1. Juli 2021

Gewalt in der Partnerschaft – Das können Betroffene und außenstehende Personen tun


Viele Frauen, die von Gewalt in der Partnerschaft betroffen sind, trauen sich nicht, etwas dagegen zu unternehmen. Unter anderem deshalb, weil sie ihre Partnerschaft nicht aufgeben möchten. Die Psychotherapeutin, Lebens- und Sozialberaterin und Sozialarbeiterin Irina Kolendowicz-Pokorny erklärt, wo Frauen und Paare Hilfe finden. Und was man tun kann, wenn man als Freundin oder Nachbar mitbekommt, dass eine Frau geschlagen wird.

Frau Kolendowiz-Pokorny, was kann eine Frau tun, die von Gewalt in der Partnerschaft betroffen ist?

Zuerst einmal geht es darum, die Betroffenen zu schützen. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Wegweisung. Oft ist eine räumliche Trennung wichtig, die auch ohne Polizei geschehen kann. Dann, wenn der Mann einsichtig ist und selbst weggeht, weil er weiß, dass er sich nicht im Griff hat.

Nicht immer eskaliert es so, dass eine Trennung (auf Zeit) notwendig ist. Was für mögliche Schritte für die Frau bzw. für das Paar kann es in solchen Fällen geben?

Ich empfehle eine Paarberatung oder eine Therapie. Wichtig ist, die Ursachen für die Gewalt herauszufinden. Diese können vielfältig sein. Es kann ein Paarkonflikt dahinterstecken, aber auch die persönliche Geschichte der beiden, die vielleicht schon als Kind Opfer von Gewalt waren. Manche Paare müssen lernen, neue Kommunikationsformen im Konflikt zu finden und die Mechanismen zu verstehen, die zur Gewalt geführt haben. Wenn es öfter passiert ist, können Gewaltpräventionsgruppen für Männer helfen, wo diese am Impulskontrollverlust arbeiten können.

Werfen wir einen Blick auf Angehörige, Freunde oder Nachbarinnen eines solchen Paares. Was sind Signale für Außenstehende, dass Gewalt in einer Partnerschaft im Spiel ist?

Viele Betroffene versuchen ja, das, was passiert, geheim zu halten. Es gibt auch nicht die eine typische Reaktion. Man kann als Freundin zum Beispiel auf indirekte Reaktionen achten: Sozialer Rückzug ist zum Beispiel eines der Hauptmerkmale, wenn es ein Problem gibt. Auch wenn sich eine Frau immer wieder ‚verletzt‘ und behauptet, sie sei gestolpert, kann das ein Hinweis auf Gewalt sein. Am besten ist es, jede Verhaltensänderung anzusprechen, sofern ein Vertrauensverhältnis da ist.

Und wenn sich der Verdacht erhärtet?

Der gelindeste Schritt ist, mit der Betroffenen ins Gespräch zu kommen und dabei versuchen, nicht Partei zu ergreifen. Also nicht sofort über den Mann schimpfen, sondern zuerst einmal wertfrei fragen: Was ist denn bei euch los? Erst wenn klar ist, dass es wirklich zu Gewalt gekommen ist, kann man parteiisch werden und zwar indem man sagt: Du musst dich schützen! Man sollte auch nicht zu einer Trennung raten. Wichtig ist, dass das Geheimnis weg, dass das Tabu gebrochen ist und man darüber reden kann. Dabei sollte man die Schritte nicht zu weit setzen. Etwas anderes ist es natürlich, wenn Gefahr in Verzug ist.

Wie weit geht die eigene Verantwortung für eine betroffene Freundin, ein betroffenes befreundetes Paar?

Leider erlebt man häufig, dass alles so bleibt wie es ist – und man nichts dagegen machen kann. Selbst, wenn man mitbekommt, dass ein Mann seine Frau regelmäßig schlägt, muss man zuschauen, wenn die Frau nicht bereit ist, etwas zu verändern. Man kann also nur Hilfe anbieten und vermitteln, dass man da ist, wenn man gebraucht wird. Und Informationen zu Beratungsstellen besorgen.

Was soll man tun, wenn man in der Nachbarwohnung regelmäßig oder einmal lautes Schreien hört, das auf Gewalt hindeuten könnte?

Dann ruft man die Polizei und lässt nachschauen, was los ist. Das ist so etwas wie eine ‚Erste-Hilfe-Leistung‘. Sollten die Betroffenen leugnen, dass es zu Gewalt gekommen ist, dann ist das so hinzunehmen. Ich aber habe meine Verantwortung wahrgenommen. Bei Geräuschen, die sich nach Gewaltübergriffen anhören, reicht es aber nicht, einmalig die Polizei zu rufen. Das ist jedes Mal nötig. Weil es jedes Mal lebensgefährlich werden kann und zeigt, dass die Gewalt nicht geheim bleibt, sondern Folgen hat. Außerdem wäre es wichtig auf die Personen vorsichtig zuzugehen und Hilfe anzubieten.

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