21. September 2015

Migräne bei Kindern: Was? Wie? Warum?


Eine der häufigsten Arten von Kopfschmerzen betrifft auch Kinder. Was kann man tun bei Migräne bei Kindern? Was versteht man darunter? Und wie entsteht sie?

Migräne bei Kindern kann behandelt werden

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. In der Medizin unterscheidet man mehr als 150 verschiedene Arten. Eine der häufigsten ist die Migräne. Etwa zehn Prozent aller Österreicher leiden darunter.

Frauen sind doppelt so häufig von einer Migräne betroffen wie Männer. Auch bei Kindern ist die Migräne keine Seltenheit, sie tritt bei 3-5 % aller Kinder zwischen dem 3. und dem 11. Lebensjahr auf.

Was versteht man eigentlich unter Migräne?

Jede Kopfschmerzart hat typische Merkmale, die sie von anderen Kopfschmerzarten unterscheidet. Bei der Migräne treten die Schmerzen anfallsartig auf, werden als pulsierend oder pochend beschrieben und sind meist nur halbseitig. Mit der Zeit können sie sich ausbreiten oder die Seite wechseln. Typisch ist auch, dass die Schmerzen bei körperlicher Betätigung zunehmen. Zusätzlich kommt es oft zu Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit.

Wie entsteht ein Migräneanfall?

Die genauen Mechanismen, die zu einem Migräneanfall führen, sind komplex und nicht bis ins letzte Detail geklärt. Bestimmte Bereiche des Gehirnes scheinen bei Menschen mit Migräne aktiver und stärker durchblutet zu sein, wodurch sie empfindlicher auf verschiedene Reize reagieren. Die gesteigerte Aktivität in diesen Hirnarealen führt zu einer Art Entzündungsreaktion, die die Schmerzsensibilität erhöht und selbst Schmerzimpulse verursacht. Auch bestimmte Botenstoffe und Hormone sind in diese Mechanismen involviert.

Was löst einen Migräneanfall aus?

Es gibt unterschiedliche Faktoren (so genannte Trigger), die einen Migräneanfall begünstigen können. Typisch sind etwa Schwankungen im Hormonhaushalt, z.B. bedingt durch den weiblichen Zyklus. Auch körperlicher und psychischer Stress, Angst oder Trauer können einen Migräneanfall auslösen, wobei die Kopfschmerzen typischerweise erst in der Entspannungsphase nach Abklingen dieser Emotionen auftreten.

Weitere mögliche Ursachen sind Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus, Nikotin, Alkohol, Unterzuckerung bzw. großer Hunger oder auch Umweltreize wie Lärm, Gerüche oder Wetterumschwünge.

Vorboten des Migräneanfalls – die Aura

Etwa zehn bis 30 Prozent der Betroffenen haben vor einem Migräneanfall eine sogenannte “Aura”, d.h. sie merken durch bestimmte Vorboten, dass sich eine Migräne anbahnt. Das können Sehstörungen sein, wie z.B. Lichtblitze oder Doppelbilder, aber auch Sprachstörungen oder Gangunsicherheiten. Typisch ist, dass sich die Aura innerhalb weniger Minuten entwickelt, etwa 15 bis 30 Minuten anhält und sich dann wieder auflöst. Im Anschluss beginnt – eventuell auch mit zeitlicher Verzögerung – die Kopfschmerzphase.

Migräne bei Kindern

Einen Migräneanfall bemerkt man bei Kindern in erster Linie am Verhalten: Sie sind gereizt, abgeschlagen, müde, hören auf zu spielen, legen sich hin und ziehen sich zurück. Oft wirken die Kinder während der Kopfschmerzattacken sehr blass und weinen. Nicht selten stehen Magen-Darm-Beschwerden im Vordergrund. Auch Kinder können ähnlich wie Erwachsene eine Aura haben. Ein Migräneanfall dauert bei Kindern insgesamt meist weniger lang als bei Erwachsenen.

Typische Auslöser eines Migräneanfalls bei Kindern sind zu wenig Schlaf, Flüssigkeitsmangel, hormonelle Veränderungen oder psychische Faktoren wie Ängste, Schulstress oder familiäre Probleme.

Diagnose Migräne

Sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern ist es zunächst wichtig herauszufinden, ob es sich tatsächlich um eine Migräne oder um eine andere Kopfschmerzart handelt. Nur so kann die passende Therapie gewählt werden. Zu den Diagnoseschritten gehört immer ein ausführliches Anamnesegespräch mit genauer Schilderung der Symptome. Ein Beschwerdetagebuch kann hilfreich sein, um mögliche Auslöser zu erkennen. Unter Umständen kann eine MRT oder eine Augenuntersuchung durchgeführt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Was kann ich bei einem Migräneanfall tun?

In der Therapie der Migräne geht es vor allem darum, die Schmerzen und die Begleitsymptome zu lindern. Am wirksamsten ist dabei die Kombination von medikamentösen und nicht-medikamentösen Methoden. Ihr behandelnder Arzt wird Sie beraten, welche Medikamente am besten geeignet sind, es stehen unterschiedlichen Wirkstoffklassen zur Verfügung. Vor allem bei Kindern sollten Medikamente nur nach Absprache mit dem Arzt verabreicht werden.

Zusätzlich kann es hilfreich sein, sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurückzuziehen. Ein paar Stunden Schlaf bringen – vor allem bei Kindern – oft Erleichterung. Auch ein kühler Umschlag auf der Stirn oder eine sanfte Massage der Stirn kann angenehm sein.

Um Migräneanfallen vorzubeugen können ausreichend Bewegung und Sport helfen. Auch Entspannungstechniken, wie z.B. Yoga, oder einige komplementärmedizinische Ansätze wie etwa Akupunktur haben sich bewährt. Ein geregelter Schlafrhythmus, gesunde Mahlzeiten, feste Essenszeiten und ausreichend Flüssigkeit gehören ebenfalls zu den prophylaktischen Maßnahmen. Und nicht zuletzt sollte man versuchen, jene Trigger, die individuell zu Kopfschmerzattacken führen, so gut es geht zu vermeiden.

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EIN ARTIKEL VON
  • Netdoktor

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