28. April 2021

Groß denken: Kindern Unternehmer-Werte mit auf den Lebensweg geben

unternehmer kinder - meinefamilie.at

Österreich ist eigentlich kein Unternehmerland. Das weiß vor allem auch meine Generation. Vielen von uns wurde eingebläut, dass wir nach einem sicheren Beamten-Job streben sollen, damit wir versorgt sind. Aber man kann für seine eigenen Kinder auch nach mehr Tatendrang streben.

Gegen einen Beamten-Job ist natürlich an sich nichts zu sagen. Sicherer Job, vergleichbare Arbeitsabläufe, klarer Rahmen und Stetigkeit sind Mosaiksteine in einem Arbeitsleben, das konstant und vorhersehbar ist. 

Eine solche Denkweise, die auf Sicherheit und Vorhersehbarkeit beruht, beginnt bereits in der Kindheit. Schulen sind im Wesen nicht daran ausgelegt, risikobereite und wagemutige Menschen hervorzubringen, die später einmal unternehmerisches Tun und Denken zu wichtigen Grundpfeilern ihres Daseins erklären.

Militärischer Kontext und Fantasie

Die Schule strebt tendenziell hin zur Uniformität. Ihre historische Verortung in einem militärischen Kontext ist noch immer feststellbar. Die besten Erfolge erzielt der Schüler, der sich in das System einfügt und die Erwartungshaltungen erfüllt. Querköpfe oder Menschen mit speziellen Fachbegabungen tun sich in diesem Zusammenhang oftmals schwer.

Das Phänomen, dass die besten Schüler nach ihren Abschlüssen die langweiligsten Jobs machen oder erst gar nicht wirklich in der Arbeitswelt reüssieren, kennt jeder. Das liegt wohl daran, dass diese Einser-Kandidaten, da ja in der Schule ohnehin alles zu ihrer vollsten Zufriedenheit funktioniert, nicht die notwendige Fantasie entwickeln, die für unternehmerischen Erfolg so wichtig ist.

Kindern ihre Eigenheiten lassen

Von diesen Annahmen ausgehend ergeben sich einige Ansätze, um Kindern unternehmerische Werte mitzugeben. Die erste Prämisse lautet: Akzeptanz! Es gilt Besonderheiten zu erkennen und Talente zu akzeptieren und vor allem zu fördern. Vor allem auch: Man sollte nicht nur auf die Noten und auf die Rückmeldungen aus der Schule setzen. 

Dass sich Eltern natürlich auch über schulische Erfolge ihrer Kinder freue, liegt auf der Hand. Die Fokussierung darauf setzt aber das System Schule über die Besonderheiten des eigenen Kindes. Natürlich kann man sein Kind dabei unterstützen, in diesem System bestmöglich zu funktionieren. Aber absolut setzen sollte man dieses nicht.

Die Fokussierung auf schulische Erfolge setzt aber das System Schule über die Besonderheiten des eigenen Kindes. Natürlich kann man sein Kind dabei unterstützen, in diesem System bestmöglich zu funktionieren. Aber absolut setzen sollte man dies nicht. 

Es liegt auf der Hand auch den Charakter eines „Spiels“ in Rennen zu führen. Das nimmt der Schule den Absolutheitsanspruch. Wer dort funktioniert, hat die „Spielregeln“ durchschaut und durch Fleiß und Engagement gute Ergebnisse erzielt. Keinesfalls ist es aber so, dass derjenige, dem das nicht gelingt, dumm ist. 

Vielmehr ist es vermutlich so, dass diese Kinder Individualisten sind, die sehr schwer damit tun sich einzugliedern. Womöglich ist es auch so, dass zu viel durch ihre Köpfe schwirrt und sie sich nicht richtig konzentrieren können. Gut denkbar auch, dass sie Probleme damit haben, mit der einen Instanz zurechtzukommen, die ihnen Dinge als wahr oder falsch darlegt.

Solche Kinder haben meist auch Fantasie. Sind kreativ. Sind dann engagiert und fleißig, wenn sie einen Sinn für sich persönlich in einer Aufgabe oder in einem Themenfeld sehen. Oft sind sie auch mit speziellen Begabungen ausgestattet, sind aber keine „Generalisten“, die in allen Bereichen gute Leistungen bringen.

Balance im Leben finden

Man kann mit den Kindern auch über unterschiedlichste Berufsmöglichkeiten reden. Diesbezüglich ist es wichtig ihnen zu sagen, dass die Schule zwar wichtig ist, wichtiger aber noch, den eigenen Platz im Leben und im Arbeitsleben zu finden. Nicht jeder muss maturieren, nicht jeder muss studieren. Aber eine sehr gute Ausbildung kann in manchen Berufsfeldern obligatorisch oder zumindest kein Nachteil sein.

Die Balance ist also entscheidend: Motivieren und zugleich auch tolerieren. Einen realistischen Blick mitgeben, Fleiß und Engagement fördern, aber Schule nicht überbewerten oder gar absolut setzen.

So gelingt es womöglich, Kindern unternehmerisches Denken zu vermitteln. Mut, Abenteuerlust, Spieldrang. All das sind, so neben erwähnt, auch Eigenschaft, die Kinder meist ohnehin mit sich bringen. Es gilt also fast nur, diese zu bewahren und nicht untergehen zu lassen in schulischem Leistungsdruck oder sonstigen Erwartungshaltungen von außen.


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