9. Juni 2020

Gärtnern mit kleinen Kindern – Fühlen, riechen, schmecken und so die Natur entdecken

Gärtnern mit kleinen Kindern

In den letzten Wochen haben wir (gezwungenermaßen) sehr viel Zeit zuhause verbracht und die Kinder waren im eigenen Garten unterwegs. Dabei haben sie die vielen Tiere beobachtet, die uns besuchen – Schnecken, Käfer und kleine Vögel. Und sie konnten beobachten, wie die Natur erblüht.

Die Neugier der Kinder war geweckt, also habe ich – trotz fehlenden grünen Daumens – beschlossen, neben den pflegeleichten Büschen, die die Grundstücksgrenze markieren,  auch noch Kräuter und Gemüse anzupflanzen. Die Kinder waren begeistert! Beobachten sie doch wahnsinnig gerne, wie etwas entsteht und wächst und helfen liebend gerne mit.

Der Garten für ‚drinnen‘

Am wenigsten Aufwand verursacht Kresse, die in einer Schüssel selbst in der winzigsten Küche angesetzt werden kann. Sie gedeiht ganz unkompliziert auf Watte und schon nach zwei bis drei Tagen kann man erste Ergebnisse sehen. Wer etwas mehr Geduld hat, kann Avocadokerne mit vier Zahnstochern anpicken und in ein bis zur Hälfte gefülltes Glas Wasser geben, sodass die obere Hälfte des Kernes  herausschaut. Nach einiger Zeit beginnt sie zu keimen, die grünen Stängel können dann in einen Topf mit Erde übersiedeln.

Riechen, schmecken, fühlen hilft bei der Auswahl der Pflanzen

Im April haben wir begonnen, Kräuter einzutopfen und diese auf die Terrasse gestellt. Vorab habe ich gemeinsam mit den Kindern überlegt, welche Kräuter sie schon kennen und mögen und was wir auch in der Küche häufig verwenden. Jedes Kind durfte sich seine ‚eigene Pflanze‘, egal ob Kraut, Gemüse oder Blume aussuchen. Tagelang haben wir an Blüten geschnuppert, z.B an blühenden Flieder oder Rosen (die erfordern viel gärtnerische Erfahrung, also habe ich mich mangels grünen Daumen dagegen entschieden). Wir haben Blätter von Rosmarin zwischen Daumen zerrieben und daran gerochen und die feinen Blätter des Salbei berührt.

Am Ende haben wir uns für Schnittlauch, Petersilie, Dille, Majoran und Rosmarin entschieden. Dazu kommt ein Minzstock, den wir bis dahin  nicht kannten. Das war unser Experiment, weil wir so gar nicht wussten, was wir damit anfangen sollten.  Der Versuch ist uns aufgegangen. Die Minze gedeiht prächtig und heute geben wir gerne einige Blätter davon gemeinsam mit einer Scheibe Zitrone oder Limette in den Wasserkrug. Die Mädchen lieben das sommerliche „Minzwasser“ und lassen dafür jeden Saft stehen.

Tipp am Rande: Bei der Minze empfiehlt es sich, sie in einem separaten Topf anzupflanzen, da sie stark wuchert und den anderen Kräutern keine Chance lässt.

Die Bio-Gärtnerin, bei der wir die Kräuter gekauft haben, hat uns außerdem mit auf den Weg gegeben, dass Kräuter im Topf viel Wasser benötigen. Daran halten wir uns natürlich, vor allem die Mädchen lieben natürlich das Gießen.

Selbst Gezogenes schmeckt einfach viel besser

Ich habe erstaunt fest gestellt, dass selbst gezogene Kräuter den Kindern viel besser schmecken, als die aus dem Supermarkt. Von den Kindern wird ‚etwas Grünes‘ in der Suppe oder im Knödel viel leichter akzeptiert, wenn Mama sagt, dass es der eigene Schnittlauch aus unseren Töpfen ist. Dasselbe gilt für Gemüse. Das selbst gezogene ist viel beliebter, als jenes, das vom Markt kommt.  Bei uns waren es Tomaten, Gurken und Radieschen, die wir in Töpfen angepflanzt haben. Die schmecken der ganzen Familie und sind relativ einfach zu ziehen.

