7. April 2020

Gründonnerstag zuhause feiern

Gründonnerstag

Eigentlich würden wir den Gründonnerstag wieder in unserer Pfarre feiern und eine Kinderliturgie vorbereiten. Tja – eigentlich!

Genau so wie vieles ist auch das heuer anders. Einige Elemente der Kinderliturgie möchten wir aber auch Zuhause übernehmen.

Worum geht es eigentlich am Gründonnerstag?

Es sind drei Punkte, die man mit Kindern sehr einfach und gut erarbeiten kann:

#1 Der Dienst am anderen

Ein Teil der Gründonnerstagsliturgie ist von jeher die Fußwaschung: Jesus wäscht seinen Jüngern vor ihrer Feier, die von der Reise staubigen Füße. In vielen Kirchen und Pfarrgemeinden ist das in den letzten Jahren wieder vermehrt praktiziert worden, indem z.B. der Papst, Priester oder Kaplan Gemeindemitgliedern die Füße gewaschen hat.

Gründonnerstag

Der theologische Hintergrund ist aber noch mehr als das Reinigen der Füße: Jesus übernimmt einen Hilfsdienst, der üblicherweise Aufgabe der Diener war.

In der Familie kann das am Gründonnerstag ein interessanter Impuls sein, den auch schon die jüngsten Kinder verstehen: Es muss ja nicht Füßewaschen sein, aber wie kann ich jemand anderem etwas Gutes tun? Wie kann ich einen Dienst aus Liebe für jemanden verrichten? Wo können wir einander – oder als Familie jemand anderem – helfen oder überraschen?

#2 Gemeinschaft erleben

Am Gründonnerstag hat Jesus mit seinen Jüngern das letzte Mal gemeinsam gegessen und gefeiert! Vor den traurigen und eher ruhigen Tagen des Karfreitag und Karsamstag ist der Gründonnerstag eine Möglichkeit, bewusst gemeinsam Zeit zu verbringen und sich an der Gemeinschaft zu freuen.

In der Pfarre war das für uns immer die Kinderliturgie und der Gottesdienst, die wir in Hinblick auf das kommende Osterfest festlich gestaltet und mit Vorfreude gefeiert haben.

Zusammen rund um den Ostertisch sitzen

Gründonnerstag

Zuhause möchten wir uns rund um unseren Ostertisch treffen und gemeinsam erzählen, was Jesus damals mit seinen Freunden erlebt hat. Wir zünden unsere Jesus-Kerze an, schmücken den Tisch mit den Palmbuschen, einem Kreuz und vielleicht noch ein paar Oster-Dekorationen. Dann beginnen wir mit einem Kreuzzeichen.

Kamishibai – Japanisches Papiertheater

Sehr gern verwenden wir zum Erzählen außer unserer Kinderbibel auch unser Kamishibai (ein japanisches Papiertheater), zuhause, in der Pfarre und im Kindergarten! Die Geschichte des letzten Abendmahls ist mit fröhlichen Bildern gestaltet. Der Don Bosco Verlag hat genau diese Bilder in einem Video online gestellt, in dem die Erlebnisse von Palmsonntag bis Gründonnerstag in kindgerechter Sprache erzählt werden.

Gründonnerstag

Für ältere Kinder kann es auch schon interessant sein, welches Fest Jesus mit seinen Freunden damals gefeiert hat, auch dazu gibt es ein Video mit der Erzählung aus dem Alten Testament.

Wir singen sehr gern und werden diese gemeinsame Feierzeit auch mit Liedern gestalten. Klassiker wie „Gottes Liebe“, „Von Mensch zu Mensch eine Brücke bauen“ oder „Wir singen alle Hallelu“ gehen immer, aber schon seit einiger Zeit sind unsere Kinder und wir große Fans von Stephie, die wirklich eingängige und sinn-volle Kinderlieder schreibt.

Gemeinschaft kann aber auch bedeuten, dass wir an diesem Tag bewusst miteinander Zeit verbringen und etwas tun, das uns gemeinsam Freude macht. Ein Spaziergang, Vorlesen, Brettspiele, etwas basteln… da habt ihr sicher auch Ideen!

