4. August 2020

Im Kindergarten wirst du das schon lernen?!


„Das wirst du im Kindergarten bzw. in der Schule schon noch lernen!“  – ist oft allgemeiner Tenor. Dieser Satz ist sicher schon vielen von uns untergekommen. Doch hat diese Redewendung wirklich ihre Gültigkeit?

Wenn Kinder beispielsweise nicht über einen längeren Zeitraum ruhig sitzen, nicht grüßen können oder zu bequem sind sich selbst anzuziehen, wird dieser Satz von den Eltern oft eingesetzt.

Sind Kindergarten und Schule wirklich dazu da, Höflichkeitsformen wie das Grüßen oder das selbstständige An- bzw. Ausziehen eines Kindes zu lehren?

Natürlich besteht ein Bildungsauftrag für die oben genannten Institutionen, dennoch darf, soll bzw. muss das Elternhaus noch erziehen und Werte / Handlungen vermitteln. Mein Sohn wollte anfänglich durch seine Schüchternheit gegenüber Mitmenschen nicht grüßen. Da ich dieses Verhalten nur schwer akzeptieren konnte, suchten wir nach Lösungsstrategien. Schließlich einigten wir uns darauf, dass er den Leuten zuwinken solle, da ihm dies sichtlich leichter fiel. Schließlich schaffte er bald darauf auch das Grüßen.

Da Kinder von Natur eine wissbegierige Art besitzen und auch bestrebt sind, Handlungen selbst ausführen zu können, muss man Neugierde, das Durchhaltevermögen, bis etwas selbstständig klappt und die Freude an der Umsetzung des Gelernten versuchen zu unterstützen und zu fördern. Erwachsene sollten in diesen Dingen Wegbegleiter sein.

Sieht man Babys und Kleinkindern zu – bemerkt man, dass Handlungen immer wieder vollzogen werden. Das Kind lernt mit Erfolg und Misserfolg umzugehen und dies ist immens wichtig für das gesamte Leben.

Wie oft ein Kind beim Gehenlernen niederfällt und unermüdlich wieder aufsteht um weitere Schritte zu tun, ist echt erstaunlich und dieses Durchhalten und die Neugierde dürfen wir Erwachsene unseren Kindern nicht nehmen. Somit sind wir Eltern in die Pflicht genommen unsere Kinder auf den Kindergarten und auf die Schule vorzubereiten und ihnen somit einen guten Start in ein selbstbestimmtes Leben zu ebnen.

Dies soll meiner Meinung aber nicht bedeuten, dass Erwachsene ihre Kleinen nicht mehr aktiv ankleiden dürfen. Hat man einen Termin oder muss man in die Arbeit, steht oft nicht so viel Zeit zur Verfügung, bis sich das Kind endlich zum Fortgehen selbstständig angezogen hat. Trotzdem sollte man im Alltag immer wieder Zeit einplanen, dass es diese Aktivitäten selbstständig umsetzen kann. Dabei könnte man dem Kind auch erklären: „In der Früh, wenn ich es eilig habe, ziehe ich dich an, damit wir pünktlich aus dem Haus kommen, sonst darfst du das gerne alleine tun. Ich denke sowieso, dass das Reden mit den eigenen Kindern extrem wichtig ist. Somit kann unser Nachwuchs auch verstehen, warum Mama/Papa in manchen Situationen so reagieren, wie sie dies tun und wir Erwachsenen bleiben authentisch.

Vertrauen Sie auf die Fähigkeiten der Kleinen und lassen Sie ihnen die Welt erkunden und erforschen und seien Sie stets ein wichtiger Begleiter auf dieser Entdeckungsreise.



EIN ARTIKEL VON
  • Elisabeth Schwab

    Ich bin stolze Mutter von zwei Kindern und von Beruf ausgebildete Kindergarten- und Hortpädagogin. Zusätzlich absolvierte ich die Ausbildung zur Volksschullehrerin. Ich liebe diesen Beruf sehr.


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