20. Oktober 2015

Allerheiligen oder Halloween feiern?


Die Kinder wollen unbedingt Halloween feiern, wir bestehen auf den alljährlichen Friedhofsbesuch zu Allerheiligen. Hier eine Idee, wie beides machbar ist.

Ja, als Christen sind wir da manchmal wirklich hin- und hergerissen: Die Kinder wollen unbedingt dabei sein, wenn es ums Kürbisaushöhlen, ums Verkleiden als Vampir oder Hexe oder ums „Süßes oder Saures“-Betteln geht. Wir sind aber der Meinung, das sei nicht christlich und daher bestehen wir auf den alljährlichen Friedhofsbesuch. Hier eine Idee, wie man beides unter einen Hut bekommt – und ein paar schlagende Argumente, dies auch zu begründen!

Halloween – ein keltisches Fest

Es dürfte allseits bekannt sein, dass das Fest ursprünglich aus Irland stammt: Da feierten die Kelten bereits vor 5000 Jahren ihren Jahreswechsel, das Ende des Sommers (den sie „Tag“ nannten) und den Beginn des Winters (den sie „Nacht“ nannten), ihr Erntedankfest und ihren Totengedenktag – dieses „Samhain“-Fest war also ziemlich viel auf einmal. Das Datum, der 31.10., ist also völlig einleuchtend: Die Nächte werden eindeutig länger, die Tage kürzer, die Ernte ist eingeholt, die Temperaturen sinken. Die Kelten glaubten, dass ihre Verstorbenen in der Nacht von 31.10. auf 1.11. die Erlaubnis hätten, zurückzukehren: Dieser Glaube machte ihnen aber Angst. Angst davor, dass die verstorbenen Seelen an ihren früheren Häusern Schaden anrichten könnten. Um dies zu vermeiden, wurden zunächst große Feuer entzündet, damit die verstorbenen Seelen den Häusern nicht zu nahe kommen konnten, und die Kelten verkleideten sich mit Tierfellen, um die Geister zu erschrecken.

Allerheiligen – das christliche Fest

Im 4./5. Jahrhundert kam das Christentum nach Irland – nicht zuletzt durch den bekanntesten Heiligen Irlands, den Heiligen Patrick. Im 9. Jahrhundert schließlich wurden die Kelten von den römischen Legionen unterworfen und obwohl das Christentum in Irland zu dieser Zeit bereits weit verbreitet war, hielten die Kelten immer noch an einigen ihrer heidnischen Bräuche fest, unter anderem feierten sie weiterhin den Sommer-/Winter-Übergang mit der Vertreibung der Geister ihrer Verstorbenen. Da dies aber dem christlichen Glauben komplett widerspricht, denn wir sehen ja unsere Verstorbenen nicht als „böse Geister“, setzte der Papst alles daran, diesem heidnischen Fest ein christliches entgegenzusetzen. So wurde ein bereits in anderen Ländern ansatzweise begangenes Totengedenken auf den Tag nach dem heidnischen Fest gelegt und kurzerhand „Allerheiligen“ genannt, ein Fest, an dem aller Heiligen und aller Seelen gedacht wird. Und zwar in einem positiven, wohlwollenden, ehrenden Gedenken und nicht zur Vertreibung ihrer Geister. In diesem Gedenken gehen Christen auf den Friedhof und zünden an den Gräbern Kerzen an.

Allerheiligen – Halloween

Nun färbte der christliche Feiertag auf das heidnische Fest ab. Denn der Name, den der Abend des 31. Oktober nun bekam, lautete „All Hallows Eve“, also „Aller Heiligen Vor-/Abend“, da am Tag darauf eben „Alle Heiligen“ („All Hallows“) gefeiert wurden. In einer etwas schlampigen Redeweise und Verwischung der Laute entwickelte sich der Name „Halloween“.

