6. Mai 2020

„Ich werde ewig dankbar sein“: Erfolgsgeschichte aus dem Mutter-Kind-Haus

Wahre Geschichte aus dem Mutter Kind Haus der St

Das Mutter-Kind-Haus der St. Elisabeth-Stiftung ist der Ort, wo meine Tochter ihre ersten Schritte gelernt hat. Es ist der Ort, wo wir Zuflucht gefunden haben, als wir in großer Not waren und deswegen werden wir ewig dankbar sein.

Aus Sicherheitsgründen wurden die Namen geändert. Erfolgsgeschichte von Andrea M.

Mein Name ist Andrea, ich bin 33 Jahre alt und lebe seit 15 Jahren in Österreich. Als ich schwanger wurde, war ich 30, war Kellnerin und befand mich in einer unglücklichen Beziehung. Die Schwangerschaft war zwar ungeplant, machte mich aber sehr glücklich. Leider fand mein Partner es nicht so toll und wollte das Kind nicht. Irgendwann hat er angefangen mich zu schlagen, in der Hoffnung ich würde das Baby verlieren. Als ich im 7. Monat war und er eines Nachts wieder versucht hat mich zu schlagen, bin ich weggelaufen.

Da stand ich plötzlich: Hochschwanger, obdachlos, ohne Geld und ohne Dokumente, da er mich verfolgt hat und mein Reisepass verbrannt hat. Ein Taxifahrer hat mich ins Spital gebracht, da ich geblutet hab und Angst um mein Baby hatte und das Spital auch Menschen ohne E-card untersucht.

Ging es meinem Kind gut?

Ich war sehr glücklich zu erfahren, dass meinem Kind nichts passiert war, aber ich war auch sehr verzweifelt, da ich nicht wusste wohin.

Zurück in die Wohnung war keine Option für mich, da ich einfach mit meinem alten Leben abschließen wollte.

Als ich in der Spital-Kapelle saß und betete, kam eine Nonne zu mir und fing an mit mir zu reden. Sie brachte mich zu einer Sozialarbeiterin, die im Spital arbeitete und dann kam auch ein Pfarrer dazu, der mir angeboten hat, im Spital zu bleiben, wo sie ein Opferschutzprogramm haben.

Dankend und erleichtert nahm ich das Angebot an. Es war die beste Entscheidung meines Lebens!!!

Am nächsten Tag, hat die Sozialarbeiterin versucht mich in ein Frauenhaus unterzubringen, leider ohne Erfolg! Dann hat der Pfarrer beschlossen, dass ich, so lange es sein muss, im Spital bleiben kann, wo ich schlafen könnte und essen bekomme, ja sogar Kleidung. Er wollte mich nicht hochschwanger in ein Obdachlosenheim schicken, da er der Meinung war, dass es kein gutes Umfeld für mich wäre. Und so blieb ich dann zwei Wochen im Spital, wo sich alle sehr gut um mich gekümmert haben.

Übergangswohnheim?

Nach 2 Wochen, kam ich in einem Übergangswohnheim, wo ich anfangs Angst hatte, da die meisten Bewohner dort Drogen- und Alkoholprobleme hatten. Doch dann ging alles gut und auch dort wurde ich gut behandelt. Nach ca. drei Wochen kam dann der Bescheid, dass ein Zimmer in einem Mutter-Kind-Haus (MUKI) frei geworden war. Ich war überglücklich, dass ich es endlich geschafft hatte. Als ich das Zimmer gesehen habe, war ich erleichtert, dass ich endlich ein Heim hatte und konnte mich entspannen. So zog ich glücklich ins MUKI der St. Elisabeth-Stiftung ein.

Endlich geschafft!

Ein Monat später ist dann auch meine Tochter zur Welt gekommen!!! Wir hatten es endlich geschafft!!! Ich konnte nicht aufhören, sie anzuschauen und zu küssen!! Doch der Weg war noch lang! Da mir einige Monate bei der Versicherung fehlten, hatte ich keinen Anspruch auf Mindestsicherung und hatte deswegen wenig Geld. Zum Kindes Vater hatten wir keinen Kontakt und ich wollte auch nicht, dass er in der Geburtsurkunde eingetragen wird, somit hatten wir keine Alimente.

