1. Juni 2018

Welche Gefahren für Kinder im Internet lauern

gefahren im internet - meinefamilie.at

Es gibt Kinder, die bereits mit acht Jahren ein Smartphone besitzen. Ganz so als ob damit nicht der Weg ins Internet geebnet und die Welt ins Kinderzimmer geholt wäre. Die Gefahren sind nicht zu unterschätzen.

Das Internet bietet, so sage ich stets auf Nachfrage meiner Tochter, was denn so „schlimm am Internet“ sei, das Beste und das Schlechtestes was Menschen hervorbringen, denken oder tun. Es ist ein riesiges, uferloses Archiv mit großartiger Musik, herausragender Kunst und hervorragend recherchierten Texten. Aber eben nicht nur. Es ist auch ein Ort der menschlichen Abgründe, der Täuschung und der Nivellierung von journalistischen Mindeststandards.

Ein Thema nur für Erwachsene?

Nun könnte man sagen, dass oben genannte Argumente nur Erwachsene tangieren. Den Kindern könne das herzlich egal sein. Sie würden das Smartphone ja ohnehin nur dazu benutzen um Whats-App-Nachrichten zu versenden oder für die Schule zu recherchieren.

Doch so einfach sollte man es sich nicht machen. Whats-App gehört zu Facebook und ist nicht der nette App-Dienst von nebenan, sondern ist auf die Daten der interagierenden Nutzer erpicht. Dass Whats-App nur allzu leicht, vor allem im Kontext Schule, zu einem Mobbing-Netzwerk werden kann ist außerdem eine wichtige Randnotiz.

Schwerer wiegt aber die Tatsache, dass das Internet potentiell ein Ort der Täuschung ist. Man muss den Teufel nicht an die Wand malen, sollte sich aber bewusst sein, dass man mit einem Smartphone die komplexe und oft unschöne „Welt“, in die einst beschützte und mehr oder weniger beschützbare Kinderwelt hereinholt. Das Chat-Gegenüber des Kindes kann sich beispielsweise als eine Person entpuppen, die überaus problematische oder gar verachtenswerte Absichten verfolgt.

Harmlose Fotos?

Selbst harmlose Fotografien oder spielerisch gemeinte selbst gedrehte Kurzvideos von Kindern können sich verselbständigen. Diverse Apps oder Seiten ermöglichen nicht nur die Verunstaltung von Bildern, sondern die komplette Bedeutungsumkehr ebendieser. Das Kind könnte sich in Kontexte und Situationen transferiert wiederfinden, in denen es real nie gewesen ist. Ein einfacher Klick führt dann zum Teilen des Bildes oder der Videos mit der Online-Welt, die wiederum weiterteilt. Die Inhalte verselbständigen sich damit und entziehen sich sowohl der ursprünglichen Intention als auch der Kontrolle der Urheber.

Problematische Quellen

Weniger schwerwiegend scheint hingegen die Frage nach der Glaubwürdigkeit der jeweiligen Seiten und Quellen zu sein. Kinder stolpern, sobald das Smartphone einmal in der Hand ist, bei Google-Anfragen zwangsläufig auf fragwürdige Seiten, deren Wahrheitsgehalt zumindest in Zweifel gezogen werden kann. Das Netz ist voll mit Fake-News, die von Kindern nur schwer von echten News unterschieden werden können. Eine Falschmeldung ist nicht problematisch, aber die Vielzahl von Falschmeldungen kann Gedanken lenken, Weltbilder konstruieren und schlimmstenfalls bereits in frühem Alter unbegründete Vorurteile schüren.

Angebot

Familienberatung finden

Was tun?

Was aber können Eltern dagegen tun? Zuerst einmal gilt es nicht blauäugig zu sein und zu wissen, dass das Smartphone eine Eintrittskarte in eine Welt ist, die nicht mehr vollständig kontrollierbar ist. Weder von Eltern und schon gar nicht von Kindern. Es gilt daher das Kind auf Gefahren hinzuweisen und ihm ein kritisches Bewusstsein seinen möglichen virtuellen Gesprächspartnern, den Internet-Quellen und den Möglichkeiten des Netzes gegenüber mitzugeben.

Auch eine gute Gesprächsbasis mit dem Kind ist wichtig. Es soll erzählen, wenn es Mobbing erfährt oder es selbst oder Freunde und Freundinnen auf dubiose Seiten gelangen, mit deren Inhalte es in Wahrheit noch nicht umgehen kann. Verteufelung das Internets bringt wenig, zielführender ist es das Handwerkzeug mitzugeben um das Schöne von dem Hässlichen, das Nützliche vom Nutzlosen, das Wahre von dem Falschen und das Aufrichtige von dem Vorgetäuschten zu unterscheiden.

Nicht zuletzt sollte auch die Frage gestellt werden, und diese Frage geht eigentlich all den darauffolgenden voraus, ob mein Kind überhaupt ein Smartphone benötigt bzw. ab welchem Alter es damit adäquat umgehen kann. Auch hier gilt: Das Smartphone ist nicht per se schlecht, sondern es kann zu „Schlechtem“ gebraucht werden. Es liegt am User und folglich an den Eltern und dem Kind, wozu es wie gebraucht wird.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at