11. Juni 2018

Familienleben bewusst gestalten

Familienleben bewusst gestalten - meinefamilie.at

In einer stark medien- und konsumorientierten Zeit ist Familienleben nicht etwas, das einfach passiert. Es muss seinen Platz bekommen, indem wir bewusst gestalten. Das Wichtigste hierbei ist, dass wir Familienzeiten als fixe Termine sehen und gegen alles andere verteidigen. Ebenso wichtig ist es auch, diese Zeiten zu planen und rechtzeitig vorzubereiten. Je eher wir das präsent haben, desto mehr sollen diese Gelegenheiten zu wunderschönen Familienzeiten werden, die in unseren Kindern unauslöschbare Erinnerungen hinterlassen.

„Darf ich diesmal den Aperitif vorbereiten?“, fragt mich meine jüngste Tochter. Ein Feiertag nähert sich und sie weiß, dass dies einer unserer „Aperitif-Tage“ ist. Vor vielen Jahren schaute ich mir die Idee von einer Freundin ab. An besonderen Feiertagen gibt es vor dem Essen einen kleinen Aperitif, ein Tablett mit Chips, Nüssen, Oliven und Getränken wie Cola, Fanta, einen Aperol für die Eltern. Auch ohne Gäste, einfach für uns als Familie, um das Besondere dieses Tages zu unterstreichen. Damit derAnlass zum Feiern nicht ungenützt vorübergeht. Wir stoßen gemeinsam an und stimmen uns auf das gemeinsame Mittagessen ein. Das Vorbereiten des Aperitifs ist eine heiß begehrte Aufgabe geworden und der Aperitif selber ein Höhepunkt, auf den sich alle freuen.

Rituale in der Familie

Familienleben bewusst gestalten - meinefamilie.atRituale wie diese haben sich im Laufe der Jahre in unserem Familienleben einige entwickelt. Eine Idee, die wir ebenfalls übernommen haben, ist das „Danke-Spiel“ an den Geburtstagen. Wenn jemand Geburtstag feiert in der Familie, darf jeder beim Geburtstagsessen reihum sagen, wofür er dem Geburtstagskind im vergangenen Jahr ganz besonders dankt. „Danke, dass du sooft mit mir spielst“. „Danke, dass du mich immer die Englischvokabeln abfragst“. „Danke, dass du so viele Witze erzählst“, oder „Danke, dass du die Champignons immer für mich isst“, alles ist erlaubt. Es lässt uns erkennen, was jeder Einzelne zum Familienleben beiträgt und dass jeder seinen ganz besonderen Platz hat.

Geburtstage sind eine wunderbare Gelegenheit, Familienrituale zu entwickeln. In der Familie einer Freundin werden Geburtstagskinder immer mit einem Teller voller Zuckerl geweckt, von denen es sich ein paar nehmen darf. Fotoalben anschauen, besondere Essenswünsche für den Tag haben oder das Lieblingskleid tragen dürfen, sind alles Möglichkeiten, das Geburtstagskind in den Mittelpunkt zu stellen. Unsere Kinder freuen sich immer wieder neu darauf, dass sie an ihrem Festtag keinen Küchendienst haben und stattdessen die anderen ihre Aufgaben erledigen.

Familientraditionen entstehen aus der eigenen Familiengeschichte heraus. Manche übernimmt man aus der eigenen Ursprungsfamilie, andere sind Ideen und Wünsche, die man immer schon mit sich herumträgt. Wieder andere schaut man sich ganz einfach ab und integriert sie ins eigene Familienleben.

Identität Prägen

Rituale und Bräuche, machen die eigene Familie aus. Sie können zu fixen Bestandteil des Familienlebens werden und die Identität der einzelnen Familienmitglieder und ihren Zusammenhalt stark prägen. Sie tragen zur Charakterformung der Kinder bei. Sie machen eine Familie stark. Sie durchbrechen die Gewohnheit des Alltags und schenken immer wieder Höhepunkte, auf die man sich freuen kann.

