26. August 2019

Was macht eine Hebamme überhaupt?


Dieser Artikel aus der Sicht einer Hebamme beinhaltet eine sehr brisante und oft gestellte Frage von schwangeren Frauen. Sie stellen diese Frage ihren Müttern, Freundinnen, dem Gynäkologen oder Hausarzt. Brauch ich so eine Hebamme?

Hier will ich einen Einblick das Tätigkeitsfeld einer Hebamme geben, und die Frage mit etwas Witz und Humor zerlegen und beantworten. Natürlich soll hier niemand persönlich kritisiert und angegriffen werden, aber etwas Humor beim Lesen setze ich jetzt einfach voraus. 😉

Braucht Frau wirklich eine Hebamme?

Ich glaube jede Hebammen-Kollegin kennt diese Anrufe, Mails oder SMSen von völlig unbekannten Frauen, die dann Freitagabend oder gar Sonntagvormittag kommen. Der oder die Anruferin erklärt dir dann, jetzt sei dringend eine Hebamme von Nöten und das am besten noch heute oder zumindest gleich morgen. Zusätzlich wird sofort gesagt, es sei wirklich dringend und man sei schon die 16. Hebamme, mit der gerade telefoniert wurde.

Auch aus unserer Sicht sollte es mehr Hebammen geben, denn der Bedarf ist, wie schon erwähnt, nicht gedeckt, aber auch eine Hebamme hat ein Privatleben – manche sind sogar so dreist und legen sich eine Familie zu 😉 – und deshalb können wir nicht sofort an Ort und Stelle stehen, wenn irgendjemand irgendwo ein Problem hat.

Der Arzt soll informieren

(c) iStock

Grundsätzlich soll und muss jeder Gynäkologe seine Patientinnen darüber informieren, dass sie im Rahmen des Mutter-Kind-Passes Anspruch auf ein Hebammen-Beratungsgespräch haben – und das völlig kostenlos. Nimmt man dies nicht in Anspruch – selbst Schuld. Informiert einen der Arzt nicht – herzlichen Dank an ihn – seine Schuld. Aber im Endeffekt leider dasselbe Theater und nicht zu ändern…

Es braucht sicher nicht jede Frau eine Hebamme, aber es würde jeder Frau gut tun. Es kommen sicher einige allein zurecht und viele haben Mütter, Omas oder Tanten, aber eine Fachperson können die in keinem Fall ersetzen, zumal sich in der Medizin in 5 Jahren einfach alles verändern kann. Die heutigen Neu-Omas stammen aus einer Generation in der die Flasche hipp, cool und angesagt, und Stillen nicht soooo wichtig war. Da kann man mit Ratschlägen schnell mal aufs Glatteis kommen.

Nun muss jede Frau bzw. Familie für sich entscheiden, wo der persönliche Fokus liegt und worin man sein Geld investieren möchte: in den teuren Kinderwagen mit der Zusatzausstattung oder in die begleitende Vertrauens- und Fachperson, die einem in einer der wichtigsten Lebensphase zur Seite steht.

Was macht nun eine Hebamme?

Aber jetzt mal Klartext… Was macht so eine Hebamme, wenn sie dann nach der Geburt zu einer Familie nach Hause kommt?

  • Alle Fragen beantworten
  • Ansprechperson sein
  • Begleiterin
  • Offenes Ohr
  • Still- und Ernährungsberatung
  • Gedeih- und Gewichtskontrollen des Neugeborenen
  • Nabelpflege
  • Kontrolle der Haut, Neugeborenengelbsucht
  • Durchführung von Prophylaxen (u. a. Vitamin K)
  • Blutabnahme für Stoffwechselscreening (PKU-Test)
  • Anleitung bei der Säuglingspflege (Baden, Babymassage, …)
  • Kontrolle der Ausscheidung
  • Kontrolle der Rückbildungsprozesse
  • Kontrolle von Geburtsverletzungen
  • Nahtentfernung
  • v.m.

Wer noch mehr Informationen bezüglich der Aufgaben einer Hebamme benötigt, kann ganz einfach die Homepage der österreichischen Hebammen besuchen.



EIN ARTIKEL VON
  • Stephanie Miesbauer

    Als ausgebildete Kindergarten- und Früherziehungspädagogin arbeitete ich zuerst einige Jahre in der Krabbelstube. Seit 2013 bin ich nun als Hebamme für Mutter und Kind im Einsatz - zuerst in Linz, seit März 2019 in Wien. Der zusätzliche Master of Advanced practice midwifery folgte 2016. Ich bin sowohl im Krankenhaus tätig als auch freiberuflich und decke somit von der Schwangerenbetreuung, über die Geburt bis hin zur Nachsorge alle Bereiche ab.


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