Einmal Amerika und zurück

Als im 19. Jahrhundert tausende Iren aufgrund einer Hungersnot in ihrer Heimat nach Amerika auswanderten, nahmen sie ihre heimischen Bräuche mit und feierten auch in der neuen Heimat Halloween. Hier entstand auch der Brauch des ausgehöhlten Kürbisses als Laterne: So erzählt eine Legende von einem Herrn namens Jack, der nach seinem Tod aufgrund seiner Bösartigkeit nicht in den Himmel eingelassen wurde und auch in der Hölle nicht willkommen war. Jack erhielt jedoch vom Teufel ein Stück glühender Kohle, welches er in Ermangelung eines besseren Platzes in eine ausgehöhlte Rübe setzte. Mit dieser Art Laterne wandle Jack immer noch durch die Welt, so die Legende. Die Iren setzten zur Erinnerung an ihren Jack Kerzen in Rüben-Laternen, die so genannten „Jack o‘ Lanterns“. In Amerika gab es nun die einfacher auszuhöhlenden und aufgrund ihrer Form praktischeren Kürbisse, die ab sofort als „Jack o’Lantern“ Einsatz fanden. Die Iren blieben in den USA, das Fest kam im 20. Jahrhundert wieder nach Europa zurück – zusammen mit Gruselverkleidungen, Gummibärchenspinnen, Schokoladeaugäpfeln und Vampirbluthimbeersaft sowie dem seltsamen Spruch „Trick or treat“ bzw. „Süßes oder Saures“.

Als Christen Halloween feiern?

Warum nicht? Das Fest hat für uns keine religiöse Bedeutung, es widerspricht in der heutigen Form auch nicht (mehr) unserem Glauben, denn von einem heidnischen Totenkult ist ja nichts mehr zu bemerken. Es ist genau genommen ein Faschingsfest geworden, das ein bestimmtes Motto hat und nicht im Februar gefeiert wird, sondern am Vorabend des Allerheiligentages. Jedenfalls lieben es meine eigenen Kinder, Halloween zu feiern. Sie ziehen sich als Hexen, Vampire, ja, auch als Zombies an, sie schnitzen Kürbisse und stellen Kürbislaternen auf, sie machen eine Kinderparty am Halloweenabend und haben ihren Spaß daran. Mit dem Spruch „Süßes oder Saures“ dürfen sie auch von Haus zu Haus ziehen und Süßigkeiten erbetteln. Sollte bei uns jemand läuten, sind wir übrigens auch gewappnet. Ich achte selbstverständlich darauf, dass meine Kinder kein „Saures“ da lassen, wenn jemand keine Süßigkeiten verteilt. Streiche lasse ich nicht zu, diese haben in meinen Augen keinerlei Berechtigung. Für uns ist der Halloweenabend ein lustiger Abend mit Freunden, wir spielen, lachen, tanzen und singen, essen lustig gefärbte oder gestaltete Speisen und trinken giftgrünen Saft. Wir haben einfach einen vergnüglichen Abend.

Und dann packen wir uns am nächsten Tag, dem Allerheiligentag, zusammen und fahren auf den Friedhof. Dort entzünden wir eine Kerze am Grab der Urgroßmutter und beten für sie. Wir singen das „Vaterunser“ und gedenken auch aller anderen Verstorbenen, die wir gekannt haben. Die Stimmung ist zwar meistens direkt am 1. November nicht wirklich ruhig und besinnlich, da an diesem Tag viele Leute auf dem Friedhof sind, dennoch ist der Kontrast zum Vorabend deutlich merkbar. Gerade das aber macht den Besuch am Friedhof auch für unsere Kinder zu einem besonderen Erlebnis.

Zu Hause stehen dann noch die ausgehöhlten Kürbisse auf der Terrasse und die Kerzenhalter im Halloween-Design, aber vor dem Bild der Urgroßmutter brennt ebenfalls eine Kerze – wir denken an sie, wir vermissen sie und wir bitten Gott, das ewige Licht für sie leuchten zu lassen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.


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