3. Juni 2015

Fronleichnam – was feiern wir da?


Das Wort Fronleichnam stammt aus dem Mittelhochdeutschen, wobei „vrōne“ so viel bedeutet wie „Herr“ und „līcham“ bezeichnet den „lebendigen Leib“

Fronleichnam – feiern wir da eine Leiche?

Diese etwas provokante Frage stammt auch diesmal von einem Kind: Ohne nach dem Fest an sich zu fragen, beleuchtet es erst einmal, was es da hört: Was soll das sein, ein Fest für eine Leiche?

Das Wort selbst stammt aus dem Mittelhochdeutschen und setzt sich aus den beiden Worten „vrōne“ und „līcham“ zusammen, wobei „vrōne“ so viel bedeutet wie „Herr“ und „līcham“ bezeichnet den „lebendigen Leib“. Daher müsste unser Fronleichnamsfest auf Deutsch eigentlich ganz einfach „Fest des Herrenleibs“ heißen.

Fronleichnam – Erfindung einer Nonne in Belgien

Den Ursprung von Fronleichnam finden wir im 13. Jahrhundert in Belgien. Ein kleines Mädchen names Juliana soll bereits mit 5 Jahren Waise geworden und in die Obhut der Klosterfrauen in ihrer Heimatstadt übergeben worden sein. Juliana fand in Schwester Sapientia nicht nur einen Mutterersatz – Sapientia tröstete das kleine Kind so gut es ging über den Verlust ihrer Eltern hinweg –, sondern auch eine eifrige Lehrerin im klösterlichen Leben und im Glauben. Zwei ganz bestimmte Orte sollen dem Waisenkind besonders gut gefallen haben: der Stall mit all seinen Tieren, die es zu pflegen galt, und die Klosterkirche. Hier verbrachte Juliana viel Zeit mit Gebet und zwar besonders vor dem Allerheiligsten, der gewandelten Hostie, die der Leib Christi ist. Als Juliana alt genug war, entschied sie sich für das Leben im Kloster und wurde ebenfalls Nonne, wie ihre Ziehmutter Sapientia auch. Bald darauf hat die junge Frau Visionen: Sie sieht den Vollmond, der durch einen schwarzen Fleck getrübt ist. Juliana erkennt in der hellen runden Scheibe des Mondes die Hostie wieder, ist aber durch den störenden Fleck irritiert. Was mag dies bedeuten?

Einige Jahre hindurch bittet Juliana Gott um eine Erklärung ihrer Vision, bis sie sie schließlich erhält und erkennt: Im christlichen Jahresfestkreis gibt es viele wichtige Feste, aber keines zur Verehrung des Allerheiligsten Sakraments. Es werde zwar an das Letzte Abendmahl mit dem Einsetzungsbericht am Gründonnerstag erinnert, aber an diesem Tag sei der Fokus vor allem auf Jesu Leid gerichtet. Nun soll es aber ein Fest geben, das es ermögliche, die große Freude über das heilige Altarsakrament auszudrücken, also die Verehrung des Leibes des Herrn. Viele Jahre dauerte es noch, bis das Fronleichnamsfest tatsächlich stattfand – Juliana durfte dies in ihrer Heimatstadt Lüttich noch erleben, allerdings verstarb sie, bevor das Fest Fronleichnam für die gesamte Kirche eingeführt wurde. Dies war 1264.

Fronleichnamsprozessionen

Fast genauso alt wie das Fest selbst sind auch die Prozessionen, bei denen nun bereits seit mehr als 750 Jahren die Hostie in wunderschön gestalteten, wertvollen, besonders kostbaren Monstranzen durch die Straßen getragen werden: Der Priester, der die Monstranz trägt, schreitet mit ihr unter einem (meist) prachtvollen „Himmel“, einem Baldachin, er wird von Geistlichen, Messdienern, Ministranten begleitet, gefolgt von Musikern und Volk. Besonders schön ist das Fest für die Erstkommunionkinder des jeweiligen Jahres, denn sie dürfen noch einmal ihr schönes neues Gewand ausführen und noch vor dem Baldachin mit dem Leib des Herrn, den sie vor kurzem zum ersten Mal empfangen durften, durch die Straßen ziehen. Dabei streuen sie Blumenblätter auf die Straße, sodass das Allerheiligste über einen Blumenteppich getragen wird.

Juhu, da ist auch schulfrei!

Ja, genau, denn Fronleichnam wurde ganz bewusst auf einen Donnerstag gelegt und zwar in Analogie zu dem Tag, an dem Jesus beim letzten Abendmahl das Dankgebet sprach, das Brot brach und sagte: „Dies ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ Da dies am Donnerstag vor seinem Leiden geschah, feiern wir Fronleichnam ebenfalls an einem Donnerstag.



EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.


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