2. Juni 2015

Badeunfälle bei Kindern


Badeunfälle gehören zusammen mit Verkehrsunfällen zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern. Wie schnell es dazu kommen kann, wird immer noch zu oft unterschätzt.

Badeunfälle – eine unterschätzte Gefahr

Schwimmbad, Urlaub am Strand oder der eigene Pool im Garten: im Sommer nutzen wir gerne jede Gelegenheit für eine erfrischende Abkühlung. Aber was, wenn einmal etwas passiert?

Es ist der Albtraum aller Eltern: Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und schon ist es geschehen. Badeunfälle gehören zusammen mit Verkehrsunfällen zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern. Wie schnell es dazu kommen kann, wird immer noch zu oft unterschätzt.

Denn vor allem für kleine Kinder kann nicht nur das tiefe Schwimmbecken oder der See, sondern auch die Badewanne, das Planschbecken oder der seichte Badeteich zur Gefahr werden. Schon wenige Zentimeter Wassertiefe können ausreichen, um in eine bedrohliche Situation zu geraten – und genau diese Gefahr wird von Erwachsenen häufig verkannt.

Ertrinken passiert schnell und leise

Geraten Kleinkinder mit dem Kopf unter Wasser, löst dies sofort eine Art Schockreaktion aus. Der Körper versteift sich, die Atemwege werden blockiert, das Kind geht ganz still unter und kann nicht auf sich aufmerksam machen. Nur drei Minuten unter Wasser genügen und die Tragödie ist passiert.

Badeunfälle – schnelle Reaktion entscheidend

Eine schnelle Reaktion ist im Ernstfall das Um und Auf. Das Kind muss sofort aus dem Wasser geborgen werden, der Notruf 144 (Rettung) oder 112 (Euronotruf) ist umgehend zu wählen.

Wichtig: Ist ein größeres Kind, ein Jugendlicher oder ein Erwachsener im Wasser in Not geraten, gestaltet sich das Retten oft sehr schwierig, die Situation kann für einen Helfer selbst schnell gefährlich werden. Ertrinkende können in ihrer Angst um sich schlagen oder versuchen, sich an den Retter zu klammern und diesen dadurch unter Wasser ziehen. In einem solchen Fall rufen Sie als allererstes den Notruf 144 oder 112. Wenn Sie kein geübter Schwimmer sind, sollten Sie nicht versuchen, den Ertrinkenden selbst zu retten, sondern ihm einen schwimmenden Gegenstand (z.B. Schwimmreifen) zuwerfen und versuchen, ihn damit an Land zu ziehen.

Erste Hilfe leisten

Sobald der Betroffene geborgen ist, muss überprüft werden, ob er bei Bewusstsein ist und Atmung sowie Puls vorhanden sind. Wenn der Gerettete bewußtlos ist, nicht atmet und keinen tastbaren Puls hat, muss sofort mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden. Diese muss so lange fortgesetzt werden, bis der Notarzt eintrifft oder der Betroffene wieder zu atmen beginnt.

Ist der Gerettete bewusstlos, kann aber selbstständig atmen, muss er mit überstrecktem Kopf in die stabile Seitenlage gelegt werden. Bis der Notarzt eintrifft, müssen Atmung und Puls regelmäßig überprüft werden.

Aus dem Wasser gerettete Personen können leicht auskühlen. Bis die Rettung eintrifft, können Sie den Betroffenen daher z.B. mit Handtüchern zudecken.

Tipps für sicheren Badespaß

Um Badeunfälle zu vermeiden, sollte man im Vorfeld einiges beachten:

  • Oberste Regel sollte sein: lassen Sie Ihr Kind niemals unbeaufsichtigt im oder am Wasser spielen, auch nicht für einige wenige Minuten. Das gilt für das Schwimmbad ebenso wie für den eigenen Garten mit Teich oder Pool und für die Badewanne.
  • Lernen Sie Ihrem Kind schon früh schwimmen. Verlassen Sie sich aber nicht darauf, dass es das im Notfall auch ganz alleine kann – Kinder sind erst ab etwa 10 Jahren sichere Schwimmer!
  • Legen Sie Ihrem Kind immer Schwimmhilfen (z.B. Schwimmflügel) an. Achten Sie darauf, dass diese die nötigen Sicherheitsrichtlinien (Norm EN 13138-1) erfüllen. Wichtig: Ein kleines Kind kann trotz Schwimmflügel mit dem Gesicht unter Wasser geraten, wenn es nach vorne kippt – es darf daher trotzdem im Wasser niemals unbeaufsichtigt sein!
  • Für ältere Kinder und Jugendliche gilt: niemals in unbekannte Gewässer springen oder tauchen, niemanden stoßen und im Wasser auf andere Schwimmer, vor allem kleinere Kinder, Rücksicht nehmen!

Erste Hilfe Kurs kann Leben retten

Wir alle sollten unser Erste-Hilfe-Wissen regelmäßig auffrischen. Die Hemmung, im Notfall Hilfe zu leisten, ist oft sehr groß, viele haben Angst, nicht richtig zu reagieren. Wenn es darum geht, ein Leben zu retten, kann man jedoch nur eines falsch machen: nichts zu tun.

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EIN ARTIKEL VON
  • Netdoktor

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