Dann sagte mir meine Sozialarbeiterin, dass unsere Stiftung eine Webstube hat und ich dort einen Kurs machen könnte, für das ich ein therapeutisches Taschengeld bekommen würde, und wo ich auch meine Tochter mitnehmen kann. Da ich ein bisschen Erfahrung mit Handarbeiten hatte, sagte ich sofort ja. Ich war begeistert von der Arbeitsatmosphäre und von der Wärme, mit der ich auch dort empfangen wurde.

Webstube

Es wurde mir dann erklärt, dass unsere Stickereien auf Advent- und Ostermärkten verkauft werden und so machte ich insgesamt drei Kurse in der Webstube. Danach wurde mir angeboten, eine 6-monatige Anstellung zu bekommen, damit ich über die Runden kommen kann um später beim AMS eine Chance zu bekommen.

So kam es, dass ich für meine Tochter einen Kindergarten suchte, dann angefangen habe, Teilzeit zu arbeiten. Und ich strickte und nähte und ich durfte auch am Ostermarkt meine Sachen präsentieren und verkaufen. Zu sehen, dass so viele Menschen bereit waren, Geld für meine Stickereien zu bezahlen, erfüllte mich mit viel Freude.

Ich kam mir nicht mehr wie ein Schnorrer vor. Immer Spenden annehmen zu müssen und immer nur auf Hilfe angewiesen zu sein, war für mich sehr schlimm.

Ich hatte immer ein wohlbehütetes Leben, verdiente genug und hatte alles und auf einmal musste ich jeden Cent umdrehen, damit meine Tochter alles hat, was sie braucht. Endlich wieder arbeiten zu können war schön und gab mir das Gefühl, dass ich von niemandem mehr abhängig bin. So konnte ich dann auch endlich meiner Tochter was bieten.

Nach ein paar Wochen habe ich den Antrag für eine Gemeindewohnung geschickt und hab auch eine bekommen. Meine Tochter bekommt endlich ein eigenes Zimmer und hat bald ein eigenes Zuhause.

Die St. Elisabeth-Stiftung der Erzdiözese Wien hat mir sehr geholfen, hat uns Mut gemacht und uns unterstützt. Ich habe viele tolle Menschen in den letzten zwei Jahren kennengelernt und ich habe vor, ab und zu ehrenamtlich in der Webstube auszuhelfen. Der lange Weg hat sich ausgezahlt, meine Tochter ist in Sicherheit und gesund und das alles Dank der Stiftung. Ich bin einfach nur glücklich.

Ich bin froh, dass ich den Mut hatte, vor zwei Jahren zu flüchten und ein neues Leben anzufangen. Die Webstube hat mir geholfen, den Anschluss an die Arbeitswelt zu behalten und mich nicht mehr als nutzlos zu betrachten.

Meine Tochter ist mit anderen Kindern groß geworden und ich habe von unserer Kinderpädagogin viel gelernt. Und auch wenn ich es kaum erwarten kann, endlich in unsere eigene Wohnung einzuziehen, ein bisschen Traurigkeit ist auch da. Das Mutter-Kind-Haus der St. Elisabeth-Stiftung ist der Ort, wo meine Tochter ihre ersten Schritte gelernt hat. Es ist der Ort, wo wir Zuflucht gefunden haben, als wir in großer Not waren und deswegen werden wir ewig dankbar sein.

Ein wohlbehütetes Leben ist ein Privileg und oft das Ergebnis harter Arbeit!

Doch am Ende, ist das hier nicht meine Erfolgsgeschichte, sondern die meiner Tochter: Maria-Antonia! Sie hat mir geholfen, nach vorne zu sehen und nie die Hoffnung aufzugeben. Ich brauche sie mir nur anzuschauen und weiß, dass alles gut wird!


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