Wer etwas mehr Platz hat als eine Fensterbank oder einen kleinen Balkon, kann darüber nachdenken, eine „Nasch-Hecke“ zu pflanzen. Das ist allerdings ein mehrjähriges Projekt, Himbeeren und Brombeeren jedoch schmecken am Besten aus dem eigenen Garten. Noch schöner als das Aussäen und Eingraben ist nämlich das Ernten. Direkt vom Busch eine Himbeere klauben oder von der Staude eine tiefrote Tomate naschen, das ist toll. Fragen Sie meine Mädchen.

Neben all den „Genusspflanzen“ haben wir diesen Frühling auch Blumen ausgesät und Zwiebel in einem Beet eingegraben. In einem kleinen Teil des Gartens haben wir Wiesenblumen-Samen ausgestreut und beobachten nun jeden Tag, ob sich schon winzige Halme entwickelt haben. Wir freuen uns schon alle auf die Blüten und hoffen, dass sich dann ganz viele Schmetterlinge im Garten zeigen werden.

Kinder dürfen mitmachen und mitgestalten

Bei allen Gartenprojekten habe ich die Mädchen aktiv mit einbezogen. Wir haben Behälter organisiert, einige Tontöpfe vom letzen Jahr bemalt und beklebt. Dann durfte jedes Kinder  in der Erde wühlen und die Samen ausbringen.
Sie konnten bei einem Beet mit mir graben und selbst die Schaufel in die Hand nehmen. Mehr als einmal setzten sie sich in die tiefe Grube und genossen die Aussicht ‚von unten‘. Meine Mädchen haben Regenwürmer beobachten und gerettet. Sie durften die neue Beet-Erde mit mir hineinwerfen und jeden einzelnen Blumenzwiebel eingraben, egal wie schmutzig sie wurden. Das anschließende Vollbad hat sich aber jedes Mal ausgezahlt.

Schließlich das wichtigste: Ausreichend gießen. Dazu hat jedes Kind nun eine eigene, kleine Gießkanne, die sie liebend gerne nutzen. Die Zweijährige bewässert jeden Abend, egal ob es regnet oder nicht, in Gummistiefel und Pyjama unsere Pflanzen.

Kleine „Kinderschaufeln“ stehen auf der Liste für die Geburtstagsgeschenke und werden sicher im kommenden Jahr zum Einsatz kommen.

Auch beim Dünger habe ich darauf geachtet, ein möglichst biologisches Produkt zu verwenden. Der Gärtner, selbst Vater von drei Kindern, hat mir damals fünf Kilo Dünger gegeben, mit den Worten: „Den kannst du sogar essen.“Nachdem die Kügelchen aber sehr intensiv nach Hasenstall und ein bisschen nach altem Schaf riechen, habe ich dankend darauf verzichtet, zu kosten. Meine Pflanzen hingegen gedeihen gut und es beruhigt mich, dass für meine Kinder keine Gefahr besteht, wenn sie in Kontakt damit kommen.

Es gibt nur wenige Regeln für das Gärtnern mit Kindern

Ich glaube, beim gemeinsamen Gärtnern kann man wenig falsch machen. Einzig eine Faustregel gibt es: Alle „Kinderpflanzen“ sollten einfach zu züchten sein, ungiftig und robust. Und die Kinder unter sanfter Anleitung einfach machen lassen. Sie werden es genießen.



EIN ARTIKEL VON
  • Vera Ortner

    Ich bin verheiratet und Mama von zwei wundervollen Töchtern. Wenn ich nicht gerade für eine Salzburger Tageszeitung arbeite, versuche ich viele fröhliche Stunden mit den Mädels zu verbringen und mich gleichzeitig im Alltagschaos nicht entmutigen zu lassen. Daran werde ich die Internetgemeinschaft und unser Bloggernetzwerk gerne Teil haben lassen.


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