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Ob das die Gestaltung des Geburtstages, des Sonntags oder ganz einfach des Abendrituals ist. Ob es „Familienscherze“ sind, die nur wir allein verstehen, eine „Familienkultserie“, die wir uns immer wieder anschauen und über die wir diskutieren. Bestimmte Arten von Essen, die es nur an bestimmten Tagen gibt. Gebete, die zu gewissen Anlässen wie zu Beginn einer Reise gesprochen werden oder die besondere Deko, die im Wohnzimmer nur im Advent aufgehängt wird. Sie geben Kindern, in einer Welt der Schnelllebigkeit und der flüchtigen Beziehungen, eine feste Basis. Wolfgang Bergmann, sagte einmal: „Wenn der Lebensraum eines Kindes von seiner Familie gestaltet wird, dann hat er für ein Kind eine Verführungskraft, die es mit keiner Medienattraktivität aufnehmen kann.“

Rituale im Alltag

Auch der Sonntag wird bei uns in besonderer Weise hervorgehoben. Die praktischen Tischsets weichen einem schönen Tischtuch und einer Kerze, um die zum Frühstück eine kurze Stelle aus der Bibel vorgelesen wird. Musik soll alle aus ihren Betten locken, auch wenn das mit zunehmendem Alter immer weniger wirkt. Eine besondere Nachspeise zu Mittag, über die schon Tage vorher verhandelt wird, gehört genauso dazu. Und die besondere Schokolade zur Jause am Nachmittag sowieso.
Familienleben soll Freude machen und nicht nur von Fernsehen und Computerspielen geprägt sein. Es soll das echte Miteinander fördern und gute Gespräche ermöglichen. Es soll uns zum Lachen bringen und uns Lust darauf machen, gerne zu Hause zu sein. Es macht heranwachsende Kinder weniger abhängig vom Gruppendruck und anderen negativen Einflüssen, wenn sie ein liebevoll gestaltetes Zuhause erwartet.

Die besondere Familienzeit

Eigentlich gibt es kaum ein Fest, das wir auslassen und nicht für eine besondere Familienzeit nützen. Zu Sankt Martin gibt es jedes Jahr einen Punsch- und Bratäpfelabend, zu dem alle Martinslaternen aufgestellt werden, die bis dahin bei uns gebastelt wurden. Zu Fasching wird’s dann lustig. Wir verkleiden uns innerhalb der Familie, essen Schokofondue und gebratene Mäuse. In der Adventzeit steht die Krippengestaltung im Vordergrund. Wir werkeln die ganze Adventzeit abwechselnd an einer Krippenlandschaft, die bis Weihnachten fertig sein soll. Zum Jahresende gibt es einen Abend, bei dem wir mit einer Fotoshow am Beamer das vergangene Jahr Revue passieren lassen. Zu Neujahr gibt es einen Familienbrunch, bei dem wir ein Brainstorming über Vorsätze und Wünsche für das kommende Jahr machen. Eigentlich erstaunlich, dass wir es dazwischen noch in die Schule schaffen.

Familientraditionen entstehen aus der eigenen Familiengeschichte heraus. Manche übernimmt man aus der eigenen Ursprungsfamilie, andere sind Ideen und Wünsche, die man immer schon mit sich herumträgt. Wieder andere schaut man sich ganz einfach ab. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Manches bedarf auch der Anpassung, wenn sich die Familiensituation verändert oder die Kinder größer werden und der Wunsch nach Abwechslung aufkommt.

Neben Festen gibt es auch zahlreiche andere Möglichkeiten, familiäre Fixpunkte zu schaffen: gemeinsam musizieren, Spielerallys oder Tischtenniswettbewerbe, Leserallys oder ein gemeinsames Wissensquiz, je nach Interessen und Begabungen, die in einer Familie vorhanden sind. Je älter die Kinder werden, desto mehr können sie auch in die Vorbereitung und Gestaltung eingebunden werden und das Familienleben mitbestimmen.

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