22. März 2021

Die Vergangenheit heilen heißt die Zukunft verbessern

Familiengeschichte heilen - Glückliche Mutter, glückliches Kind - Buchrezension "Jedes Kind kann glücklich sein" - meinefamilie.at

Wie uns unsere Familiengeschichte beeinflusst und wie wir sie jederzeit zum Guten ändern können, erzählt Maren Hoff im GU-Fachbuch „Jedes Kind kann glücklich sein“. Unsere Gedanken beeinflussen unsere Kinder und sogar unser Erbgut.

Klar, unsere Vergangenheit prägt uns. Doch wie sehr? Erst recht, wenn wir selbst Kinder bekommen und Verantwortung für andere Menschen übernehmen? Wie oft fallen wir in Verhaltensweisen zurück, die uns aus unserer eigenen Kindheit vertraut sind? Oder wollen etwas ganz anders machen als die eigenen Eltern?

Maren Hoff zeigt im Fachbuch „Jedes Kind kann glücklich sein“ auf, wie man die eigene Familiengeschichte heilen kann. Nicht verarbeitete Wunden können über Generationen weitergegeben werden, das wisse man aus der Traumaforschung.

Eltern stellen sich oft in die Opferrolle, weil sie Verhaltensweisen aus ihrer Geschichte mitgenommen haben und meinen, deshalb so handeln zu müssen, wie ihre Eltern gehandelt haben. Oder ausgerechnet alles anders machen zu wollen als in ihrer eigenen Kindheit.

Die Zukunft haben wir selbst in der Hand

Dabei können wir unserer Zukunft jederzeit eine neue Ausrichtung geben, ganz egal was wir bisher durchleben mussten. Von Maren Hoff lerne ich über Erinnerungen, die deshalb stark sind, weil ich immer wieder über sie höre. Dabei kann unser Gehirn nicht unterscheiden zwischen echten und erfundenen Erinnerungen, zwischen dem, was wir tatsächlich erlebt haben und dem, von dem wir bloß erzählt bekommen oder uns selbst ausdenken. Das ist die starke Kraft unserer Vorstellung. Um unsere Vergangenheit also positiv im Gedächtnis zu behalten, können wir sie uns durchaus anders ausmalen und bewusst „einreden“.

Die Autorin selbst hat mit sechs Jahren ihren Bruder verloren und erlebt, was es heißt, all die Jahre danach nicht mehr über ihn zu sprechen. Sie selbst war erfolgreich in der Heilung ihrer Familiengeschichte und berät heute andere Menschen darin.

Unsere Vorfahren prägen unser Erbmaterial

In ihrem Buch „Jedes Kind darf glücklich sein“ erzählt sie auch über die ­– für mich unfassbare ­– Erkenntnis der Epigenetik. Unsere Eltern und Großeltern, unsere Geschichte hat nicht nur Einfluss auf Erzählungen, sie prägen selbst unser Erbmaterial, die DNA. Wir selbst beeinflussen mit unserer Ernährung oder unserem Umgang mit Stress und mit uns selbst unser Erbmaterial. Ein Grund mehr, gut für sich selbst zu sorgen, besonders als Eltern.

„Kinder sind dann glücklich, wenn sie nicht die Wunden ihrer Eltern heilen müssen, sondern sich frei entfalten dürfen. Das muss die Aufgabe jeder Generation sein: sich selbst so um das eigene Wohlbefinden und Selbstvertrauen zu kümmern, sorgsam auf Gedanken, Glaubensmuster und die eigene Würde zu achten, sich um die selbst erlittenen Wunden so zu sorgen, dass die nachfolgende Generation nicht darunter zu leiden hat.“ (Jedes Kind darf glücklich sein, S. 52)

Meine Gedanken beeinflussen auch mein Kind

Ich lerne also über die Kraft meiner Gedanken. Dass es nicht nur etwas mit mir macht, wie ich lebe und was ich denke, sondern auch damit, wie ich mit meinem Kind umgehe und wie es mit sich selbst umgehen kann.

Das Buch fordert mich heraus, in Frage zu stellen, wie ich mir manchmal selbst das Leben erschwere: durch schlechte Gedanken, durch verfahrene Verhaltensmuster. Dabei habe ich jederzeit die Chance, etwas zu ändern – indem ich mir das Positive vorstelle, vorsage, mir Zeit fürs bewusste Atmen nehme.

Eltern stärken heißt Kinder stärken

Ein eigenes Thema ist das Verarbeiten der Geburtsgeschichte. Selbst ein Jahr nach der Geburt meines Sohnes erlebe ich im Gespräch mit anderen Müttern, wie prägend diese Erfahrung für alle Eltern ist. Es sind Monate vergangen, doch die Geburtsgeschichte bewegt alle. Auch hierfür rät Hoff: Ob sie gut oder weniger gut verlaufen ist – wir haben die Macht, sie mit unseren Erinnerungen zu beeinflussen.

Hoff erhebt auch ihre Stimme, Eltern einfach Mut zuzusprechen.

„Es wäre doch schön, wenn mal jemand sagen würde: ‚Du bist gut genug so, wie du bist, dein Kind auch und ihr macht das super.“

Denn bestärkte Eltern können auf ihr Bauchgefühl hören, das stärkt letztendlich auch die Kinder.

Jedes Kind darf glücklich sein, Maren Hoff, GU-VerlagDas Buch

Jedes Kind darf glücklich sein

Wie wir die Erziehungsfehler unserer Eltern überwinden, damit unsere Kinder unbeschwert aufwachsen.

Maren Hoff
GU-Verlag, 2020
€ 17,99
Online bestellen



EIN ARTIKEL VON
  • Lucia Steindl

    Bevor ich journalistisch tätig wurde, machte ich die Ausbildung zur Kindergarten- und Hortpädagogin, leitete verschiedene Kindergruppen und arbeitete als Medienpädagogin. Nach Abschluss meines Journalismus-Studiums unterstütze ich nun mit Freude die Redaktion von meinefamilie.at.


MeineFamilie.at