1. August 2018

Gemeinsames Familiengebet als Ritual

beten in der familie - meinefamilie.at

Bevor unser erster Sohn auf die Welt gekommen ist, haben mein Mann und ich nicht miteinander gebetet. Und ich weiß nicht, ob wir damit begonnen hätten, wenn wir zu zweit geblieben wären.

Mit Kindern stellte sich uns jedoch erstmals die Frage nach sichtbarem Gebet jenseits des „stillen Kämmerchens“. Und dieses Sichtbarmachen hat sich als eine Bereicherung für Partnerschaft, Familie und unsere Gottesbeziehung herausgestellt.

Der Wert des gemeinsamen Gebets

Glaube ist nicht für den Sonntag reserviert. Für uns ist Gott der Grund, auf dem wir uns auch von Montag bis Samstag bewegen. Diese Familienhaltung möchte ich meinen Kindern vorleben. Sich einmal am Tag vom Größten bis zum Kleinsten zum Gebet zusammenzufinden, pflegt und stärkt Verbindungen: zwischen dem Einzelnen und Gott und zwischen uns Familienmitgliedern, die wir gemeinsam nach eben diesem fragen.

Unser Ritual

Es heißt, dass Kinder Rituale brauchen. Und auch ich bin in gewisser Weise ein Ritualtyp. Rituale können zwar den Nachteil haben, sich manchmal leer anzufühlen, aber sie haben den Vorteil der Beständigkeit und die ist mir wichtig. Da der Tag mit kleinen Kindern bekanntlich eher früh beginnt, hat sich bei uns der Morgen als die aktuell beste Tageszeit für unser Familiengebet herausgestellt.

Irgendwann zwischen Kaffeetrinken, Müsliessen, Duschen, Wickeln und allerlei versuchen wir den geeignetsten Moment aufzuspüren, um uns als Familie Gott zuzuwenden. Als Zeichen, dass wir gleich beten werden, zünde ich die Kerze an. Aus der Vitrine holen wir ein paar Andachtsbücher heraus, wie etwa die Losungen, und schauen, ob uns an diesem Tag etwas besonders anspricht. Dann formulieren oder lesen wir ein Gebet. Unser großer Sohn spielt währenddessen vielleicht mit seinem Lego, hüpft durch die Gegend oder begibt sich sogar zu uns auf die Couch. Er kann sich in der Atmosphäre des Gebets frei bewegen.

Freies Gebet und bereits verfasste Gebete

Das Gebet muss bei uns nicht frei formuliert sein. Ich würde sagen, über die Woche verteilt, ist es halb frei, halb „vorgefertigt“. Große Betende und Gläubige haben ihre Worte an Gott wundervoll und berührend verfasst. Wir haben kein Problem damit, ein persönliches Gebet in ihre Hinwendung hineinzulegen. Wenn ich da nur an Franz von Assisi mit seinem „Mach mich zum Werkzeug deines Friedens“ denke… Genau das werde uns geschenkt!

Muss die Atmosphäre immer andächtig sein?

Natürlich sehnt man sich nach erbaulicher, geistlicher Atmosphäre, aber mit Zweijährigem und Baby ist das in der Regel nicht der Fall. Kaum schließt man die Augen, donnert irgendwo ein Matchboxauto auf den Boden, maunzt der Kleine, quietscht der Große… Würde man als Eltern immer darauf warten, dass sich göttliche Ruhe über das Heim legt, käme man selten zum gemeinsamen Gebet. Wir müssen uns darauf verlassen, dass Gott unsere Worte auch durch umstürzende Bauklotztürme, Kindergeplapper, aufziehbare Autos hindurch hört. Dass er sich seinen Weg durch Brioschienen hindurch zu unseren Herzen bahnt und in unserer Familie immer mehr wirken kann.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Julia Pass

    Beruflich bin ich als AHS-Lehrerin tätig, derzeit jedoch bei meinen kleinen Söhnen zuhause. Meine Kinder sind die fantastischsten Geschenke, die ich jemals bekommen habe, und mit ihnen entdecke ich vieles neu: mich, Gott und die Welt. Auf meinem Blog www.vielfaltigkeit.at schreibe ich neben anderen christlichen Themen über gelebten Glauben mit Kindern.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at