20. Juli 2015

Die Gratis-Zahnspange


Seit Juli 2015 gibt es in Österreich die Gratis-Zahnspange: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein und welche unterschiedlichen Zahnspangen gibt es?

Die Gratis-Zahnspange für Kinder und Jugendliche

Seit Anfang Juli diesen Jahres gibt es in Österreich die Gratis-Zahnspange, viel wurde darüber berichtet. Aber welche Voraussetzungen müssen eigentlich erfüllt sein, damit sie wirklich kostenlos ist? Und welche unterschiedlichen Zahnspangen gibt es?

Hohe Kosten

Zahnspangen sind eine tolle Sache, können sie doch Zahn- und Kieferfehlstellungen korrigieren und uns so zu einem gesunden Gebiss, einem schöneren Lächeln und mehr Selbstvertrauen verhelfen. Die meisten Zahnspangen werden im Kindes- oder Jugendalter eingesetzt, sie können aber auch im Erwachsenenalter noch gute Erfolge bringen. Der Knackpunkt: Vor allem festsitzende Zahnspangen sind oft sehr teuer und nicht für alle Familien leistbar.

Dieses Problem soll nun mit der Gratis-Zahnspange gelöst werden. Doch damit das Gebiss auch wirklich kostenfrei reguliert wird, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

Wer bekommt die Gratis-Zahnspange?

Die neue Krankenkassenzahnspange gilt für Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren, und zwar bei besonders schweren Fehlstellungen. Der Schweregrad von Zahnfehlstellungen wird anhand einer internationalen Klassifikation beurteilt, der so genannten Kieferorthopädischen Behandlungsnotwendigkeit IOTN (Index oft Treatment Need). Die Schweregrade reichen dabei von Grad 1 (kein Behandlungsbedarf) bis Grad 5 (sehr großer Behandlungsbedarf). Welcher Schweregrad jeweils vorliegt entscheidet ein Kieferorthopäde; bei Grad 4 oder 5 kann die Gratis-Zahnspange in Anspruch genommen werden.

Wie ist der Ablauf?

Die Erstberatung macht der behandelnde Zahnarzt. Besteht die Notwendigkeit einer Zahnspange, überweist er weiter an einen Vertragskieferorthopäden, der dann den Schweregrad der Fehlstellung beurteilt. Das bisher notwendige Bewilligungsverfahren der Krankenkassen über den Chefarzt fällt dabei weg. Das gesamte Verfahren soll damit viel schneller als bisher ablaufen.

Wird die Fehlstellung als Grad 4 oder 5 eingestuft, kann die Gratiszahnspange in Anspruch genommen werden. Allerdings nicht bei jedem Zahnarzt bzw. Kieferorthopäden in Österreich, sondern nur bei jenen, die einen speziellen Vertrag für die Krankenkassenzahnspange unterschrieben haben. Österreichweit sind dies rund 180 Ärzte. Wer lieber bei seinem eigenen Zahnarzt bleibt, bekommt, wenn dieser nicht zu den Vertragsärzten gehört, nach dem Wahlarztschema einen Teil der Kosten rückerstattet.

Welche Zahnspangen werden finanziert?

Bei jüngeren Patienten bis circa 12 Jahre werden meist herausnehmbare Zahnspangen angefertigt, der bisherige Selbstbehalt von durchschnittlich 400 Euro entfällt dabei. Jugendliche bekommen eine festsitzende Zahnspange bzw. Brackets finanziert. Ästhetische Modelle wie z.B. durchsichtige oder innen liegende Zahnspangen werden nicht finanziert.

Die Gratis-Zahnspange bleibt so lange kostenlos, bis 70 % der Fehlstellung behoben sind. Wie lange dies dauert, ist unter anderem vom Alter des Betroffenen und dem Schweregrad der Fehlstellung abhängig. Nach der Behandlung erhält man einen Zahn-Stabilisator (Retainer), der ein neuerliches Verschieben der Zähne verhindert; auch dies wird nun von der Krankenkasse finanziert. Insgesamt können sich betroffene Familien so Kosten von bis zu 5.000 Euro sparen.

Wann bekommt man eine fixe, wann eine herausnehmbare Zahnspange?

Solange der Übergang vom Milch- zum bleibenden Gebiss nicht abgeschlossen ist, bekommen Kinder meist eine lose, herausnehmbare Zahnspange. In dieser Zeit ist der Kiefer noch leicht beeinflußbar, Behandlungserfolge zeigen sich auch, wenn die Spange nicht permanent sondern z.B. nur nachts getragen wird.

Es gibt verschiedene Arten von herausnehmbaren Zahnspangen, z.B. so genannte aktive Platten, Aktivatoren oder Kunststoffschienen. Herausnehmbare Spangen können bei Tag und/oder in der Nacht getragen werden. Zum Essen, bei sportlichen Aktivitäten oder in der Schule können sie herausgenommen werden. Die genaue Tragezeit wird vom behandelnden Arzt individuell festgelegt und sollte auch wirklich eingehalten werden, da davon der Erfolg der Behandlung abhängt.

Festsitzende Zahnspangen (Brackets) werden im Unterschied dazu an den Zähnen fixiert und erst nach Abschluss der Behandlung wieder entfernt. Auf die Außenseite der Zähne werden Plättchen geklebt und mit elastischen Drähten verbunden, in manchen Fällen können sie auch an der Innenseite der Zähne fixiert werden. Brackets gibt es aus verschiedenen Materialien. Sie werden in erster Linie bei Jugendlichen und Erwachsenen eingesetzt und sind auch bei komplexen Zahn- und Kieferfehlstellungen geeignet.

Mehr zum Thema Gratis-Zahnspange



EIN ARTIKEL VON
  • Netdoktor

    netdoktor.at ist Österreichs größtes Gesundheitsportal im Internet. Wir, die Redaktion, sind ein eingespieltes Team aus Journalisten, Medizinern und Ernährungswissenschaftern. Besonders am Herzen liegen uns sämtliche Themen rund um Schwangerschaft, Kinder und Familie. Auch mit gesunder Ernährung beschäftigen wir uns gerne.



1 Kommentare
  • Jan Dijkstra, 7. Dezember 2018, 13:20 Antworten

    Danke für diese Informationen über die Gratis-Zahnspange. Mein Sohn braucht eine Zahnspange und wir schauen uns jetzt an, wie wir sie bezahlen wollen. Wenn ich es richtig verstehe ist der Schweregrad von Zahnfehlstellungen entscheidend. Wer bestimmt den?

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at