23. März 2020

Hamsterkauf – Sinn und Unsinn

hamsterkauf – sinn und unsinn

Panische Einkäufer, übervolle Einkaufswagerln und leere Regale – das waren Bilder, die uns in letzter Zeit begleiteten.

Vielfach wird betont, dass Hamstern nicht sinnvoll sei, aber ich denke, eine etwas differenziertere Betrachtungsweise ist hier angebracht: Statt vieler kleiner Einkäufe einen großen Wocheneinkauf zu tätigen, ist in Zeiten der Pandemie sicher sinnvoll, um soziale Kontakte und somit die Ansteckungsgefahr zu reduzieren.

Es ist aber auch ohne Krise sinnvoll:

Es spart Zeit (nur einmal einkaufen)

Es spart Geld (gezielte Einkäufe, weniger Versuchung) und man kann bewusst eine ausgewogene Ernährung gestalten.

Um das effektiv in die Praxis umzusetzen, braucht man also einen Plan. Das bedeutet nicht, dass man damit beginnt, Dinge auf eine Einkaufsliste zu schreiben, sondern der erste Schritt ist es sich zu überlegen, was man in der kommenden Woche zu Essen gedenkt.

Ein Wochenspeiseplan muss her!

Hier ist es sinnvoll, abwechslungsreich zu planen (z.B.: 2x Fleisch, 1x Fisch, vegetarische und vegane Speisen).

Wichtig ist aber auch, am Ende nicht zu viele unterschiedliche Lebensmittel in eine Woche zu planen, da man unter Umständen am Ende auf vielen Restln sitzen bleibt.

So könnte aus dem Beilagengemüse von Tag 1 auch an einem Folgetag eine Gemüsesuppe werden.

hamstern – sinn und unsinn

Ausgehend von diesem Plan kann man sich nun im nächsten Schritt eine Einkaufsliste schreiben. Man sollte in jedem Fall letztlich nochmal die Vorratsschränke durchgehen und schauen, was einem an grundlegenden Zutaten fehlen könnte (Mehl, Zucker, Butter, Milch, Eier …).

Tipp: Um im Geschäft rasch und effizient vorzugehen, mit möglichst wenigen Kontaktpunkten, ist es hilfreich, sich die Lebensmittel entsprechend der Sortierung im Supermarkt aufzuschreiben.

So verhindert man, dass man am Ende im Geschäft 5x hin- und herläuft.

hamstern – sinn und unsinn

Wenn es nun um generelle Bevorratung von Lebensmitteln geht …

…auf lange Sicht, machen Vorräte natürlich nur Sinn, wenn es sich um haltbare Lebensmittel handelt (Trockenware, Konserven). Wichtig ist aber neben den klassischen Vorräten (Reis, Nudeln und verschiedene Konserven) auch haltbare eiweißhaltige Lebensmittel zu bevorraten.

Hülsenfrüchte (getrocknet oder in der Dose) und Nüsse sind hier sehr geeignet. Dazu macht es auch Sinn, auf eine ausreichende Ballaststoffzufuhr zu achten, weil dies auch unser Immunsystem stärkt. Daher ist es gut, bei Getreideprodukten auf Vollkornprodukte (Vollkornnudeln, Getreideflocken) zu setzen; die machen zudem länger satt.

Bei Eiweiß ist es auch wichtig, auf die biologische Wertigkeit (=Verwertbarkeit im Körper als „Baustoff“) zu achten. Dies wird durch Art und Menge der enthaltenen Aminosäuren bestimmt. Kombiniert man Lebensmittel geschickt (z.B.: Hülsenfrüchte mit Getreide), so gleichen sich die fehlenden Mengen bestimmter Aminosäuren aus und die biologische Wertigkeit erhöht sich.

Tiefkühlprodukte mehr Vitamine als Konserven

Was die obligatorische Ladung Vitamine aus Obst und Gemüse angeht, so weisen hier Tiefkühlprodukte oft höhere Werte auf als Konserven.

In einem echten Blackout mit Stromausfall ist dies aber natürlich nicht sehr hilfreich, daher ist mit Blick hierauf auch Konservengemüse in moderater Menge sinnvoll.

Wer die Möglichkeit hat (Balkon oder Garten) kann sich aber auch daran versuchen, Gemüse in gewisser Menge selbst anzubauen (besonders einfach geht’s mit Tomaten, Zucchini oder Paprika).

Letztlich haben wir das Glück in einem Land zu leben, in dem die Versorgung auf sicheren Füßen steht. Ein bisschen Vorrat (entsprechend den allgemeinen Empfehlungen des Zivilschutzes) ist sicher sinnvoll, aber glücklicherweise ist es nicht notwendig auf Monate zu bevorraten.

Generell wirft diese Zeit wichtige grundlegende Fragen auf

Woher kommen eigentlich unsere Lebensmittel? Wie nachhaltig ist diese Versorgung? Von wem und was sind wir abhängig? Und es bleibt zu hoffen, dass wir alle dazulernen, und unsere Versorgung bedachter und nachhaltiger gestalten.

Am Ende des Tages sollte man auch dies nicht vergessen: Von Klopapier und Nudeln allein kann man nicht leben, ohne sie sehr wohl.

In diesem Sinne gesund bleiben!!

 



EIN ARTIKEL VON
  • Maria Theresia Schoenfeldt

    Ich bin Ernährungswissenschafterin, berufstätig und Mutter von 2 kleinen Kindern. Zeit mit der Familie, Job, Haushalt und die vielen kleinen Aufgaben, die so zwischendurch über einen hereinbrechen, sind oft sehr schwer zu bewältigen.
    Gesunde Ernährung ist mir wichtig, aber dies soll eben auch im Alltag umsetzbar sein. Mein Mann und meine Kinder sind mir hier eine ständige Inspiration und meine größten Kritiker.


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