sicht Freude bereitet haben und welche schon nach kurzer Zeit ungeliebt und unbeachtet in der Ecke verstauben.

Über Mechanismen reden

Über psychologischen Mechanismen reden hilft. Warum steht die Kleinware beispielsweise in der Nähe der Kassa? Weil da Eltern ohnehin schon entnervt sind und dem Druck der Sprösslinge das unbedingt noch haben zu müssen eher nachgeben.

Warum schauen eigentlich manche Spielsachen in der Auslage weit toller aus als dann zuhause? Auch über die Mechanismen der In-Szene-Setzung und der Beleuchtung könnte man reden. Waren sollen sprichwörtlich im besten Licht präsentiert werden, weshalb auch viel Zeit dafür verwendet wird sie passend zu inszenieren und ihr die richtige Beleuchtung angedeihen zu lassen.

Warum gerät man in Einkaufszentren und größeren Geschäften manchmal in einen regelrechten Kaufrausch? Das liegt nicht nur an der Reizüberflutung von allen Seiten. Das liegt zu einem guten Teil auch an der Musik, die so mancher nur mehr unterschwellig oder gar nicht mehr wahrnimmt. Sie soll „einlullen“ und somit den Widerstand gegen die Kaufreize ein wenig vermindern. Danach sitzt oftmals nicht nur die Brieftasche von Mama und Papa lockerer, sondern das Kind will noch mehr unbedingt sofort haben als normalerweise üblich.

Fazit

Es gibt natürlich noch viele Mechanismen, die man thematisieren kann. Wichtig ist, dass man diese überhaupt thematisiert und damit dem Kind zeigt, dass Einkaufen und Kaufrausch nicht naturgegeben sind, sondern auf konkreten Mechanismen basieren. Es ist ein Spiel zwischen Anbieter und Käufer, mit der Werbung und dem Marketing als Mitakteuren.

Durchschaut man diese Mechanismen oder ist man zumindest in der Lage zu begreifen, was mit einem passiert, wenn man einer Vielzahl von Kaufreizen ausgesetzt ist, dann kann man entspannter einkaufen und bleibt mehr bei sich. Falsche Entscheidungen bleiben verstärkt aus, man kauft mehr von dem, was einem wirkliche Freude bereitet und auch in näherer Zukunft noch Freude bereiten wird. Man fühlt sich dann auch nicht mehr schlecht, weil man sich mal wieder hat verführen lassen. Das sind Aspekte des Einkaufens, die man gar nicht genug und also schon im Kindesalter lernen kann.

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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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