#3 Mahl halten

„Mahl halten“ ist ein alter Ausdruck für gemeinsam essen; etwas, das wir momentan viel öfter machen können als sonst. In der Bibel wird immer wieder erzählt, wie Menschen miteinander essen, ihre Speisen miteinander teilen und – genießen! Auch Jesus hat gern mit seinen Jüngern und Freunden gegessen, immer wieder spielen Nahrungsmittel eine wichtige Rolle: Brot, Fische, Wein…

Am Gründonnerstag denken wir daran, dass Jesus die Eucharistie (Hl. Kommunion) eingesetzt hat und seinen Freunden verspricht: in Brot und Wein werde ich selber bei euch sein. Und: tut dies zu meinem Gedächtnis! Das heißt: tut das immer wieder und denkt dabei an mich!

Das wollen wir am Gründonnerstag auch ganz bewusst machen. Wir backen mit unseren Kindern einfaches Brot oder Weckerl, es gibt Traubensaft statt Wein, wir decken den Tisch gemeinsam, schmücken ihn und laden Jesus mit einem Gebet ein, bei uns zu sein.

Unsere Kinder mögen ein Lied sehr gern, das gerade an diesem Tag wunderbar passt:

„Wenn wir beisammen sind, essen und trinken, rufen wir: wunderbar, Jesus ist da!“

Jesus und seine Freunde haben viel miteinander gesprochen, so wie auch wir unser Tischgespräch heute sehr bewusst fröhlich und aufmerksam führen wollen. Jesus hat ihnen von Gott erzählt und an diesem Tag auch erklärt, was nun folgen wird. Ob die Jünger da eine Vorstellung hatten, was passieren wird?!

Zusatz: Die Ölbergstunden

Je nach Alter der Kinder kann abends auch noch die sogenannte „Ölbergstunde“ gestaltet werden. Jesus war in der Nacht mit seinen engsten Freunden an einem einsamen Ort und betete. Er hatte vermutlich auch Angst, er wusste ja was passieren würde.

Jesus bat seine Freunde: Bleibt wach und betet mit mir!

Auch wir können das mit ihm tun. Wir können eine Kerze anzünden und mit einfachen Worten beten: Jesus danken für die Gemeinschaft mit ihm, für unsere Familie und Freunde beten und für all die kranken Menschen bitten, die teilweise auch einsam sind und Angst haben.

Vielleicht habt ihr ja auch ein Tischerl oder einen Platz, den ihr besonders gestalten könnt. Man kann jeden Tag einen symbolischen Gegenstand dazu stellen oder einen Weg legen, die Tage der Karwoche mit von den Kindern gemalten Bildern veranschaulichen, ein Bilderbuch der Ostergeschichte an der passenden Seite aufgeschlagen aufstellen oder passende Szenen ausdrucken.

Ostergottesdienst zuhause feiern?

Die wichtigsten Feiern der Karwoche und zu Ostern, werden heuer alle aus dem Stephansdom übertragen!

  • Gründonnerstag, 9. April 2020 (18.15 – 19.15 Uhr),
  • Karfreitag, 10. April 2020 (19.15 – 20.15 Uhr),
  • Karsamstag 11. April 2020 (20.15 – 22.00 Uhr) auf ORF III
  • Ostersonntag, 12. April 2020 (10.30 – 12.00 Uhr) auf ORF II

Auch wenn der Dom leer sein wird und die Zeiten schwer sind, wird aus dem Stephansdom die Freude der Auferstehung über die Fernsehgeräte und Computer in unsere Wohnzimmer kommen. Und die Pummerin wird am Samstag und am Sonntag am Ende der Übertragungen mit ihrem unverkennbaren Klang für alle Österreicherinnen und Österreicher läuten!

 



EIN ARTIKEL VON
  • Elisabeth & Johannes Hackl

    Elisabeth und Johannes Hackl leben mit ihren Kindern, Hunden und Hühnern in Niederösterreich. Sie sind begeisterte Familienmenschen, Kindergartenpädagogen, Referenten für Natürliche Empfängnisregelung, Teilzeit-Selbstversorger, im Glauben verwurzelt und noch immer sehr verliebt ineinander!


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