7. Juni 2019

Sie lieben sich – sie hassen sich! Schon wieder! Geschwisterstreit (Teil 2)


Im ersten Teil wurde beschrieben, dass hinter den Geschwisterstreitereien oft ein ganzer Eisberg steckt. Es geht meist nicht darum eine Lösung zu finden, sondern vorrangig darum Bedürfnisse (Geborgenheit, Zuwendung, Anerkennung, Sicherheit) zu erfüllen.

Hier folgen ein paar Tipps, wie Geschwisterstreit vorgebeugt oder verringert werden kann – ganz vermeiden können wir ihn nicht. Kinder brauchen Streitereien um Konfliktlösungen zum Üben.

Ich bin ich und du bist du

Jedes Kind hat seine individuellen Bedürfnisse und wird auf einzigartige Weise geliebt. Dabei muss nicht immer alles mit jedem Kind gleich gemacht werden. Dies gilt es den Kindern zu vermitteln. „Mit dem Kleinen kuschle ich länger und mit dir spiele ich länger. Möchtest du lieber länger mit mir kuscheln?“ – „Nein, Kuscheln ist was für Babys. Lass uns spielen!“ Das Kind fühlt, dass es mit seinen Bedürfnissen ernst genommen wird.

Dies hilft dabei Eifersucht abzubauen. Wenn es dann auch noch persönliche Bereiche für jedes Kind gibt, fühlen sie sich noch mehr darin bestärkt, ernst genommen zu werden. Solche Bereiche können das eigene Kinderzimmer, das eigene Bett (wenn das Zimmer mit jemanden geteilt wird), oder eine persönliche Schublade sein. Dabei gilt immer die Regel: Manche Sachen gehören nur mir. Wer damit spielen will, muss mich vorher fragen.

(c) iStock

Du blöde Kuh!

Ein Streit unter Geschwistern wird nicht selten auch sehr emotional. Ja, auch Schimpfwörter werden bei zahlreichen Geschwisterstreitereien ausprobiert. Wenn sich die eigenen Kinder dann auch noch vorwerfen, dass sie sich gegenseitig hassen, ist es für uns Eltern besonders schwierig, das mit anzuhören. Dabei gilt der Vorsatz: Die schlechten Gefühle müssen raus, sonst können die Guten nicht hinein. Nur wer auch mal negative Emotionen gegenüber einer Person zulässt, kann der Person später wieder mit positiven Gefühlen begegnen. Wird jedoch auf positive Gefühle bestanden, werden dadurch meist negative Emotionen erzeugt. Wir Erwachsene haben dabei nun die Aufgabe, die Gefühle unserer Kinder ernst zu nehmen, sie in Worte zu fassen und die beobachteten Bedürfnisse zu benennen. Wir dienen als Vermittler bzw. Übersetzer, dass unsere Kinder sich gegenseitig verstehen lernen. Dies gelingt in den meisten Fällen jedoch erst dann, wenn der erste Ärger wieder etwas verraucht ist.

So wie wir in den Wald hineinrufen…

Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass wir selbst das größte Vorbild für unsere Kinder sind. Es macht Sinn sich zu überlegen, wie wir selbst in Streitsituationen reagieren oder mit negativen Gefühlen umgehen. Fällt es uns selbst schwer eine Entschuldigung auszusprechen oder sind es unsere Kinder gewohnt, dass es eine Entschuldigung gibt, wenn wir uns mal im Ton vergriffen haben? Das, was wir unseren Kindern authentisch vorleben, ist viel effektiver als alles, was wir ihnen „nur“ erklären.

(c) iStock

Mutter-Tochter-Tag

Jedes Kind braucht Mama und Papa mal nur für sich ohne mit anderen die Zeit teilen zu müssen (auch Handys können in dieser Zeit zu Hause bleiben). Solche Exklusivzeiten für jedes Kind, sind wichtig. Entscheidend dabei ist die Intensität und nicht unbedingt die Länge der gemeinsamen verbrachten Zeit. Es ist darauf zu achten, dass jedes Kind mal was mit Mama und dann auch mal was mit Papa alleine erleben darf. Für Kinder sind beide Elternteile gleich wichtig und mit Papa erlebt man ganz andere Abenteuer als mit Mama.

Streiten spielen

Was auch noch helfen kann, um mit Konflikten leichter fertig zu werden, sind Bilderbücher. Ein gemeinsamer Ausflug zur nächsten Buchhandlung, bei dem ein Kinderbuch zum Thema Streiten (da gibt es wirklich unzählige) ausgesucht wird, kann als Exklusivzeit für ein Kind genutzt werden. Anschließend kann das Buch zu Hause vorgelesen und angeschaut werden. Dadurch erleben Kinder einen vielleicht neuen Weg, wie mit Konflikten umgegangen werden kann. Wenn der Streit individueller besprochen werden möchte, eignen sich Rollenspiele dazu. Dabei können bei größeren Kindern die Rollen der „Streithähne“ getauscht werden. Bei jüngeren Kindern können die Konflikte mit Handpuppen oder Kuscheltieren nachgespielt werden.

Im Streit gibt es einige Regeln, die zu beachten sind. Im darauffolgenden Beitrag befinden sich die Streitregeln für Kinder. Weiter werden Anhaltspunkte für uns Erwachsene, wann es besser ist, sich aus dem ganzen Theater raus zu halten oder es eben doch besser ist einzugreifen, beschrieben.



EIN ARTIKEL VON
  • Bettina Fauler

    Ich lebe mit meinem Partner und unserem Sohn in Tirol. Hauptberuflich bin ich Mama, auch wenn ich Teilzeit als Sonderkindergartenpädagogin, Elternbildnerin und Trainerin arbeite. Ich erlebe einen abwechslungsreichen (Erziehungs-)Alltag, den ich gerne mit anderen teile.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at