4. Februar 2019

Feiertage als Rückzugszeit für Familien – Maria Lichtmess

Feiertage als Rückzugszeit für Familien - Maria Lichtmess - meinefamilie.at

Die aktuelle Diskussion um christliche Feiertage lässt vermuten, dass wir diese zwar gerne als arbeitsfreie Tage „konsumieren“, aber immer weniger bewusst feiern. Während die „großen“ Feiertage – Weihnachten oder Ostern – kaum übersehen werden können, da wir in den Geschäften ja sozusagen über Adventkalender und Schokoladenosterhasen stolpern, fristet beispielsweise das Fest am 2. Februar wohl ein eher stilles „Insider-Dasein“. Zu Unrecht, denn Feiertage kommunizieren wichtige Werte, die für die ganze Familie von Bedeutung sein können.

Das Fest der Darstellung des Herrn – im Volksmund auch Maria Lichtmess genannt – wird bereits seit dem 5. Jahrhundert gefeiert und ist somit eines der ältesten Feste der christlichen Kirche. Zahlreiche Bräuche verdeutlichen den Sinn des Festes. Seit dem 11. Jahrhundert gibt es den Brauch der Kerzensegnung und der Lichterprozession.

Lichtmess – Bedeutung und Herkunft

Der Name Lichtmess geht wohl auf die Wachsmärkte zurück, sogenannte Lichtermessen, die an diesem Tag abgehalten wurden, um Kirche und Familien ganz praktisch mit Licht(ern) für das neue Jahr zu versorgen. Im Bauernjahr bringt sich der wichtige Lostag mit zahlreichen Bauernregeln auch heute noch in Erinnerung. So heißt es, „Wenn´s an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.“

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Der Lichtmesstag markierte auch den Beginn des bäuerlichen Wirtschaftsjahres. Knechte und Mägde bekamen ihren Jahreslohn ausbezahlt und meist noch ein paar Tage frei. Wenn das kein Grund zum Feiern war! Zu Maria Lichtmess entschied sich auch, ob die jeweilige Dienststelle gewechselt oder verlängert wurde. Traditionell kündigte man die Arbeitsstelle mit den Worten „Bauer, wir zwei machen Lichtmess“. Handwerker konnten an Maria Lichtmess ihre Arbeit erstmals wieder bei Tageslicht beenden. Früher „durchbrach“ der Lichtmesstag den Alltag der Menschen deutlich. Wie sieht es heute aus?

Bedeutung des Lichtes heute

Der Bezug zur bäuerlichen Lebensweise ist weitgehend verlorengegangen und Lichtquellen besitzen wir im Überfluss. Auf Kerzen als Leuchtmittel sind wir nicht mehr angewiesen, wir verwende sie für Zeremonien oder als Dekoration. Immer häufiger klagen wir über Lichtverschmutzung und meinen damit die dauernde Abwesenheit völliger Dunkelheit. Reklametafeln, Straßenbeleuchtung oder Lichtsensoren verhindern, dass es jemals ganz dunkel ist. Manchmal ärgern wir uns sogar über fröhlich blinkenden Lichterketten-Schmuck in unseren Nachbargärten. Wirklich nicht leicht für einen kleinen, „lichtbringenden“ Feiertag sich bemerkbar zu machen.

Sehnsüchte der Menschen

Früher sehnten sich die Menschen nach Licht, denn Lichtquellen waren nicht in diesem Maße vorhanden wie sie es heute sind. Vor allem die Wintermonate waren besonders kräftezehrend. Wonach könnten sich Menschen heute sehnen? In unserer schnelllebigen Zeit suchen viele vor allem eines: Zeit. Mehr Zeit für sich, mehr Zeit für die eigenen Kinder und die Familie.

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Achtsamkeitsseminare boomen, immer mehr Menschen nehmen sich eine Auszeit vom Alltag, um sich persönlich und beruflich neu auszurichten oder einem Burnout vorzubeugen. Man geht den Jakobsweg oder absolviert kleinere Pilgerreisen. Sehnen wir uns nach Ruhe, nach einem Herauskommen aus dem Hamsterrad des Alltages? Hoffen wir mit den Auszeiten, unserem Leben eine gute Wendung zu geben?

Wieso auf ein Sabbatical warten, wenn wir im Einklang mit dem kirchlichen Jahresfestkreis in regelmäßigen Abständen „die Pausetaste“ drücken können? Einfach nur Mensch sein und nicht ständig in Rollen wie Arbeitnehmer oder Konsument „funktionieren“ müssen. Feiern können, heißt auch Krafttanken können für den Alltag mit der Familie, den Kindern und Freunden.

Feiertage als Rückzugszeit für die Familie nützen

Schade, dass so viele Einladungen zum „Aufladen“ nicht angenommen werden. Dabei wäre es an der Zeit, dass wir unseren Kindern wieder beibringen, was viele Eltern scheinbar verlernt haben: Wie man ohne auf ein Sabatical oder ein angeleitetes Seminar zu warten lernt, wie man Ruhe und gemeinsame Zeit im Alltag findet. Was bietet sich dafür besser an als ein Feiertag? Vielleicht haben wir dies vergessen, weil der heilsame Feiertagseffekt nicht von selbst kommt sondern von uns erschlossen werden will. Die Frage „Warum wird was, wie gefeiert“ ist dabei zentral. Aber auch „Wie möchte und kann ich ganz persönlich den Festtag mit meiner Familie gestalten“?

Zum Beispiel nimmt Maria Lichtmess oder Darstellung des Herrn Bezug auf die Begegnung Jesu mit dem Propheten Simeon, der das Besondere und Göttliche in der ärmlichen Familie zu sehen vermochte. Er erkannte im 40 Tage alten Jesus den Messias und nannte ihn „Licht der Welt“. Ein Licht, das diese Welt überdauert und das wir in Form von geweihten Kerzen ins Haus holen können.

Der Tag kann aber auch genutzt werden, um uns selbst und andere einmal in einem guten Licht zu sehen und unseren Kindern Nächsten- und Selbstliebe vorzuleben. So wie Simeon, Schatzsucher und Lichtseher zu sein. So ließe sich heute Lichtmess, ganz im Sinne von Achtsamkeitsseminaren feiern. Also, lasst uns doch „Lichtmess machen“ und auch versuchen, anderen Feiertagen wieder mehr Bedeutung zukommen zu lassen.



EIN ARTIKEL VON
  • Katharina Wagner

    Mein Name is Katharina Wagner und ich bin Referentin für Eltern-Kind und Jahresfestkreis-Gruppen im Katholischen Bildungswerk Kärnten. Ich arbeite eng mit Eltern, Großeltern und Kindern zusammen um das Wissen über unsere Feiertage und Bräuche auch an die nächsten Generationen weitergeben zu können.


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