2. Dezember 2019

Keine Kekse vor dem 24. Dezember!?

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Ich gebe zu, wir sind Außenseiter. Dinosaurier in einer modernen Welt. Und das nicht einfach nur, weil Weihnachtskekse bei uns Weihnachtskrapferl heissen. Nein: wir essen keine Weihnachtskekse vor dem 24. Dezember!

Und zwar nicht einfach nur bis zum 24. Dezember, nein: bei uns gibt es den ersten Teller Weihnachtskekse erst spät am Heiligen Abend. Früher war das überhaupt erst nach der Christmette, seit der Geburt unserer Tochter auch schon nach der Bescherung, als Dessert nach dem Abendessen.
Mein Mann und ich haben diese Tradition beide von daheim mitgebracht und waren unendlich froh, dass der jeweils andere das auch so weiterführen wollte. Anderenfalls hätten wir ein Beziehungsproblem gehabt.

Warum quälen wir uns nun so, während der Rest der Welt bereits unter einer akuten Vanillekipferlvergiftung leidet? Nun, weil das Warten ein so wichtiger und schöner Teil des Advents ist und weil die Freude über die Kekse dann am Heiligen Abend besonders groß ist.

Warten ist unmodern

Das Warten ist ja allgemein eine Tugend, die so ganz und gar unmodern ist und die Wirtschaft tut alles, um uns jede Art von Warten zu ersparen: Erdbeeren im Dezember, Faschingskrapfen im Juli, Overnight Delivery bei Amazon….wo man hinschaut, es muss überall schnell gehen und man möchte keinesfalls jemals auf etwas warten müssen. Dabei vergessen wir, dass das Warten die Dinge wertvoll und das Leben bunt macht. Das Leben wird zum Einheitsbrei, wenn alles jederzeit verfügbar ist.

Wo bleibt die Spannung, wenn ständig alles verfügbar ist?

In den Städten, in denen bei uns ein großer Teil der Menschen lebt, sind die Jahreszeiten sowieso nur mehr bedingt spürbar. Wie unterscheiden sich die unterschiedlichen Perioden des Jahres, wenn es nichts für diese Jahreszeit spezifisches, keine Traditionen, nichts Exklusives gibt? So oft hört man von Menschen, dass ihnen ihr Leben langweilig erscheint.

Eine ganze Industrie hat sich darauf spezialisiert, spannende und abwechselnde „Events“ zu schaffen, um gelangweilte Menschen zu unterhalten. Dabei könnte man doch so einfach Abwechslung ins Leben bringen, indem man dem Fluss der (Jahres)zeiten folgt, die verschiedenen Dinge, welche die Saisonen mit sich bringen, genießt und die Vorfreude darauf auskostet!

Von den Weihnachtskeksen zum winterlichen Import von Südfrüchten – warten ist wertvoll. Und wir freuen uns den ganzen Advent hindurch auf die Kekse (und fallen dann trotzdem ganz ungehemmt drüber her). Frohe Weihnachten!



EIN ARTIKEL VON
  • Martina Goldenberg

    Studierte Biologin, mit ganzem Herzen Adoptivmama, berufliche Bildungsarbeiterin, leidenschaftliche Öko-Fanatikerin, begeisterte Gärtnerin, fast schon zwanghaft Kreative, unverbesserliche Optimistin, nebenbei Outdoorpädagogin, schon lange Katzenmama. Mein Leben ist bunt und ich freue mich auf jeden neuen Tag, den ich mit meiner Familie und meinen Freunden erleben darf.


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