2. Juni 2018

Die Dosis macht das Gift – Essen ohne Verbote, aber mit viel Genuss

Die Dosis macht das Gift - Essen ohne Verbote aber mit viel Genuss - meinefamilie.at

Wenn man  vom gesunden Essen spricht, dann denken viele Menschen gleich an Verzicht, Verbote und Einschränkungen. Das stimmt nicht. Eine gesunde Ernährung, ist eine Ernährung ohne Verbote. Wie man ohne Verbote trotzdem auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten kann und warum der Genuss eine große Rolle in diesem Kontext spielt.

Jedes dritte Kind ist übergewichtig oder adipös. Aktuelle Studien zeigen, dass ein Übergewicht in der Kindheit auch die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht im Erwachsenenalter erhöht. Aus diesen Gründen ist es noch wichtiger eine gesunde Ernährung in den Alltag Ihres Kindes Ihrer Familie einzubauen. Aus meiner Sicht gibt zwei wichtige Grundsätze für eine gesunde Ernährung:

  • Die Dosis ist entscheidend – wie auch Paracelsius schon sagte „Die Dosis macht das Gift“
  • Genießen
  • Verbote – ein No-Go

Viele kennen das Problem – etwas wird einem verboten und plötzlich kann man an nichts anderes mehr denken. Verbietet man dem Kind also ein Lebensmittel, dann wird es erst recht interessant. Wenn die Kinder dann doch einmal zu einem der „verbotenen“ Lebensmittel Zugang haben, dann haben Sie den Konsum davon meist nicht mehr unter Kontrolle.

Beispiel – was Verbote bewirken können:

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Die Eltern verbieten ihrem Kind Süßigkeiten. Süßes ist schlecht für die Zähne, die Haut und macht dick. Klar, Eltern möchten nur das Beste für das Kind. Es ist gut, Süßes in Maßen zu genießen. Ein totales Verbot jedoch, kann auch genau zum Gegenteil führen. Wenn das Kind, das sich zuhause an diverse Lebensmittelverbote halten muss, einmal bei Freunden oder bei Oma und Opa eingeladen ist (wo oft gelockerte Regeln gelten) und es Süßes angeboten bekommt, kann es sich oft nicht beherrschen. Zu groß ist die Gier “nach der verbotenen Frucht”. Zuhause darf man das Lebensmittel nicht essen, deswegen schlägt das Kind oft doppelt und dreifach zu. In der Gier verschlingt es große Mengen. Es kann die Aufnahme nicht kontrollieren.

Tipp:

Eltern sollten sich in Erinnerung rufen, dass die Dosis das Gift macht. Erlauben Sie kleine Mengen an „ungesunden“ Lebensmitteln, aber eben sparsam und mit Genuss. Ermöglichen Sie es Ihrem Kind zum Beispiel, von Zeit zu Zeit etwas Süßes zu essen. Achten Sie aber darauf, dass es nicht ein Kilo davon auf einmal isst sondern mit Maß und Ziel und dass es den Verzehr genießt.

Genuss

Der Genuss bei Lebensmitteln ist bei jedem Menschen individuell, da schon alleine die Geschmacksvorlieben von Person zu Person unterschiedlich sind. Wichtig zum „Erlernen“ von Geschmack ist hier, dass man Kindern eine breite Vielfalt an Speisen anbietet. In der Sensorik gibt es den Begriff „mere exposure effect“ – der Effekt der bloßen Darbietung. Das bedeutet, dass man einem Kind ein Lebensmittel teilweise mindestens Zehnmal anbieten soll, bis es dieses akzeptiert. Dies bedeutet natürlich auch, dass man als Eltern Geduld haben muss und vor allem, dass man keinen Druck auf das Kind ausüben soll. Die Belohnung für diese Mühen ist, dass das Kind viele Geschmäcke kennenlernt. So wird mit der Zeit die Auswahl an Lebensmitteln, die das Kind gerne mag, größer und somit wachsen auch die Möglichkeiten der gesunden und genussvollen Ernährung. Dies funktioniert auch bei Erwachsenen. Je öfter man ein bestimmtes Lebensmittel kostet, desto mehr mag man es auch.
Ein Gegenspieler zum „mere exposure effect“ ist die „spezifische sensorische Sättigung“.
Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Ihr Kind nur noch ein und dieselbe Speise essen möchte – und das oft Tag für Tag. Mein Tipp, lassen Sie ihrem Kind diese Speise. Besonders bei jungen Kindern handelt es sich meistens um eine Phase – sie geht vorbei und das nächste Lebensmittel oder Gericht wird interessant. Früher oder Später wird das Kind sich an der Speise „abessen“ und wieder zugänglicher für neue Gerichte sein.

