14. Juli 2018

Taufpatin sein – über zwei Generationen

Taufpatin sein - über zwei Generationen - meinplan.at

Ich bin mit Freude Patin (Taufpatin). Wie stolz war ich, als ich vor mehr als 30 Jahren zum ersten Mal mein Amt als Patin bei der Taufe öffentlich bezeugte und aktiv antreten durfte. Ich war mir dessen bewusst, dass ich ausgewählt worden war, um für das Kind da zu sein, wenn seine Eltern es aus irgendeinem Grund einmal nicht können sollten und auch in Glaubensfragen und für die Glaubenserziehung zuständig war. Ich war bereit, mich auf eine Beziehung mit dem Kind einzulassen und ab jetzt Zeit dafür fix einzuplanen.

Dass das Patenamt auch die Wegbegleitung in Glaubensthemen meint, wusste ich. „Patin sein“ hört nicht auf, wenn das Patenkind erwachsen wird, im Gegenteil, da gibt es erst recht eine Menge an Möglichkeiten, sein Patenkind zu unterstützen.

Ein Leben lang für dich da

2018, der Ernstfall ist nicht eingetreten, die Sorge für das Kind konnte hauptverantwortlich bei den Eltern bleiben und musste nicht von mir übernommen werden. Ich als Taufpatin durfte den Lebensweg des Kindes anreichern mit kleinen „Edelsteinmomenten“.
Waren es zu Beginn Babysitterdienste, so wurden später dann Geburtstagspartys, Ausflüge und Einladungen zu Übernachtungen daraus.
Mit dem Älterwerden änderten sich die Inhalte des gemeinsamen Tuns: es wurde wichtig, für Schularbeiten und Prüfungen zu lernen, während Auslandsaufenthalten per Mail in Kontakt zu sein, Diplomarbeiten Korrektur zu lesen und schließlich die Hochzeitstorte zu backen.

Dies sind nur einige Highlights aus meinem Taufpatentanten-Leben, die davon erzählen, wie viele Möglichkeiten es gibt, als Patin im Leben des Kindes präsent zu sein. Es ist eine Riesenchance, das, was das Leben WERT-voll macht, zu erfahren: Nähe und Beziehung, Wertschätzung und Vertrauen, Ermutigung und Zusammenhalt in schwierigen Zeiten, Lebensfreude in Hoch-Zeiten, … und das beidseitig.

Als Taufpatin unterstütze ich die Eltern zeitlich und inhaltlich und damit in ihrem Kraftaufwand des täglichen Familie-Seins. Mittlerweile ist mein Patenkind erwachsen und hat selber drei Kinder. Mein Engagement als Patin habe ich aber deshalb nicht zurückgenommen.

Unterstützung, auch für das bereits erwachsene Patenkind

Familien funktionieren heute wie Kleinunternehmen, alles ist durchgetaktet und soll möglichst optimal laufen. Da ist den Eltern eine Pause willkommen und deshalb habe ich mich als Taufpatin entschlossen, mein erwachsenes Patenkind in seiner Rolle als Mama weiterhin zu unterstützen, und zwar in genau derselben Weise, wie ich es bereits tat, als sie selbst noch ein Kind war. Nun organisiere ich für ihre Kinder Geburtstagspartys, wir machen Ausflüge, ich lade sie zum Übernachten ein und irgendwann werden auch wir gemeinsam für Schularbeiten und Prüfungen lernen.

Gemeinsame Zeit planen

Patin sein über zwei Generationen - meinefamilie.at
© Anita Nussmüller

Um inmitten des vielgestaltigen Familienalltags diesen Aktivitäten einen fixierten Rahmen zu geben, erhält jedes Kind zu Weihnachten einen Kalender, in dem Tage markiert sind, wo wir etwas gemeinsam unternehmen werden. Bei den jüngeren Kindern steht dann zum Beispiel „In den Wald gehen“ oder „Mit dem Zug fahren“ bei einem bestimmten Datum und sie können sich darauf schon länger im Voraus freuen. Bei den älteren Kindern verstecke ich die Aktivität zum Beispiel in einer Faltblume. Der Tag ist fixiert, aber die Kinder sehen noch nicht, was wir an diesem Tag unternehmen. Vielleicht „In ein Kindertheater gehen“ oder „Mit der Nähmaschine nähen“? Es soll für sie spannend sein.

Bei den Kindern ab 10 Jahren sind Zeiträume am Kalender markiert, innerhalb derer wir etwas gemeinsam tun. Da gibt es schon so viele Termine, dass es gar nicht möglich ist, einzelne Tage im Voraus für ein Jahr festzulegen. Da überlegen wir dann gemeinsam ob es Spaß macht „In ein Mitsing-Kino zu gehen“ oder „Papier zu schöpfen“.

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Generationsübergreifend Patin sein – ein mehrfacher Nutzen

Der Kontakt mit unterschiedlich jungen Menschen hält mich am Puls der Zeit. Ich darf dazu beitragen, dass die Augen der Kinder strahlen, dass sie zu kreativen, mutigen, selbstbewussten Menschen werden und innerlich stark sind. Ich weiß nicht, wie ihre Zukunft aussehen wird, in welchem Neuland sie sich (beruflich) bewähren müssen, aber ich kann einen Vorschuss-Beitrag dafür leisten und versuchen als Generationen-Taufpatin beim Aufwachsen zu helfen.
Die Kinder haben in mir eine weitere Bezugsperson und können Erfahrungen in sicherer Umgebung machen.
Die Eltern der Kinder haben Pause und der Kontakt zu meinem Patenkind bleibt erhalten.
Und ganz praktisch: Ich muss meine Geschenke nicht immer neu überlegen – nur neue Kalender kaufen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Anita Nussmüller

    Ich lebe in einer 4-Generationenfamilie - ideal für meine Arbeit als Referentin der Fachstelle Beziehung-Ehe-Familie. Es ist nicht einfach, meine eigenen Familien-Menschen mit meiner Begeisterung anzustecken – deshalb lebe ich meine Werte vor, hinterfrage mich selbst und erkläre warum ich tue was ich tue.



1 Kommentare
  • Doris Bracher, 16. Juli 2018, 16:14 Antworten

    Liebe Anita, meine Beziehungen zu meinen Kindern wären nicht die, die sie heute sind. Du hast viel zum Gelingen beigetragen - mit deinem Engagement, deinen Ideen, die auch in diesem Artikel spürbar sind. Auch, wenn man - so wie ich - keine Patin ist, sind viele Impulsen dabei!

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