27. Dezember 2018

Spielerischer Jahresrückblick für Kinder


„Wer sagt eigentlich, dass sich meditative Jahresrückblicke nur für Erwachsene eignen?“ dachte sich unsere Bloggerin. Suchte ein altes Konzept zu einem Jahresrückblick, anhand des Symbols Baum heraus und adaptierte es für Kinder. Die Begeisterung ihres sechsjährigen Sohnes gab ihr Recht. Auch Kinder sind dankbar für eine Möglichkeit Erinnerungen zu schaffen und traurige Momente verarbeiten zu können.

Eine Zeit lang druckten wir nach jedem Ausflug und Kurz-Urlaub die Erinnerungsfotos daran, für unseren Sohn auf einem A4 Blatt aus. Gemeinsam mit Eintrittskarten und Foldern kamen diese Fotoblätter, in einer Folie geschützt, in eine Flügelmappe, und er konnte im Kindergarten von seinen Erlebnissen erzählen. Als ihm auf der Suche nach einem Comic-Heft die alte Foto-Mappe wieder in die Hände fiel und er begeistert in Erinnerungen schwelgte, war ich sehr berührt. Dieser Moment machte mir wieder neu bewusst, dass Erinnerungen an schöne Momente, sowie die Tatsache „eine Geschichte zu haben“ auch schon für Kinder wichtig ist.

Von meiner Zeit als Sozialarbeiterin kannte ich den Begriff „Biographiearbeit“ nur von der Altenarbeit, bis ich im Kindergarten auf die Portfolio-Mappen stieß. Ursprünglich als Kindergarteninterne Entwicklungsdokumentation begonnen sind sie derzeit eine Methode, die Kinder aktiv darin zu unterstützen, ihre eigenen Entwicklungsschritte bewusst reflektieren zu können. Dies geschieht durch die Dokumentation der Beobachtungen der Kindergärtnerinnen, die gemeinsam mit Fotos wertschätzend beschreiben was die Kinder alles gelernt haben. Die Kinder haben jederzeit Zugang zu diesen Mappen und können diese auch mit eigenen Zeichnungen bestücken. Dadurch wird die Selbstwahrnehmung gefördert und das Selbstbewusstsein der Kinder gestärkt. Am Ende der Kindergarten-Zeit bekommen sie die Portfolio-Mappe als Erinnerung mit.

Dieser Gedanke, das alte Jahr gemeinsam zu reflektieren ließ mich nicht mehr los und so startete ich mit einem alten Meditations-Tanz Konzept, anhand des Symbols Baum das Experiment „Jahresrückblick für Kinder“.

Ihr benötigt dazu:

  • ein A2 Papier 180 Gramm
  • Buntpapier
  • Seidenpapier
  • Scher
  • Filzstift

Vorbereitung:

Wer möchte kann auch noch Fotos vom alten Jahr ausdrucken und Erinnerungen an gemeinsame Ausflüge sammeln, bzw. die größten Veränderungen, die das letzte Jahr brachte schriftlich festhalten. Falls ihr Sticker oder Stempel zu Hause habt, machen diese das Bild natürlich bunter.

Der erste Arbeitsschritt besteht darin auf das A2 Papier einen Baum, aufzumalen oder aufzukleben. Es reicht ein Stamm mit Wurzeln und kahlen Ästen. Dann schneidet Blätter und Blumen aus Buntpapier aus, groß genug, um später zumindest ein Wort darauf schreiben zu können. Nun werden noch gewuzelte Kugeln aus Seidenpapier vorbereitet und los geht´s.

Ihr könnt diese Vorbereitungsarbeiten auch gemeinsam mit euren Kindern machen, dann empfiehlt es sich aber aufgrund der Größe des Projektes, in zwei Schritten vorzugehen. An einem Tag vorzubereiten und am anderen Tag das gemeinsame Ritual zu starten.

Spielerischer Jahresrückblick für Kinder - meinefamilie.at

Symbolik:

Jeder Teil des Baumes steht für einen bestimmten Bereich in unserem Leben. Darauf basierend stellte ich in meinen Tanz-Seminaren meditative Fragen, um das vergangene Jahr besser reflektieren zu können.

Die Wurzeln stehen symbolisch für den Halt in unserem Leben. Wer/Was gibt mir immer wieder Halt? Was sind die Hauptwurzeln in meinem Leben? Woraus schöpfe ich Hoffnung, Lebenskraft?

Der Stamm steht symbolisch für mich, meine Grenzen, aber auch meine Beziehungen mit der Umwelt. Wie lebe ich in meinen Beziehungen (sehr eng/ mit viel Freiraum)? Was brauche ich/ würde mir mehr entsprechen?

Die Äste stehen für die Entwicklung, die im letzten Jahr passierte. Wann gab es Wachstumsschübe? Wonach strebe ich? Gab es Wachstumsstörungen und was sind die Ursachen?

Dann gibt es noch die Möglichkeit das Klima miteinzubeziehen. Wie war das Klima (frostig, warm, Sturm, Regen)? Welches Klima entspricht meiner Persönlichkeit? Was brauche ich, um wachsen zu können?

Gemeinsamer Jahresrückblick:

Umgelegt auf die Bedürfnisse der Kinder vereinfachte ich oben genannte meditative Fragen auf fünf Hauptpunkte.

  • Beim Aufkleben der Blüten und Seidenpapier-Wuzeln stellte ich die Frage was schön war im letzten Jahr. Für jedes tolle Erlebnis schrieben wir ein Schlagwort in die Blüte, wie z.B. „Ausflug nach …“, „Geburtstagsfeier“, etc.;
  • Neu gewonnene Freunde wurden in den Stamm geschrieben, ebenso dazu gehörende Bedürfnisse der Kinder wie z.B. „öfter Oma besuchen“ oder „Freund X“ wieder einmal treffen.
  • Die Blätter standen für die traurigen Momente des Jahres. So wie Blätter im Herbst vom Baum fallen schrieben wir ärgerliche und traurige Momente in die Buntpapier-Blätter und klebten diese zu einem Blätterhaufen am Boden auf.
  • Was besonders wichtig ist, was uns Halt und Kraft gibt, schrieben wir zu den Wurzeln.
  • Letztendlich schrieben wir zu den Ästen was wir gelernt haben. Dieser Punkt eignet sich ideal, um Kinder zu ermutigen auch ihre Entwicklung zu sehen und nicht nur das was sie noch nicht können.

Natürlich ist dieses Konzept auch eine Möglichkeit die Paar-Beziehung zu durchleuchten. Lasst euch inspirieren und legt es auf eure Bedürfnisse um, egal ob ihr es für euch alleine, als ganze Familie oder nur mit einzelnen Familienmitgliedern macht, es ist eine tolle Gelegenheit dem Anderen zuzuhören und Erlebnisse gemeinsam Revue passieren zu lassen.

Wenn ihr wollt, schickt uns doch eure Fotos von euren Jahresbäumen. Was hat geklappt und was würdet ihr anders angehen? Ich würde mich über Feedback freuen.



EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Vor meiner Karenz meines Sohnes war ich in der direkten Pflege, aber auch im Leitungsteam, für die Betreuung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen verantwortlich. Als Ausgleich dazu unterrichtete ich Kinderturnen. Derzeit vertrete ich als Texterin & Grafikerin EPUs bei ihrem Firmenauftritt. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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