26. April 2018

Wichtige Väterzeit mit Kindern und dennoch: Als Papa allein am Spielplatz

als papa allein am spielplatz - meinefamilie.at

Die Zeiten ändern sich. Aber nicht in jeder Hinsicht. Nach wie vor ist man als Papa am Spielplatz ein bestaunter und mitleidig betrachteter Exot, doch die Väterzeit ist wichtig. Dieses Umdenken muss auch in der Gesellschaft ankommen.

Mütter neigen offenbar dazu sich zusammenzutun. Man trifft sie nur äußerst selten allein mit ihren Kindern auf dem Spielplatz. Meist wird mit Coffee-To-Go-Bechern in der Hand mit anderen Müttern über das Leben geredet und getrascht, während die Kinder über mehr oder weniger halsbrecherische Rutschen hinuntersauen.

Ist er arbeitslos?

Betritt man als Vater, ohne Kaffeebecher oder sonstigen Utensilien, die auf entspannte Freizeitaktivität in guter Gesellschaft hinweisen, den Spielplatz, dann hört man die zahlreichen Mütterrunden förmlich denken. Zumindest aber kann man aber an ihren Blicken ablesen, dass sie über die Situation des Vaters mutmaßen. Ist er alleinerziehend? Arbeitslos?

Ist er womöglich gar einer von den Männern, dessen Freundin oder Frau in ihrem Job mehr Geld verdient und bei denen folglich beschlossen wurde, dass es besser sei wenn ER zuhause bei den Kindern bleibt? Für kurze Augenblicke stocken dann die gut gelaunt klingenden Gespräche der Mütterrunden, bevor wieder zum Kaffeebecher gegriffen und weitergeredet wird als habe nicht eine unerwartete Erscheinung für Irritationen gesorgt.

Allein unter Müttern

Solcherart bestaunt und implizit schon als Nichtsnutz und/oder „Wenigerverdiener“ abgestempelt ist es dann das höchste der Gefühle, zumal wenn man die eine oder andere Mutter aus Kindergarten- oder Schulkontexten kennt, ein leises und verschüchtertes „Hallo“ herauszubringen.

Dieser mehr gemurmelten als selbstbewusst vorgetragenen Grußformel folgt zumeist ein leiser Rückzug auf eine Bank in sicherer Entfernung. Smartphone und Buch sind zu diesem Zeitpunkt bereits in Griffweite. Einsame Stunden stehen bevor, an denen man sich lediglich an einem guten Buch und dem Lachen der eigenen Kinder erfreuen kann. Ein Gespräch mit anderen Eltern wird sich mit Sicherheit nicht ergeben.

Vorurteile bekämpfen: Mut zur Väterzeit

Natürlich ließen sich solche Situation ändern. Der solcherart argwöhnisch betrachtete Vater könnte klarstellen, dass er weder arbeitslos noch ein Nichtsnutz ist. Sondern dass es für ihn als Selbstständigen schlicht und einfach möglich und wichtig ist, am Nachmittag Zeit mit seinen Kindern zu verbringen, weil es die Arbeitsbedingungen der Partnerin, die als Angestellte weniger Freiheiten hat, für sie eben nicht zulassen.

Er könnte auch betonen, dass er an sich gerne hier am Spielplatz ist und er sich lediglich wünschen würde, ein wenig mehr akzeptiert und ein wenig weniger als Exot bestaunt zu werden. Auch könnte er die doch vereinzelt anzutreffenden Väter ansprechen und sich mit diesen „Exoten“ unterhalten und verbünden. Dann gäbe es neben den Mütterrunden eben auch Väterrunden und alles wäre weit normaler, selbstverständlicher und entspannter.

Immer noch Barrieren im Kopf

Das alles wären richtige Schritte und würden vermutlich Änderungen generieren. Zumindest lokal an den Orten, an denen solche „Einsprüche“ und „Interventionen“ gegen die vorherrschende Meinung etabliert werden.

Insgesamt merkt man aber die „Barrieren“, die durch die vorherrschende Meinung, durch Konsens was Geschlechterrollen betrifft, konstruiert und immer wieder aufs Neue bestätigt werden, sodass ihnen fast schon etwas „Naturhaftes“ anhaftet. Gegen diese „Barrieren“ kommt man nicht als einzelner „Widersprecher“ an, sondern dafür braucht es einen gesellschaftlichen Diskurs. Dieser wäre dringend in der angemessenen Komplexität zu führen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!



1 Kommentare
  • JNP, 26. April 2018, 23:22 Antworten

    Wenn man als Mann im Kindergarten arbeitet, ist es dasselbe - staendig diese Blicke und Kommentare von den Frauen... anscheinend soll Gleichberechtigung nur in eine Richtung funktionieren - traurig aber wahr.

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