12. Juni 2018

Grenzen sprengen – die Aufgabe unserer Kinder

Grenzen sprengen – die Aufgabe unserer Kinder - meinefamilie.at

Unsere Kinder bringen uns tagtäglich an unsere Grenzen. Oftmals gilt es sie einzuhalten. Aber manchmal, da überschreiten wir sie – wir überwinden sie mithilfe unserer Kinder.

Kurz vor dem Abendessen wird nichts mehr gegessen, schon gar nicht genascht. Das ist eine unserer Spielregeln und eine Grenze, die unser dreijähriger Maximilian, immer wieder sprengen möchte. Er schreit, zetert und fragt wiederholt nach. Doch ich bleibe ich, bei mir und möglichst ruhig. Das Essen wird in wenigen Minuten auf dem Tisch stehen. Dann können wir uns satt essen. Wenn er es zulässt, nehme ich ihn auf den Arm und wir machen die letzten Schritte gemeinsam. Bei so klaren Regeln fällt es mir leicht, die Grenze einzuhalten.

„Papa singen. Lauter!“ Papas Gesicht verzog sich, doch er überwand sich und sang mit tiefer Stimme alle drei Strophen mit. Dass er nicht alle Töne genau traf, war Maximilian natürlich egal. Er genoss die Zeit und lachte.

Aber was ist mit Maximilians Wunsch an einem heißen Sommermorgen das warme, langärmlige T-Shirt mit dem tollen Autoaufdruck anzuziehen? Oder am Abend statt dem Kartoffelgulasch lieber ein Brot zu essen?

Hier kam ich zu dem Schluss, dass es mir manchmal einfach egal ist und er entscheiden darf. Das kurzärmlige T-shirt wird für später eingepackt und das Honigbrot zum Abendessen gegessen. Vom Fleisch fällt er mir mit Sicherheit nicht, denn er hat zu Mittag schon warm gegessen.

Über den eigenen Schatten springen

Doch was ist mit unseren eigenen Grenzen? Mein Mann ist der fixen Überzeugung, dass er nicht singen kann. Doch Maximilians liebstes Gute-Nacht -Geschichtenbuch beinhaltet einige Kinderlieder, die er gerne vorgesungen bekommt und manchmal lautstark mitsingt. Vor kurzem drückte er besagtes Buch wieder einmal an Papas Brust und forderte: „Papa singen. Lauter!“ Papas Gesicht verzog sich, doch er überwand sich und sang mit tiefer Stimme alle drei Strophen mit. Dass er nicht alle Töne genau traf, war Maximilian natürlich egal. Er genoss die Zeit und lachte: „Nochmal Papa! Lauter!“ Schmunzelnd setze ich mich zu ihnen und wir sangen zu dritt.

Eine meiner persönlichen Grenzüberschreitungen lag darin, mit einer Strumpfhose auf dem Kopf im Wohnzimmer herumzulaufen. Als Spaß setzten sich Maximilian und ich seine Hose und Strumpfhose auf unsere Köpfe. Wie seine Augen nun blitzten und sein helles Lachen durchs Zimmer tönte, werde ich so schnell nicht vergessen. Es wärmte mein Herz und gehört zu einem meiner schönsten Augenblicke mit ihm.

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EIN ARTIKEL VON
  • Karolina Putz

    Beruflich bin ich als freie Journalistin und Projektmanagerin tätig. Privat bietet das Leben mit unserem dreijährigen Sohn so allerhand Überraschendes, Freudiges aber auch Dinge zum Aus-der-Haut-fahren.


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