28. Juli 2018

“Aber ich will”! – Auf der Suche nach dem eigenen „Ich“, Teil 1

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Die gefürchtete Trotzphase wird als ein Kampf zwischen Eltern und Kindern angesehen. Dabei ist es eine wichtige Phase, in welcher es nicht ums Kämpfen geht, sondern um das Suchen nach der eigenen Persönlichkeit. Anstatt diese Phase zu fürchten, sollte sie willkommen geheißen und den Kindern dabei möglichst stressfrei geholfen werden, diese Phase zu überstehen.

Die Trotzphase beginnt zwischen dem 11. und 36. Monat. Sie macht sich dadurch bemerkbar, dass ihr kleiner Sonnenschein plötzlich zum Monster wird, wenn etwas nicht nach seinen Vorstellungen läuft. Manche Eltern verzweifeln an den wechselnden Stimmungen ihrer Kinder. Und viele denken, dass die Kinder nur ihre Grenzen austesten wollen. Dabei geht es um etwas ganz anderes!

Kampf gegen die Eltern?

Es ist erschreckend, wie hartnäckig sich der Mythos hält, dass Kinder bewusst bösartig handeln, um die Grenzen der Eltern zu testen. Dabei erreichen Kinder erst mit durchschnittlich vier Jahren den Meilenstein des Perspektivwechsels. Bis dahin können sie sich also nicht in andere einfühlen. Das heißt, sie verstehen nicht, dass Mama ihretwegen wütend ist. Es wird trotzdem sehr häufig behauptet, dass ein Kind etwas absichtlich gemacht hat.

Ein anstrengender Schritt für die Eltern, jedoch ein sehr wichtiger Schritt für die Kinder.

Die Vorstellung eines Machtkampfes treibt viele Eltern dazu, gegen einen wichtigen Entwicklungsschritt ihrer Kinder zu kämpfen. Der Wille sich durchzusetzen kommt allerdings nicht davon, dass die Kinder unsere Grenzen testen wollen. Es hängt viel mehr damit zusammen, dass die Kinder plötzlich merken, dass sie eigenständige Persönlichkeiten sind. Bis jetzt waren sie mit ihrer Mama verbunden. Ab jetzt merken die Kinder jedoch, dass sie ihre eigenen Entscheidungen treffen und auch anders handeln können, als von ihnen erwartet wird. Ein anstrengender Schritt für die Eltern, jedoch ein sehr wichtiger Schritt für die Kinder. Trotzdem macht dieser Schritt den Kindern Angst, denn sie finden es spannend ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und gleichzeitig fühlen sie sich sicherer weiterhin als Teil ihrer Mama zu bleiben. So geraten sie in einen Zwiespalt und das ist sehr verwirrend.

Wohin mit dem Frust?

Diese Entdeckung des eigenen „Ichs“ führt dazu, dass Gefühle entstehen, mit denen Kinder noch nicht umgehen können. Eigene Entscheidungen treffen führt oft zur Überforderung, plötzlich sind da viele neue Erlebnisse und unentdeckte Möglichkeiten. Diese neue Welt ist aufregend und gleichzeitig beängstigend. Außerdem werden ihre Entscheidungen oft nicht akzeptiert, da sie in die erwachsene Welt nicht hinein passen. Darauf folgende Trotzanfälle werden von Eltern negativ bewertet, obwohl sie oft nur ein Hilferuf sind.

„Aber ich will!“

Stellen Sie sich vor, das tolle Kleid, oder der großartige Fernseher, den sie sich so lange wünschen, wurde um 90 Prozent verbilligt. Voll begeistert rennen Sie ins Geschäft und plötzlich hält Sie jemand fest und erlaubt Ihnen nicht das Kleid oder den Fernseher zu kaufen. Sie wären bestimmt wütend, traurig, frustriert. So geht es unseren Kindern bei jeder Kleinigkeit, die wir ihnen verbieten. Sie verstehen nicht, wieso sie nicht in einem Pyjama raus gehen dürfen, wieso die zwanzig Autos zu Hause bleiben müssen und wieso man nicht auf die Kommode klettern darf. Sie wollen drei Schokoladen vor dem Mittagessen verspeisen und möchten ein Sommerkleid zum Rodeln anziehen. Und dann kommen wir Eltern mit unseren Regeln und Verboten. Das macht unsere Kinder traurig, wütend und führt oft zu kleinen Weltuntergängen. Wichtig ist es einen gemeinsamen Weg zu finden, in dem zwar Regeln herrschen, diese aber die Freiheit der Kinder nicht allzu viel einschränken.

Wie dieser gemeinsame Weg aussehen kann und Sie Ihrem Kind in dieser schwierigen Selbstfindungsphase begegnen können, erläutert Mirka Huber in ihrem nächsten Artikel.

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EIN ARTIKEL VON
  • Mirka Huber

    Ich bin Journalistin und seit 2016 Mama von einem Jungen. Seitdem ist mein Leben erfüllter denn je. Meine kleine Familie ist wie eine Ruheinsel, denn neben Beruf und Familie betreue ich noch eine Pfadfindergruppe. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit Lesen, in der Natur, mit Freunden oder Sport.


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