4. Juni 2018

Müssen Eltern heute zurück auf die Schulbank, um ihre Kinder erziehen zu können?

Elternbildung - meinefamilie.at

Noch meine Eltern kannten das Wort „Elternbildung“ überhaupt nicht, früher war Erziehung etwas, das wie selbstverständlich von einer Generation an die nächste weitergereicht wurde. Heute aber passen viele traditionelle Erziehungsvorstellungen gar nicht mehr so recht in unsere Welt und/oder können keine hilfreichen Antworten mehr liefern.

Von meinen Eltern konnte ich vieles lernen und auch als erwachsene Frau schaue ich mir immer noch gerne etwas von meiner Mutter ab, aber sie kann mir nichts über Medienkompetenz von Kindern oder Familienmanagement einer berufstätigen Mutter erzählen. Ganz einfach, weil sie damit nie konfrontiert war. Auch Möglichkeiten Erziehungspartnerschaften möglichst fruchtbringend zu gestalten kann sie mir nicht anbieten – dass Eltern und PädagogInnen einen gemeinsamen Lernprozess durchlaufen, indem sie sich über Schwierigkeiten und mögliche Lösungswege im Feld der Erziehung austauschen – war einfach nicht Usus.

Hand in Hand erziehen

Das Wort des/r Lehrers/in war nicht verhandelbar und wurde auch kaum hinterfragt – von Erziehungspartnerschaft konnte nicht die Rede sein. Auch wenn noch heute viele Eltern die Rolle des Befehlsempfängers einnehmen – es tut sich was – langsam aber stetig – und das ganz im Sinne der kindlichen Entwicklung. Da wir uns aber immer weniger an traditionellen Erziehungsrichtlinien orientieren können, führt das zwangsläufig zu zunehmender Verunsicherung. Googelt man/frau das Wort „Erziehungsratgeber“ spuckt das Netz über 270.000 (!) Ergebnisse aus (Stand Mai 2018).

Fragliche Ratgeber

Sich „umzuschauen“ und andere Perspektiven auszuprobieren ist an sich ja sehr begrüßenswert, so können wir mit unseren Kindern mitwachsen. Das Problem ist nur, dass sich viele Ratgeber gegenseitig widersprechen. Von „Unerzogen leben“ bis zu „Unsere Kinder werden zu Narzissten und Tyrannen“ findet sich alles. Ein blühender Ratgeber-Markt tut sich da auf – klar, damit lässt sich auch gutes Geld machen. Zum sich widersprechenden Angebot kommt noch dazu, dass kein Erziehungsratgeber meine ganz persönliche Familiensituation, unsere Herausforderungen, Werte und Ressourcen kennt. Wie kann mir dann überhaupt jemand einen Erziehungs-RatSCHLAG geben? Die Antwort ist simpel: Gar nicht. Wir können die Antworten auf unsere Fragen nur selbst finden, unterstützt von dem Wissen über die verschiedenen kindlichen Entwicklungsphasen, erprobten Modellen zur Kommunikation, Aspekten von nachhaltigem Lernen und Medienkompetenz, u.v.m. Und eben genau diese Basis kann uns gute Elternbildung bieten.

Das führt uns zur Eingangsfrage: „Elternbildung? Warum?“ Um auf eine gute Basis zurückgreifen zu können, um über erworbenes Wissen neue Blickpunkte und Perspektiven ausprobieren zu können, um über eine Palette von Handlungsoptionen verfügen zu können. Darum Elternbildung 🙂

In Tirol findet ab November 2018 ein neuer Ausbildungslehrgang zum/r diplomierten Elternbildner/in statt, nähere Infos dazu findet ihr in meinem nächsten Blogbeitrag. Wem es aber so geht wie mir, dass er dieses Feld unglaublich spannend und begeisternd findet und der darum nicht mehr so lange warten kann … der informiert sich schon `mal bei:
Margaretha Kofler, MSc BEd Lehrgangsbegleitung KBW-Tirol fit for family-Elternbildung Tel. +43 512 2230-4806, eltern@bildung-tirol.at, www.fit-for-family.at

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EIN ARTIKEL VON
  • Iris van den Hoeven

    Als Mutter zweier Töchter, Erziehungswissenschaftlerin und Bloggerin sowie leidenschaftliche Referentin und Trainerin biete ich für Eltern und Pädagogen Seminare, Kurse und Vorträge sowie vieles mehr zu Themen der kindlichen Entwicklung an. Meine Begeisterung versprühe ich seit Dezember 2017 auch auf meinem Blog Blickpunkt Erziehung und auf Facebook.


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