Vorteile des Genießens

Nur 17 % der ÖsterreicherInnen bezeichnen sich als Genießer. Welchen Vorteil hat man, wenn man genießt?

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Ein Genießer/ eine Genießerin:

  • ist glücklicher
  • hält weniger Diäten
  • ist normalgewichtiger
  • ist leistungsfähiger
  • isst gesünder

Genuss trägt auch zu einer positiven Stimmung bei. Wäre es nicht toll, wenn auch ihre Kinder die Möglichkeit hätten, von diesen Vorteilen zu profitieren?

Tipps zum Genuss

  • Essen kann viel Freude bereiten, wenn es schmeckt.
  • Gehen Sie keine Geschmackskompromisse ein.
  • Kaufen und essen Sie nur, was Ihnen und Ihrer Familie wirklich schmeckt.
  • Hören Sie auf, wenn Sie satt sind!
  • Essen Sie nicht aus Frust, Langeweile oder Stress. Trost und Belohnung sollen nicht mit Lebensmitteln
    und schon gar nicht mit Süßigkeiten verbunden sein.
  • Achten Sie beim Einkaufen auf die Qualität der Zutaten. Ein Gericht kann nur so gut werden,
    wie die Ausgangsprodukte sind.
  • Der Appetit beeinflusst, was im Einkaufswagen landet – gehen Sie nicht hungrig einkaufen!
  • Essen Sie langsam – Genuss braucht Zeit und Übung.

7 Genussregeln

# 1 Genuss braucht Zeit: Schnelles Essen und Genuss sind ein Widerspruch. Schaffen Sie im Alltag ihrer Familie „Genusspausen“

# 2 Genuss muss erlaubt sein: Nur wenn alle Speisen erlaubt sind, kann auch Genusskompetenz entwickeln. Hemmungen, Angst- oder Schuldgefühle sind hier fehl am Platz.

# 3 Genießen geht nicht nebenbei: Schenken Sie dem Genuss Aufmerksamkeit. Achten Sie darauf, dass es beim Essen keine Ablenkung wie Fernseher, Zeitung und  Handy gibt.

# 4 Genuss ist individuell: wie oben schon erwähnt, sind die Geschmacksvorlieben bei jedem Menschen anders. Sie wissen am Besten was ihrem Körper gut tut.

# 5 Weniger ist mehr: Übermäßiger Konsum schließt Genuss aus, ganz nach dem Motto Qualität vor Quantität. Besteht ein Überangebot an Genussreizen, wird es  schwieriger den Genuss zu erleben. Eine Rippe Schokolade mit Genuss gegessen ist ein viel größeres Geschmackserlebnis als eine Tafel, die ohne Genuss  verschlungen wird. Wenn man wirklich mit Genuss isst, schafft man auch keine ganze Tafel.

# 6  Genuss ist alltäglich: Sie müssen nicht auf Anlässe warten um sich und Ihrer Familie etwas Gutes zu tun. Genussreize sind im Alltag immer vertreten und sollten  auch immer wertgeschätzt werden. Selbst ein gutes Essen im Kreise der Familie kann ein Genussmoment sein.

# 7  Genuss braucht Erfahrung: Genießen geht nicht von heute auf morgen. Nehmen Sie sich Zeit und vermitteln Sie ihrem Kind von Anfang an was Genuss bedeutet.

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EIN ARTIKEL VON
  • Martina Heigl

    "Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen" - frei nach diesem Zitat von Sokrates ist es mir als Diätologin ein Anliegen, gesunde Kost in den Alltag einzubauen. Das Ganze ohne Verbote aber mit viel Genuss.


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